Freitag, 18. August 2017

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Borgward-Comeback "Wir sind komplett durchfinanziert - auf Jahrzehnte"

Deutsche Auto-Traditionsmarken: Das harte Los deutscher Auto-Manufakturen
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DPA

Seit zehn Jahren arbeitet Karlheinz Knöss am Comeback der deutschen Auto-Traditionsmarke Borgward. Nun beschreibt er, wie er die Wiederbelebung von Borgward geplant hat - mit globalen Partnern, zehn neuen Modellen und dem baldigen Umzug nach Stuttgart.

Mehr als 50 Jahre nach ihrer Insolvenz soll die deutsche Automarke Borgward auf dem Genfer Autosalon zu neuem Leben erwachen: Mit Details zur Strategie, einem Geldgeber aus China und turmhohen Wachstumsplänen.

Das Duo, das hinter dem Borgward-Comeback steckt, hat im Vergleich zur Konkurrenz zwar nur eine überschaubare Autoingenieur-Kompetenz, dafür aber hohe Marken-Glaubwürdigkeit: Christian Borgward, gelernter Einzelhändler, ist der Enkel des Borgward-Gründers. Sein Vater Claus arbeitete jahrelang als Vorstand für Qualitätssicherung bei Volkswagen.

Die zweite treibende Kraft bei Borgward ist Karlheinz Knöss, der als Vizepräsident der neuen Borgward AG und deren faktischer CEO fungiert. Knöss hat als Manager in der Autobranche vor allem Erfahrung mit Strategie, Markenführung und Kommunikation - was sich bislang immerhin schon in einer beträchtlichen Medienresonanz der Borgward-Pläne niederschlägt.

Höchste Zeit also für ein paar Fachfragen, die Karlheinz Knöss gegenüber manager magazin online kurz vor seinem großen Auftritt in Genf beantwortete.

Zur Person
  • Copyright: Borgward
    Borgward
    Karlheinz L. Knöss, 52, ist Vizepräsident der Borgward AG, die er im Jahr 2008 gemeinsam mit Christian Borgward gründete. Knöss arbeitete viele Jahre lang für große Autohersteller. Ende der 1990er war er Mitglied der Geschäftsleitung von Saab Deutschland und deren Pressesprecher. Bei Daimler verantwortete er unter anderem die Medienkommunikation für den Transporter Vaneo, bevor er sich 2001 mit einer Strategieberatung selbständig machte.

mm: Herr Knöss, über 50 Jahre war die Automarke Borgward in der Versenkung verschwunden. Jetzt kündigen Sie die Wiederauferstehung der Marke an. Was genau zeigen Sie der Autowelt in Genf?

Knöss: Gründer-Enkel Christiahr an Borgward und ich haben zehn Jahre hart gearbeitet, um die Wiedergeburt von Borgward einzuleiten. Auf die Bühne wollten wir erst treten, wenn wir knapp vor der Fertigstellung sind. Jetzt ist es so weit. Unsere Nachrichten in Genf sind einfach: Borgward ist zurück, wir sind sehr solide finanziert und haben sehr starke globale Partner.

mm: Welche internationalen Geldgeber sind bereit, viele Millionen in eine fast in Vergessenheit geratene deutsche Automarke zu stecken?

Knöss: Wir haben im Rahmen unsere Strategie immer nach Partnern gesucht, mit denen wir langfristig zusammenarbeiten können und mit uns zusammen die Voraussetzung schaffen, langfristig unsere Produkte entwickeln, produzieren und vermarkten zu können. Beiqi Foton, der größte Nutzfahrzeughersteller Chinas und Partner von Daimler, ist einer unserer globalen Partner, der diese Anforderungen in einem unserer Zielmärkte, am besten erfüllt. Zu den weiteren Partnern möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen. Nur so viel: Unser Projekt ist komplett durchfinanziert - auf Jahrzehnte.

mm: Ihre Partner müssen damit leben, dass die Marke Borgward außerhalb Deutschlands kaum jemand kennt.

Knöss: Das ist ein Irrtum. Wir haben in einer internationalen Umfrage die Markenbekanntheit testen lassen. In Deutschland erkannten 60 Prozent der Befragten auf Anhieb unser Logo, die Raute, ohne Borgward-Schriftzug. Selbst in Schwellenländern lag diese ungestützte Bekanntheit bei 33 Prozent. Eine sehr bekannte Sportwagenmarke liegt in diesen Ländern bei 35 Prozent, eine japanische Automarke kam auf 29 Prozent. Es gibt für die Marke Borgward also ein positives Grundrauschen - auch heute noch, für das andere Marken dankbar wären. Wir investieren nicht zehn Jahre harte Arbeit und viel Geld in eine Marke, die niemand auf dem Markt kennt.

mm: Wer wird die Fahrzeuge entwickeln?

Knöss: Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Modelle selbst entwickelt. Borgward hat ein modulares Plattform-System aufgebaut, wir haben eigene Motoren und eigene Karosserie. Wir werden in jedem Segment Fahrzeuge anbieten - vom Kompaktsegment bis zur Oberklasse.

mm: Dennoch stellen Sie in Genf noch kein neues Borgward-Modell aus, sondern präsentieren nur ihre Geschäftspläne

Knöss: Wir feiern in Genf die Wiedergeburt der Marke und des deutschen Automobilherstellers Borgward. Aber wir haben entschieden, in Genf noch keines unserer neuen Modelle zu zeigen. Als deutscher Automobilhersteller wollen wir unser erstes neues Fahrzeug in Deutschland präsentieren. Auf der Frankfurter IAA im September werden auf unserem Messestand die ersten Produktionsmodelle von Borgward stehen.

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