Samstag, 24. September 2016

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Game Changer Wie autonomes Fahren die Autoindustrie aufmischen wird

Car Wars: Apple, Google und Uber setzen Mercedes, BMW und VW zu. Ab 2025 wird es für die Autohersteller richtig gefährlich - dann haben die Angreifer ihre Lehrjahre hinter sich
Florian Renner für manager magazin
Car Wars: Apple, Google und Uber setzen Mercedes, BMW und VW zu. Ab 2025 wird es für die Autohersteller richtig gefährlich - dann haben die Angreifer ihre Lehrjahre hinter sich

Sinkende Gewinne, niedrigere Wachstumsraten: Autohersteller stehen vor einer schwierigen Dekade. Ausgerechnet in dieser Phase müssten Unternehmen wie Toyota, VW oder Opel Weichen stellen für eine Zukunft, in der es irgendwann nur noch ums Überleben gehen könnte, warnt Klaus Stricker, Autoexperte der Unternehmensberatung Bain.

manager magazin: Herr Stricker, in Ihren Prognosen zeichnen Sie eine düsteres Bild für die Zukunft der Automobilindustrie: Die fetten Jahre sind vorbei!

Stricker: Naja, fette Jahre? Unternehmen wie Toyota Börsen-Chart zeigen , BMW Börsen-Chart zeigen , Daimler Börsen-Chart zeigen und Porsche Börsen-Chart zeigen wirken nicht, als hätten sie Fett angesetzt. Die Autobranche hat sich seit der Krise 2009 prächtig entwickelt. So wird allerdings nicht weitergehen.

mm: Wir reden über Unternehmen, die in den vergangenen Jahren glänzend verdient und Zehntausende Arbeitsplätze geschaffen haben, auch in Deutschland. Deren Gewinnmargen werden - das zumindest lese ich in Ihrer Analyse - bis 2025 im Durchschnitt um gut ein Drittel sinken.

Stricker: Richtig ist: wer jetzt noch zu viel Speck auf den Rippen hat, sollte sich dringend auf Diät setzen. Die Regierungen verschärfen die Abgasregeln und neue Wettbewerber erhöhen den Druck auf die etablierten Spieler. Selbst in China ist die Zeit des scheinbar unbegrenzten Wachstums vorbei. Kurz: die Investitionen steigen deutlich, die Einnahmen dagegen nur langsam. Aber wirklich gefährlich wird es vermutlich erst 2025.

Zur Person
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    Klaus Stricker ist Partner bei Bain & Company in Frankfurt und Leiter der weltweiten Praxisgruppe Automobilindustrie. Zu seinen Kunden zählen globale Automobilhersteller, Zulieferer und Unternehmen im After Sales. Seine Beratungsschwerpunkte liegen in der strategischen Neuausrichtung, Restrukturierung und Reorganisation von Unternehmen sowie der Entwicklung und Umsetzung von Programmen für profitables Wachstum und zur operativen Leistungssteigerung. Klaus Stricker hat drei Jahre in Japan, den USA und China gearbeitet.
mm: Weil dann Apple, Google und der bislang vor allem kapitalstarke Taxidienst Uber ihre Lehrjahre hinter sich haben und zu ernsten Rivalen werden?

Stricker: Wenn Sie nur auf deren Innovationen schauen, sind die Angreifer von der amerikanischen Westküste bereits heute sehr weit entwickelt. Aber Apple Börsen-Chart zeigen , Google und selbst Tesla Börsen-Chart zeigen mit seinen Elektroautos brauchen noch, um im Kernbereich der traditionellen Hersteller mithalten zu können: bei der Abstimmung und elektronische Steuerung des Gesamtfahrzeugs. Deshalb hat Tesla auch so viele Ingenieure von anderen Autofirmen abgeworben.

mm: Und 2025...?

Stricker: ... werden die neuen Wettbewerber ihre Autokompetenz erheblich gesteigert haben. Und bis dahin wird sich eine Technologie durchsetzen, die die gesamte Industrie aufmischen könnte: das autonome Fahren.

mm: Weil Apple und Tesla diese Technik bis dahin beherrschen, Mercedes und Audi aber nicht? Entschuldigung, das leuchtet mir nicht ein. Die deutschen Premiumhersteller haben alle sehr weit fortgeschrittene Fahrassistenten und autonom fahrende Prototypen vorgestellt, Daimler sogar einen computergesteuerten Lkw. Sind Google oder Tesla wirklich weiter?

Stricker: Ich glaube nicht. Entscheidend ist jedoch ein anderer Aspekt. Während Elektromobilität nur eine neue Antriebsart ist, verändert das autonome Fahren das gesamte Geschäftsmodell. Zum Beispiel werden Privatkunden in Zukunft die Fahrzeuge anders nutzen und deshalb weniger Autos kaufen. Solche Umwälzungspunkte bergen immer Chancen für Neulinge. Mit intelligenten Ansätzen können sie etablierten Anbietern einen guten Teil des Geschäfts wegnehmen und sie eventuell ernsthaft gefährden.

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