Freitag, 1. Juli 2016

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Verlustbringer Fiat-Chef rät vom Kauf seines Elektroautos ab

Elektroauto Fiat 500e: 14.000 Dollar Verlust mit jedem verkauften Fahrzeug

Fiat-Chef Sergio Marchionne verprellt Elektroauto-Fans mit einer steilen Ansage: Er hofft, dass möglichst wenige Interessenten das konzerneigene E-Mobil Fiat 500e kaufen. Denn Fiat hat mit dem Fahrzeug ein gewaltiges Problem.

Hamburg - Eigentlich versteht es Sergio Marchionne meisterhaft, waghalsige Produktplanungen als solides Geschäftsgebaren zu verkaufen. Vor wenigen Wochen etwa präsentierte der Chef von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) Börsen-Chart zeigen mit großen Worten einen ehrgeizigen Fünfjahresplan für die beiden Autohersteller.

Zu möglichen alternativen Antrieben für ihre Fahrzeuge äußerten sich die FCA-Manager damals kaum - und das hat Gründe. Denn vergangenen Mittwoch wandte sich Sergio Marchionne mit einer höchst ungewöhnlichen Bitte an Elektroauto-Fans: Er rät ihnen davon ab, das E-Mobil Fiat 500e zu kaufen - weil sein Konzern mit jedem verkauften Stromer einen hohen Verlust macht.

Auf einer Konferenz in Washington erklärte Marchionne seine ungewöhnliche Sichtweise zur Elektromobilität, wie die Branchenzeitung Automotive News Europe auf ihrer Website berichtet.

Tesla Motors Börsen-Chart zeigen ist laut Marchionne der einzige Automobilhersteller, der derzeit mit Elektroautos Geld verdient. Denn die Kalifornier können für ihre Limousine Model S hohe Preise verlangen.

Das trifft auf Fiats 500e nicht zu. "Ich hoffe, sie kaufen ihn nicht. Denn jedes Mal, wenn ich einen verkaufe, kostet es mich 14.000 Dollar", sagte Marchionne vor den Konferenzteilnehmern. Deshalb will Marchionne nur eine Minimalzahl der Autos verkaufen. Damit unterscheidet sich Marchionne deutlich von Europas größtem Autohersteller Volkswagen Börsen-Chart zeigen : Die Wolfsburger bewerben ihren E-Golf derzeit mit einer groß angelegten Werbeaktion.

Marchionne will lieber frei entscheiden

Im Programm hat Fiat seine Stromer nur, um den US-Gesetzgebern zu genügen, die auf Bundes- und Landesebene Hersteller zur Produktion von Elektroautos drängen. Kalifornien etwa verpflichtet große Autohersteller per Gesetz dazu, jährlich eine bestimmte Anzahl an Elektroautos zu verkaufen. Auf Bundesebene verschärft die US-Regierung ab 2025 die Verbrauchsvorgaben für Autos deutlich - und fördert gleichzeitig den Verkauf von Elektroautos.

In den USA kostet Fiats 500 laut Automotive News Europe mit Verbrennermotor ab 17.300 Dollar, die Elektroautoversion ist ab 32.650 Dollar vor Steuerfreibeträgen erhältlich. Einen kostendeckenden Preis für sein Elektrovehikel kann Fiat offenbar nicht verlangen, weil Konsumenten das nicht bezahlen würden. Deshalb verliert Fiat mit jedem verkauften Elektroauto Geld.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres verkaufte der Autohersteller in den USA 11.514 Fiat 500 mit Verbrennermotor, um 15 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Die Absatzzahlen des 500e in den USA gibt Fiat nicht bekannt.

"Wenn wir nur noch solche Autos bauen würden, könnten wir in Washington für eine zweite Blitzinsolvenz vorsprechen", erklärte Marchionne noch in Anspielung auf die staatliche Unterstützung für Chrysler im Jahr 2009.

Lieber als das Drängen der US-Gesetzgeber in Richtung Elektroautos wären Marchionne klare Verbrauchs-Zielvorgaben des US-Energieministeriums. Dann könnte jeder Autohersteller entscheiden, wie er diese erfüllen wolle. Laut Marchionne müsste FCA dann ab 2025 mindestens die Hälfte seiner in den USA verkauften Neuwagen mit Hybridantrieb ausliefern, wenn FCA den Produktmix gleich halte.

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