Sonntag, 26. Juni 2016

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Autoindustrie Sind die fetten Jahre vorbei?

Mobile Zukunft: Wie wir in Zukunft fahren
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dpa

Amerika gilt als das Autoland schlechthin: Doch selbst in Heimatland von Drive-In-Restaurants, Autokinos und Route 66 fahren die Leute immer weniger. Der Zenit sei überschritten, meinen Experten. Kommt nach Peak-Oil jetzt Peak-Car?

Zeitenwechsel in den USA: Das Auto, Inbegriff von Mobilität und Freiheit, spielt im "Land of the Free" eine schrumpfende Rolle. Mittlerweile gehören zum durchschnittlichen US-Haushalt weniger als zwei Autos. Fast undenkbar in einem Land, in dem der Zweit- und der Drittwagen lange zur Standardausstattung gehörten.

Und die Leute legen immer weniger Strecken mit dem Auto zurück. Seit 2004 ist die Entfernung, die ein durchschnittlicher Amerikaner pro Monat zurückliegt, kontinuierlich gesunken, wie das US-Magazin "The Atlantic" kürzlich berichtete.

Nach einem Höchststand im Jahr 2004 sind es aktuell nur noch rund 820 Meilen - soviel wie zuletzt in den 90er Jahren, wie eine Studie der Verkehrsforscher Don Pickrell und David Pace vom staatlichen Volpe-Institut ergab. Lediglich Senioren und Frauen ab Mitte 30 sind heutzutage fahrfreudiger als vor zehn Jahren.

Die Statistik lässt wenig Raum für Zweifel: Was die Verbreitung und Nutzung angeht, hat das Auto in den USA seinen Zenit überschritten. Und auch die Zahl junger Menschen, die die Führerscheinprüfung ablegen, ist den Verkehrsforschern zufolge im Sinkflug.

Gründe für den Rückgang der Fahrbegeisterung gibt es viele. Den größten Effekt dürfte Forscher zufolge die Tatsche haben, dass die Babyboomer - die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1946 und 1964 - das fahrintensive Alter zwischen 45 und 55 allmählich verlassen.

Alternativen zum Auto werden immer attraktiver

Und es kommen weniger Autofahrer nach: Gerade für junge Leute wird es immer schwieriger, ein eigenes Auto zu finanzieren. Immer mehr von ihnen müssen nach Abschluss der Ausbildung erst einmal teure Bildungsdarlehen zurückzahlen. Da sind die 31.000 Dollar, die ein Neuwagen laut dem Center for Automotive Research in Ann Abor durchschnittlich kostet, für viele unerschwinglich.

Für viele hat das Auto aber auch einfach an Bedeutung eingebüßt: "Die Vorstellung, dass ein Auto Freiheit bedeutet, gehört - glaube ich - der Vergangenheit an", sagt die Mobilitätsverhaltensforscherin NancyMcGuckin. Offenbar sei es vielen jungen Leuten heute einfach nicht mehr so wichtig, welches Auto sie fahren.

Und gerade in Großstädten gibt es immer mehr Alternativen. Vom Öffentlichen Nahverkehr über Mietwagenkonzepte und die stetig steigende Zahl von Fahrdiensten bis hin zu weitverbreiteten Mietfahrrädern, wie sie sich derzeit in Europa durchsetzen.

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