Montag, 20. November 2017

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VW-Digitalchef Jungwirth zum Thema autonomes Fahren "Selbstfahrende Autos werden ein superprofitables Geschäft für Volkswagen"

VWs Pläne mit autonomen Fahrzeugen: So stellt sich Volkswagen seine Roboterauto-Zukunft vor
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VW-Digitalchef Johann Jungwirth spricht im Interview über autonomes Fahren - und verrät, wann und wie VWs Mobilitätsdienst Moia konkret starten soll.

manager-magazin.de: Herr Jungwirth, vor einigen Wochen haben Sie auf der Automesse IAA Volkswagens Pläne für selbstfahrende Fahrzeuge konkretisiert. Der selbstfahrende Personentransporter Sedric soll schon ab 2021 durch die ersten Städte kurven. Womit soll es losgehen?

Johann Jungwirth
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    Johann Jungwirth, 44, ist seit November 2015 Chief Digital Officer des Volkswagen Konzerns. Der in Siebenbürgen geborene diplomierte Elektrotechniker startete seine Karriere bei Daimler und leitete von 2008 bis 2014 das Entwicklungszentrum der Stuttgarter im Silicon Valley. Danach arbeitete er ein Jahr lang für Apple, bevor er zum Volkswagen-Konzern wechselte.

Johann Jungwirth: Unser Ziel ist es, 2021 in zwei bis fünf Städten mit komplett selbstfahrenden Fahrzeugen zu starten. Diese Fahrzeuge sollen jedes Ziel in der Stadt anfahren können, das wird ein echter Tür-zu-Tür-Transport. Wir testen die Sedric-Fahrzeuge aktuell auf unserem Werksgelände in Wolfsburg und auf dem Prüfgelände in Ehra-Lessien. Auch auf ganz normalen Straßen erproben wir unsere selbstfahrenden Fahrzeuge, allerdings noch mit eingeschränktem Funktionsumfang.

mm.de: Ihre Konkurrenten verorten den Start von vollständig autonom fahrenden Roboterautos erst für Ende der 2020er-Jahre. Warum sind Sie so optimistisch?

Jungwirth: Bevor ich 2015 zu Volkswagen gekommen bin, war ich sieben Jahre lang im Silicon Valley tätig. Ich habe dort gesehen, was möglich ist und gewann einen sehr guten Einblick, was bei Google, Tesla, Uber und anderen Playern in der Entwicklung ist. Ich habe dort die Fortschritte hautnah erlebt und begleitet. Deshalb ist es für mich klar, dass komplett selbstfahrende Autos nicht erst 2028 oder 2030 auf den Markt kommen, sondern es damit bereits 2021 losgeht. Wir gehen das Thema nun konsequent und mit dem notwendigen Fokus an.

mm.de: Der Volkswagen Konzern will mit solchen Roboterautos und seiner neuen Mobilitätsmarke Moia den Schritt vom reinen Autohersteller zum Mobilitätsanbieter schaffen. Wann geht es mit den ersten VW-Fahrdiensten los?

Jungwirth: Derzeit sind wir bereits mit einem Testpiloten auf den Straßen Hannovers unterwegs. Im Rahmen des Co-Creation Prozesses von Moia testen bis zu 3.500 Kunden in einem geschlossenen Test mit zunächst 20 Volkswagen T6 die Algorithmen und operative Prozesse. Hannover ist die Vorbereitung für den Start des vollen Produktes Ende 2018 in Hamburg. Dort wollen wir mit unserem neuen Mobilitätsangebot Moia starten. Anfangs werden wir Shuttles mit Fahrern anbieten. Doch wir bereiten uns darauf vor, dass die Moia-Shuttles perspektivisch auch mit unserem Selbstfahr-System ausgestattet werden. Dann werden wir die Fahrer nur mehr als "Sicherheitsfahrer" an Bord nutzen. Während der Erprobungszeit des Autonomfahr-Modus haben unsere Shuttles noch einen Menschen an Bord, der übernehmen kann, sollte das System eine falsche Fahrentscheidung treffen.

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mm.de: Das Carsharing-Angebot Car2Go von Daimler hat bereits 800 Fahrzeuge auf Hamburgs Straßen, BMWs Angebot DriveNow kommt auf 560 Fahrzeuge. Mit wie vielen Fahrzeugen will Moia starten, und wie will sich Moia von der Konkurrenz abheben?

Jungwirth: Nutzungsfälle und Kundengruppen von Carsharing und Ridesharingkonzepten unterscheiden sich in wesentlichen Bereichen. Beide Konzepte ergänzen sich vielmehr und machen es den Menschen leichter, ohne eigenes Fahrzeug in der Stadt mobil zu sein. Moia startet 2018 zunächst mit 200 rein elektrischen Fahrzeugen, die bis zu sechs Sitze bieten. Ein Ausbau auf bis zu 1.000 Fahrzeuge ist geplant. Im Rahmen unseres X-Shuttle-Projekts testen wir Mitarbeiter-Mitfahrgelegenheiten zwischen Braunschweig und Wolfsburg und On-Demand-Fahrten im Werk. Dabei überprüfen wir auch die Akzeptanz und den Bedarf an Zusatzdiensten. So können X-Shuttle-Mitfahrer etwa Getränke im Fahrzeug kaufen und mit ihrem Werksausweis bezahlen. Sie können ihre Wäsche abgeben, die dann tagsüber zur Wäscherei gebracht wird. Oder sie können Pakete im Auto aufgeben, da wir ein DHL-Lesegerät integriert haben - X-Shuttle ist ein fahrender Concierge.

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