Mittwoch, 24. Oktober 2018

Auch nach Ende der Sanktionen Warum der Iran für deutsche Autobauer nur ein Mini-Bazar wird

Zweitgrößter Automarkt im Nahen Osten: Die meistproduzierten Autos im Iran
REUTERS

2. Teil: Wer die besten Voraussetzungen für einen schnellen Iran-Erfolg mitbringt

Kein Wunder also, dass sich viele Autohersteller auf den zweiten Blick doch noch zurückhaltend zeigen. Renault etwa will laut Ghosn erst investieren, wenn "internationale rechtliche Rahmenbedingungen" für die Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehungen geschaffen sind. Der VW-Konzern verfolgt laut eigenen Aussagen die Entwicklung und prüft mögliche Optionen. Und bei BMW heißt es vorsichtig, dass ein Marktanstieg von den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen abhänge. Begeisterung klingt anders.

Die besten Voraussetzungen für einen schnelle Wiederbelebung des Iran-Geschäfts bringen die französischen Autohersteller Peugeot und Renault mit. Beide Autohersteller waren vor Verhängung des Embargos im großen Stil im Iran engagiert und arbeiteten in Joint-Ventures mit den beiden größten lokalen Autoproduzenten Iran Khodro und Saipa zusammen.

Die Joint-Ventures gaben die Franzosen im Jahr 2011 wegen der Sanktionen auf. Iran Khodro und Saipa fertigten jedoch ältere Modelle der Franzosen weiterhin in Lizenz - und leiteten daraus auch eigene Modelle für ihre Marken ab. Im vergangenen iranischen Kalenderjahr (März 2014 bis März 2015) haben die beiden iranischen Hersteller laut Eigenangaben rund eine Million Autos produziert.

Franzosen weht ein härterer Wind entgegen

Allerdings haben die beiden lokalen Marken in den letzten Jahren Konkurrenz vom chinesischen Hersteller Chery bekommen, der auch während der Sanktionszeiten im Land blieb. Bei ihrer Rückkehr in den Iran sehen sich westliche Autohersteller nicht nur dem neuen Billigkonkurrenten Chery gegenüber, sie müssen sich auch auf härtere Forderungen der Iraner einstellen. Denn Teheran drängt auf Investitionen in Fabriken und Technologietransfer.

Vor den Sanktionen hatten sich die Mullahs jahrelang mit bloßem Lizenzbau begnügt. Dabei lieferten die Franzosen den Großteil der benötigten Teile, im Iran wurden die Autos dann mehr oder weniger nur mehr zusammengeschraubt.

Die besten Karten für schnelle Erfolge in dem Land hat Renault. Durch die Aufhebung der Sanktionen stehen den Franzosen 513 Millionen Euro für Investitionen im Land zur Verfügung, die bislang eingefroren waren. Mit dem Geld kann Renault schnell Teile eines ortsansässigen Autohersteller übernehmen. Renaults Billigmarke Dacia hat zudem jene günstigen Fahrzeuge in der Modellpalette, die sich im Iran in großen Stückzahlen verkaufen lassen.

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Im PSA-Verbund fehlen solche Modelle ebenso wie im Volkswagen-Konzern. PSA versucht es deshalb erstmal Richtung Oberklasse - und eröffnet demnächst in Teheran ein Geschäft der Citroën Edel-Marke DS. VWs Nobeltochter Audi hofft zwar auf einen sich entwickelnden Luxusmarkt, hat sich aber noch keinen autorisierten Importeur im Iran gesucht. Auch Daimlers geplante Lkw-Fertigung im Iran ist längst noch nicht in trockenen Tüchern: Denn die von Nutzfahrzeug-Chef Bernhard unterzeichneten Verträge waren Absichtserklärungen.

Immerhin hat Daimler vor der Verhängung der Sanktionen schon mal 10.000 Nutzfahrzeuge in den Iran geliefert. Im Pkw-Geschäft waren die Deutschen im Iran auch in der Vergangenheit nicht besonders stark: Den Höchststand an Auto-Exporten in den Golf-Staat erreichten die deutschen Autohersteller im Jahr 2005 - mit 2500 Fahrzeugen.

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