Samstag, 22. Juli 2017

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Neuwagenmarkt auf Zehnjahreshoch, aber Absatz von Diesel-Autos bricht in Europa weiter ein

Automarkt Europa: Im ersten Halbjahr wurden 8,2 Millionen Neufahrzeuge zugelassen. Zugleich sinkt der Anteil der Diesel-Fahrzeuge weiter

Trotz einer geringeren Zahl an Verkaufstagen ging es im Juni auf dem europäischen Neuwagenmarkt leicht aufwärts: Die Zahl der neu zugelassenen Pkw stieg in den EU-Ländern um 2,1 Prozent auf 1,5 Millionen Autos. Dies teilte der Branchenverband Acea am Freitag mit.

Im ersten Halbjahr stieg der Absatz von Neuwagen damit um 4,7 Prozent auf 8,21 Millionen Autos. Das ist der höchste Halbjahresstand seit zehn Jahren - zuletzt waren im ersten Halbjahr 2007 mehr Pkw neu zugelassen worden.

Allerdings zeigen wichtige Absatzmärkte wie Großbritannien und Deutschland Schwäche. Zudem sind vor allem die Zulassungen von Neuwagen mit Dieselmotor europaweit stark rückläufig. In Deutschland und Großbritannien gingen die Diesel-Zulassungen im Monatsvergleich sogar zweistellig zurück.

Dennoch sehen Beobachter den europäischen Automarkt grundsätzlich noch in stabiler Verfassung. "Die Krise ist überwunden wir haben europaweit das Vorkrisenniveau erreicht. Die Zeiten, in denen alle großen Märkte in Europa sich im Gleichschritt nach oben bewegt haben, sind allerdings vorbei", kommentiert Peter Fuß, Partner bei der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY), die Zahlen. Großbritannien zum Beispiel zeige auf hohem Niveau Zeichen von Schwäche. In den ehemaligen Krisenländern Spanien und Italien hingegen bleibe der Aufwärtstrend intakt.

Schwächezeichen in Großbritannien

Schwach entwickelt sich derzeit der britische Markt, der im Juni den zweiten Monat in Folge schrumpfte - um knapp fünf Prozent - und im ersten Halbjahr um 1,3 Prozent nachgab. Die Neuzulassungen auf Privatpersonen sind im ersten Halbjahr sogar um knapp fünf Prozent gesunken - ein Zeichen für ein insgesamt rückläufiges Konsumentenvertrauen.

Von den größeren EU-Ländern verzeichneten im Juni vor allem Italien (+13 Prozent), Polen (+9 Prozent), Spanien (+7 Prozent) und die Niederlande (+5 Prozent) nennenswerte Wachstumsraten - immerhin fünf der 28 Märkte lagen im Juni allerdings im Minus.

Diesel-Absatz bricht in Europa weiter ein - nur in Italien nicht

Auch im Juni setzte sich der europaweite Abwärtstrend beim Absatz von Diesel-Neuwagen fort: In den fünf größten Absatzmärkten - Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien - sanken die Neuzulassungen von Selbstzündern im Juni insgesamt um acht Prozent, der Marktanteil ging um 4,5 Prozentpunkte auf 46,1 Prozent zurück.

In Deutschland brachen die Neuzulassungen von Pkw mit Dieselantrieb im Vergleich zum Vorjahresmonat um knapp 19 Prozent ein; der Marktanteil schrumpfte um 7,2 Prozentpunkte.

In Großbritannien wurden im Monatsvergleich knapp 15 Prozent weniger Diesel-Fahrzeuge zugelassen, in Spanien betrug das Minus knapp 9 und in Frankreich knapp 8 Prozent bei Diesel. Lediglich in Italien legten die Diesel-Neuzulassungen im Juni gegen den Trend um knapp 14 Prozent zu.

In Italien stieg damit der Diesel-Marktanteil geringfügig - um 1,4 Prozentpunkte, was vermutlich auf den massiven Anstieg der gewerblichen Neuzulassungen um 33 Prozent zurückzuführen ist.

In den kommenden Monaten und Jahren wird der Absatz von Diesel-Fahrzeugen weiter unter Druck bleiben, erwartet Fuß: "Die Hiobsbotschaften beim Thema Diesel reißen nicht ab. Die Diskussion um zu hohe Stickoxid- und Feinstaubemissionen von Diesel-Pkw, die Forderungen nach Fahrverboten und nun die Frage, ob ältere Diesel-Pkw nachgerüstet werden sollen, sorgen weiter für Verunsicherung".

la/mmo/dpa

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