Dienstag, 20. Februar 2018

Wettrennen um Selbstfahr-Shuttle-Tests Daimler und Bosch wollen Waymo bei Robotertaxi ausstechen

Mercedes Selbstfahr-Konzeptwagen F015: Die ersten Robotertaxi-Shuttles fallen vermutlich weniger schick aus

Daimlers Chefstratege Wilko Stark hatte offenbar etwas geradezurücken. Die Stuttgarter sehen sich selbst an vorderster Front bei der Entwicklung selbstfahrender Autos. Doch in den vergangenen Monaten schien es, als zöge die US-Konkurrenz beim Thema Roboterauto an den Stuttgartern vorbei. GM etwa will bereits 2019 die ersten Robotertaxis auf die Straße schicken, die Google-Schwester Waymo will noch im Frühjahr Shuttles ohne menschlichen Kontrollfahrer im öffentlichen Straßenverkehr testen.

Nun stellt Starkim Gespräch mit der Fachzeitschrift "Automobilwoche" klar: Daimler will Erster sein im Rennen um den ersten kommerziellen Einsatz von Robotertaxis. Die gemeinsam mit Zulieferer Bosch entwickelten selbstfahrenden Fahrzeuge will Daimler schneller auf die Straße bringen als Waymo. Die Kooperation mit Bosch laufe sehr gut, die Einführung entsprechender Systeme rücke "in greifbare Nähe", erklärte der 44-Jährige. Bosch-Chef Volkmar Denner kündigte laut der Automobilwoche an, noch in den kommenden Monaten die ersten Selbstfahr-Testfahrzeuge auf öffentliche Straßen zu schicken. Daimler und Bosch hatten 2017 eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet vereinbart.

Zu sehen bekommen diese Prototypen zuerst wohl US-Amerikaner: In den USA sind die Zulassungsverfahren für Roboterautos deutlich einfacher als in Europa, erhob die Unternehmensberatung Roland Berger kürzlich.

Komplett autonom fahrende Fahrzeuge, die sich die meiste Zeit oder bei wirklich allen Verkehrs- und Wetterbedingungen selbst bewegen, will Daimler laut Stark in "absehbarer Zeit" anbieten. Damit ist Daimler vorsichtiger als die US-Konkurrenz, die den Marktstart solcher Fahrzeuge schon in den kommenden zwei Jahre in Aussicht stellt.


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Rückenwind für Technik erhielten Waymo und General Motors jüngst durch eine Statistik der kalifornischen Verkehrsbehörde. Bei den Waymo-Prototypen mussten Sicherheitsfahrer im Schnitt nur alle 9000 Kilometer eingreifen, bei den Roboterfahrzeugen der GM-Tochter Cruise gab es alle 2000 Kilometer eine Notabschaltung. Bei den Mercedes-Testwagen waren alle 2,9 Kilometer die Hilfe eines menschlichen Fahrers erforderlich. Allerdings legten die wenigen Prototypen von Mercedes von November 2016 bis November 2017 nur 1750 Kilometer selbstfahrend zurück, während die Waymo-Autos auf 567.365 Kilometer kamen.

Daimlers Robotertaxi-Dienst soll in frühen 2020ern starten

Daimlers Robotertaxi-Angebot soll Anfang des kommenden Jahrzehnts an den Start gehen, wie auch Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Jahrespressekonferenz der Stuttgarter bekräftigte. Dafür, so stichelte Zetsche gegen die Konkurrenz, müsse man nicht nur die Technik im Auto und den Software-Plattformen beherrschen - sondern auch die intelligente Flottensteuerung bis hin zur Finanzierung. Darauf sei Daimler bestens vorbereitet - auch dank der konzerneigenen Mobilitätsdienstleistungen im Bereich Carsharing (Car2Go), Car Hailing (MyTaxi) und multimodalen Plattformen (Moovel)

Die Fahrzeuge bauen laut Automobilwoche auf Daimlers V-Klasse auf und sind von Anfang an als Robotertaxi konzipiert. Darin sieht Stark auch den größten Unterschied zu den US-Konkurrenten "Wir konzipieren unser Fahrzeug von Anfang an als Robotaxi und setzen nicht das Technik-Kit auf ein Serienfahrzeug auf", so Stark. "Wir werden keine Bastellösung haben".

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Dabei will Daimler offenbar nicht unbedingt selbstfahrende Shuttle-Fahrzeuge an Dritte verkaufen, sondern das Geschäft gleich selbst machen. Die Stuttgarter wollen wohl eigene Mobilitätsdienste mit Daimler-Robotertaxis hochziehen. Die geeigneten Plattformen dafür seien im Konzern vorhanden, warb Stark - etwa mit der Taxi-App MyTaxi und den Mobilitätsdiensten Via oder Moovel.

Ein vom Timing und Ausrichtung her ähnliches Konzept verfolgt auch der Volkswagen-Konzern. Volkswagens will 2021 in zwei bis fünf Städten mit komplett selbstfahrenden Fahrzeugen starten, erklärte VW-Digitalchef Johann Jungwirth im Oktober gegenüber manager-magazin.de. Die Elektro-Shuttlebusse der Mobilitätsmarke MOIA, die noch 2018 auf Hamburgs Straßen auftauchen sollen, sollen VWs Selbstfahr-System schrittweise testen.

Ähnlich wie Daimler will auch Volkswagen Fahrzeug und Mobilitätsdienst aus einer Hand anbieten - vor allem in Europa.

mit Material von Reuters

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