Donnerstag, 28. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Auch nach Ende der Sanktionen Warum der Iran für deutsche Autobauer nur ein Mini-Bazar wird

Zweitgrößter Automarkt im Nahen Osten: Die meistproduzierten Autos im Iran
Fotos
REUTERS

Wolfgang Bernhard handelte schnell. Als am vergangenen Samstag die Sanktionen gegen den Iran gefallen waren, nahm der Chef von Daimlers Lkw-Sparte sogleich den Flieger Richtung Teheran. Wenige Stunden später unterschrieb Bernhard zwei Verträge mit iranischen Kooperationspartnern. Möglichst bald, hoffen die Stuttgarter, können sie wieder Lkws, Achsen und Motoren vor Ort fertigen. Bernhard sieht in dem Land einen großen Nachholbedarf - und will mit dem "hervorragenden Ruf" seiner Lkw in dem Land punkten.

Mit seiner Hoffnung auf gute Geschäfte in dem Land ist er nicht alleine. Der französische Autohersteller Renault strebt nach Aussagen von CEO Carlos Ghosn eine "viel massivere Präsenz" im Iran an. Konkurrent PSA Peugeot Citroën hat angekündigt, wieder groß im iranischen Automarkt mitmischen zu wollen. Audi sieht in dem Land ein "wachsendes Potenzial für Premiummarken". Und der VDA rechnet mit einem hohen Anstieg der Pkw-Importe im Iran.

Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf twitter
Das Problem dabei ist bloß: Noch fehlen dafür eine ganze Reihe an Grundvoraussetzungen, Geschäfte mit dem Land bleiben auch nach dem Fall der Wirtschaftssanktionen schwierig. Deutsche Produkte haben in dem Land zwar einen guten Ruf. Doch im Pkw-Bereich fangen die Deutschen von Null an - während einige Konkurrenten auf alte Vertriebs-, Produktions- und Marketingverbindungen bauen können.

Zwar klingt die Ausgangslage für den Automarkt Iran verlockend: Viele der knapp 80 Millionen Einwohner des Landes sind gut ausgebildet, es gibt eine breitere Mittelschicht, der Altersdurchschnitt ist niedrig, die Pro-Kopf-Kaufkraft der Iraner liegt weltweit im oberen Mittelfeld.

Viel Nachholbedarf - und schwierige Investitionsbedingungen

Nach fünf Jahren Wirtschaftssanktionen, die als Maßnahme gegen das iranische Atomprogramm verhängt wurden, ist der Aufholbedarf groß. Im vergangenen Jahr wurden in dem Land 1,1 Millionen Neuwagen zugelassen. In vier Jahren, prognostiziert die Unternehmensberatung Roland Berger, sollten es bereits 1,8 Millionen Fahrzeuge jährlich sein. Der VDA geht mittelfristig sogar von einem Volumen von rund 3 Millionen Neuzulassungen pro Jahr aus.

Allerdings sind die Rahmenbedingungen für Investoren noch nicht rosig. Zwar hat der Iran durch die Aufhebung der Sanktionen nun Zugriff auf bislang blockierte Gelder in Höhe von dutzenden Milliarden Dollar. Auch ausländische Unternehmen dürfen wieder im Iran tätig werden. Allerdings gibt es gerade bei Finanztransaktionen noch große Hürden. Iranische Geldinstitute waren in den vergangenen fünf Jahren vom internationalen Zahlungsverkehrssystem Swift abgeschnitten. Bis Irans Banken wieder grenzüberschreitende Überweisungen ausführen können, wird es wohl noch einige Zeit dauern.

Die niedrigen Ölpreise sorgen zudem dafür, dass dem darbenden lokalen Finanzsektor nur wenig Liquidität zur Verfügung steht. Hält sich der Iran nicht an das im Sommer vereinbarte Atomabkommen, können die Sanktionen jederzeit zurückkehren. Vier größere iranische Banken stehen selbst nach Aufhebung des Wirtschaftsembargos weiterhin auf der EU-Sanktionsliste. Die USA haben zudem ihre Sanktionen nicht vollständig aufgehoben, sondern nur reduziert. Wenn Geschäftspartner vor Ort Verbindungen zu den Revolutionswächtern haben, drohen nach US-Recht nach wie vor hohe Geldstrafen.

Autohersteller, die vor Ort investieren wollen, müssen also auf der Hut sein. Auch die politische Situation ist eher instabil: Nach wie vor gibt es in dem Land Machtkämpfe zwischen Hardlinern und Reformern. Ende Februar stehen Parlamentswahlen an. Deren Ausgang dürften viele Unternehmen noch abwarten, bevor sie investieren.

Seite 1 von 2
Newsletter von Wilfried Eckl-Dorna
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH