Mittwoch, 12. Dezember 2018

Autonomer Gütertransport auf Kurzstrecke Roboter-Lkw steht in Schweden vor Straßenzulassung

Roboter-Lkw Einride T-Pod: Dieses Fahrzeug pendelt autonom zwischen zwei Warenhäusern

Die beteiligten Unternehmen feiern es als Durchbruch für die Technologie - auch wenn die anvisierte Fahrt auf öffentlichen Straßen sehr kurz ausfällt: Das schwedische Roboterfahrzeug-Startup Einride und der deutsche Logistikriese DB Schenker lassen in Schweden einen Elektro-Lkw komplett autonom von Warenhaus zu Warenhaus fahren.

Der Testbetrieb des Roboter-Lkw startete Anfang November, noch in diesem Jahr rechnen beide Unternehmen mit einer regulären Straßenzulassung der schwedischen Behörden für das Fahrzeug. Erhalten sie diese, könnte erstmals ein fahrerloser Lkw mit Elektroantrieb Fracht auf öffentlichen Straßen befördern - und das nicht mehr als Testprojekt, sondern im regulären geschäftlichen Betrieb. Es wäre das weltweit erste Mal, meinen beide beteiligten Unternehmen.

Bisher sei noch kein vollelektrischer, autonom fahrender Lkw im kommerziellen Einsatz, erklärte Einride-Mitgründer Filip Lilja nun gegenüber der Financial Times. (FT). Allerdings ist der Einsatz des "T-Pod" genannten Gefährts vorerst auf eine einzige Strecke beschränkt, und die Fahrt auf öffentlichen Straßen fällt sehr kurz aus. Dennoch sei das ein wichtiger Schritt Richtung Robotertruck, wirbt Einride.

Den Test des Robotertrucks auf der Strecke hat die schwedische Straßenverkehrsbehörde bereits genehmigt. Auf Nachfrage der FT erklärte sie nun, einen Antrag auf den kommerziellen Betrieb zu prüfen. Wie lange die Prüfung dauern werde, wollte die Behörde nicht verraten.

"Geschichte wird mit kleinen Schritten geschrieben"

Das schwedische Startup Einride wurde erst 2016 von Lilja und dem früheren Volvo-Manager Robert Falck gegründet. Ihr Transporter "T-Pod" verzichtet auf Fahrerkabine, Lenkrad oder Pedalerie. Er ist eine Art Container auf Rädern in der 7,5 Tonnen-Klasse, also ein leichterer Lkw. Mit einer Batterieladung kommt der T-Pod laut Einride rund 190 Kilometer weit. Manuell, also von Menschen steuern, lässt sich der T-Pod aus der Ferne: Die menschlichen "Operatoren" können hunderte Kilometer weit entfernt sitzen und den Lkw in schwierigen Situationen fernsteuern. Ein Operator, hieß es in der FT, soll dabei bis zu zehn Fahrzeuge zugleich überwachen.

Bislang fährt der T-Pod testweise zwischen zwei Warenhäusern von DB Schenker im schwedischen Jonkoping hin und her. Auch mit regulärer Straßenzulassung bleiben die Distanzen, die ein einzelner T-Pod bei DB Schenker zurücklegen wird, eher gering: Es sind nur rund 9 Kilometer pro Tag, der Truck fährt dabei als 40 km/h schnell. Gerade mal 100 Meter lang ist das Stück öffentlicher Straße, auf dem der T-Pod dabei fahren wird und auf von Menschen gelenkte Fahrzeuge treffen kann.

Trotzdem sei das ein Meilenstein, meint Einride-Gründer Falck: "Die Wright-Brüder sind 300 Meter weit geflogen, als sie zum ersten Mal abhoben. Geschichte wird mit kleinen Schritten geschrieben", sagte er der FT.

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