Dienstag, 30. August 2016

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GM investiert Milliarden Mexiko - das Produktions-Eldorado der Autobranche

Autoproduktion: Welche Autohersteller Milliarden in Mexiko investieren
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REUTERS

Mexiko läuft Brasilien den Rang ab: Das lateinamerikanische Land wird zum bevorzugten Produktionsstandort der Automobilindustrie. Japanische und deutsche Hersteller investieren massiv in neue Werke - nun folgt General Motors.

Hamburg - Allzu viel Aufsehen wollte General Motors (GM) mit seinem jüngsten Milliardeninvestment offenbar nicht erregen. Zwischen 2013 und 2018 investiert der US-Autoriese insgesamt vier Milliarden Euro für die Modernisierung seiner vier Werke in Mexiko. Rund eine Milliarde hat der Konzern bereits seit 2013 in Mexiko ausgegeben, in den kommenden vier Jahren kommen also weitere drei Milliarden Euro an Investitionen dazu.

Damit könnte der Autohersteller seine Produktionskapazitäten in Mexiko verdoppeln und so ab 2018 fast 1,3 Millionen Fahrzeuge pro Jahr in dem lateinamerikanischen Land produzieren. Das ist schon eine ganze Menge. Doch die Ankündigung der Milliardeninvestition war dem Konzern am Donnerstag gerade mal eine offizielle Mitteilung seiner mexikanischen Tochter wert -in spanischer Sprache.

Dabei befindet sich der US-Autokonzern mit seinem Milliardeninvestment in bester Gesellschaft: Fast alle globalen Autohersteller ziehen in dem nordamerikanischen Land neue Fabriken hoch. Mexiko mausert sich zum neuen Boomland der Autohersteller - trotz der Korruptionsprobleme und Drogenkriege, die häufig für weltweite Schlagzeilen sorgen.

Mittlerweile ist das Land der siebentgrößte Autoproduzent der Welt. Damit hat Mexiko seinem Rivalen Brasilien den Rang abgelaufen, worauf die Regierung stolz ist. Und es dürfte noch auf Jahre hinaus der größte Autoproduzent der Region bleiben. Denn in den vergangenen Monaten haben mehrere japanische Hersteller ihre Werke in Mexiko deutlich ausgebaut, in den kommenden Jahren ziehen globale Autohersteller weitere Fabriken hoch.

Auch Audi, BMW und Daimler drängen nach Mexiko

Nun wagen sich auch die deutschen Luxusautohersteller in das Land, angelockt unter anderem von den niedrigen Lohnkosten. Audi will Audi im Jahr 2016 sein erstes Werk in Mexiko eröffnen, das bis zu 150.000 Autos pro Jahr herstellen soll. Daimler zieht gemeinsam mit Kooperationspartner Nissan ein Werk für bis zu 300.000 Fahrzeuge pro Jahr hoch. Und BMW will 2019 eine Fabrik eröffnen, in der bis zu 150.000 Autos vom Band rollen sollen.

Dafür wollen die Hersteller Milliarden investieren. Die bereits im Land tätigen Hersteller ziehen nach. Japanische Hersteller wie Honda und Nissan haben in diesem Jahr neue Werke in Betrieb genommen oder ihre alten deutlich vergrößert. Neben GM will auch Volkswagen seine Fabriken nochmals erweitern. Volkswagen fertigt seit den 1960-Jahren Autos in Mexiko. Die VW-Fabrik in Puebla ist mit einer Jahresproduktion von 500.000 Fahrzeugen das zweitgrößte Werk im Konzern nach dem Stammwerk in Wolfsburg. Bis 2018 will der Konzern sieben Milliarden Dollar in Nordamerika investieren - ein großer Teil davon wird in den Ausbau der bislang drei mexikanischen Standorte fließen.

Mexiko bietet den Unternehmen eine Reihe an Vorteilen: Der wichtige US-Markt ist vergleichsweise nahe, das Zulieferernetz in einigen Regionen bereits sehr dicht - und die Lohnkosten sind nach wie vor niedrig. Die Gehaltskosten inklusive Zulagen für einen Bandarbeiter belaufen sich auf rund 10 Dollar pro Stunde, schreibt das Wirtschaftsmagazin "The Economist". In den benachbarten USA seien die Kosten fast fünfmal so hoch.

Autohersteller legen Wert auf sichere Regionen

Während in Brasilien hergestellte Fahrzeuge wegen hoher Zölle kaum in andere Länder exportiert werden, ist die Situation in Mexiko anders: Das Land hat Dutzende Freihandelsabkommen abgeschlossen, die den Export der Fahrzeuge erleichtern. Rund 80 Prozent der in Mexiko produzierten Fahrzeuge werden deshalb wieder ausgeführt.

Das klappt auch deshalb gut, weil die meisten Autohersteller ihre Fabriken in Zentralmexiko gebaut haben, nicht allzu weit von Mexiko Stadt entfernt. Dort ist die Bahnanbindung relativ gut - und die Auto-Regionen haben einen weiteren Vorteil: Sie gelten als relativ stabil und sicher. Es ist ein wichtiges Investorenargument in dem Land, in dem Rauschgiftkriege bereits tausende Menschenleben gekostet und ganze Regionen destabilisiert haben.

Mittlerweile sind in Mexiko fast 600.000 Menschen im Automobilsektor beschäftigt. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte vom Juli dieses Jahres könnte Mexiko im Jahr 2018 Deutschland als drittgrößten Autoexporteur ablösen. Im vergangenen Jahr wurden in Mexiko bereits 2,9 Millionen Autos gefertigt.

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