Montag, 18. Juni 2018

Zahltag bei Daimler, VW, BMW Autoindustrie - hohe Dividenden als Vorboten der Krise?

Dividenden-Könige: Die stärksten Dividenden-Aktien im Dax
Fotos
Daimler

Viele Anleger haben derzeit Grund zur Freude, denn die Dividendensaison nimmt Fahrt auf. Satte 36 Milliarden Euro schütten alleine die 30 Dax-Konzerne aus. Das ist nochmal ein ordentlicher Schnaps mehr als im Vorjahr und zeigt, dass die hiesigen Unternehmen gut in Form sind und ihre Eigentümer daran teilhaben lassen.

So erfreulich die Rekordausschüttung der Dax-Konzerne ist, so lohnt sich doch ein genauerer Blick auf ihre Zusammensetzung. Erstaunlich ist, dass mit rund einem Viertel der höchste Anteil der Dividenden aus einer Branche kommt, die in der Bevölkerung und unter Regulatoren derzeit nicht besonders wohlgelitten ist: der Automobilindustrie. Daimler Börsen-Chart zeigen schüttet einen Tag nach seiner Hauptversammlung am Donnerstag (5. April) mit 3,9 Milliarden Euro (3,65 Euro pro Aktie) die höchste Dividendensumme im Dax aus , und auch Continental Börsen-Chart zeigen (HV am 27. April), Volkswagen Börsen-Chart zeigen (HV am 3. Mai) und BMW Börsen-Chart zeigen (HV am 17. Mai) werden ihre Aktionäre in den kommenden Wochen mit hohen Dividenden erfreuen.

Ingo Speich
  • Copyright: Union Investment
    Union Investment
    Ingo Speich ist seit August 2004 im Portfolio-Management bei Union Investment tätig. Als Senior Portfolio-Manager verantwortet er den Bereich Nachhaltige Investments. Darüber hinaus ist er zuständig für das Thema Corporate Governance und aktives Aktionärstum.

Die drei großen Hersteller Volkswagen, Daimler und BMW schütten gut 20 Prozent mehr aus als noch vor einem Jahr. Das ist folgerichtig und überraschend zugleich: Folgerichtig, weil die Autohersteller immerhin 34 Prozent der Dax-Gewinne repräsentieren. Aber auch überraschend, weil sie nur für 15 Prozent der Marktkapitalisierung im deutschen Leitindex stehen.

Dieses Missverhältnis ist darauf zurückzuführen, dass die Autobauer derzeit an der Börse mit einem hohen Bewertungsabschlag notieren. Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt nur bei sechs bis acht, während der Dax-Durchschnitt fast 13 beträgt. Die Investoren trauen VW, Daimler und BMW trotz starker Absatz- und Gewinnzahlen also nicht so recht über den Weg.

Das liegt nicht nur, aber auch an der Dieselaffäre und ihren juristischen Unwägbarkeiten. Zudem besteht offenbar noch eine hohe Unsicherheit, wie die deutschen Autohersteller mit den neuen Mobilitätsgewohnheiten Schritt halten werden.

Volkswagen: Große Elektro-Pläne, Vogel-Strauß-Taktik beim Dieselskandal

Die Unternehmen gehen auf sehr unterschiedliche Art mit der Situation um. Das ist bemerkenswert, denn alle drei Adressen kämpfen letztlich mit denselben Herausforderungen und Problemen. Volkswagen Börsen-Chart zeigen hegt zwar große Pläne für die Elektromobilität. Bei der Aufarbeitung des Dieselskandals hat man sich jedoch für die Vogel-Strauß-Taktik entschieden, steckt den Kopf in den Sand und hofft, dass der gröbste Ärger von selbst vorüberzieht.

Unterdessen kommen die straf- und zivilrechtlichen Einschläge immer näher. Das ist für die Aktionäre durchaus beängstigend.

Daimler: Flucht nach vorne mit neuer Firmenstruktur und Holdingplänen

Anstatt die Probleme auszusitzen, will Daimler Börsen-Chart zeigen rasch einen Schlussstrich unter die möglichen Verfehlungen der Vergangenheit ziehen, verordnet sich eine neue Firmenstruktur und versucht mit den Holdingplänen eine Flucht nach vorne, um sich aus der Defensive zu befreien.

BMW Börsen-Chart zeigen hingegen setzt sich gegen den Vorwurf von Dieselmanipulationen zur Wehr und kämpft weiter um sein Saubermann-Image.

Dass die drei großen Namen sich für ganz andere Wege aus der Vertrauenskrise entschieden haben, lässt auch gewisse Rückschlüsse auf das jeweilige Verständnis von guter Unternehmensführung (Corporate Governance) zu. Daimler und BMW stellen sich aktiv den Problemen, VW bleibt eher passiv.

Hohe Dividenden als Zuckerbrot - bevor der Regulator die Peitsche auspackt

Allen drei Adressen aber ist gemeinsam, dass sie hohe Dividenden ausschütten in einer Zeit, in der die Anleger der Automobilindustrie mit Skepsis begegnen. Der Verdacht liegt nahe: Die Aktionäre werden mit der Ausschüttung als Zuckerbrot ruhiggestellt, bevor der Regulator, die Gerichte oder die Konkurrenz wieder die Peitsche auspacken.

Das mag zwar kurzfristig funktionieren. Mit Blick auf die Unternehmensstrategie aber gilt: Das Geld wäre anders besser angelegt. Denn es ist beileibe nicht so, dass es für VW, Daimler oder BMW keine sinnvollere Verwendung für die Milliarden gäbe. Schließlich hat sich bislang noch keine der genannten Adressen als Technologieführer und Trendsetter im Bereich der alternativen Antriebe, des autonomen Fahrens oder neuer Mobilitätskonzepte hervorgetan.

Hohe Investitionen sind nötig: Autoindustrie erfindet sich neu

Der Forschungs- und Entwicklungsaufwand der deutschen Autohersteller ist zwar beträchtlich, aber solange die Einnahmen so sprudeln wie aktuell, sollte man noch stärker in den technologischen Wandel investieren. Dann hätten die Aktionäre nicht nur am Tag der Ausschüttung ihre Freude, die Unternehmen wären zukunftsfähig aufgestellt und die Aktienkurse würden nicht weiter vor sich hindümpeln.

Start der Dividendensaison: Die besten Dax-Aktien für Dividendenjäger

Dass Unternehmen ihre Eigentümer mit hohen Ausschüttungen ruhigstellen, kam in der Geschichte deutscher Aktiengesellschaften schon häufiger vor. Dabei entpuppten sich die üppigen Dividenden nicht selten als Vorboten der Krise - man denke nur an die Telekommunikationsunternehmen um die Jahrtausendwende, die Banken vor der Finanzkrise oder die Versorger vor der Energiewende. Die Folge waren jeweils verheerende Kursverluste. Bleibt zu hoffen, dass die Autobauer die Zeichen der Zeit erkennen und rechtzeitig gegensteuern, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

Ingo Speich ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Union Investment bezieht Inhalte von der manager magazin Verlagsgesellschaft. Diese Geschäftsbeziehung hatte keinen Einfluss auf die Entscheidung, Ingo Speich in die Gruppe der MeinungsMacher zu bitten.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH