Donnerstag, 21. September 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Autohandel Das Online-Drama der deutschen Autobauer

Neuwagen auf dem Weg zum Kunden: Mit dem Verkauf über das Internet tun sich die Händler allerdings noch ziemlich schwer

3. Teil: Händler bremsen eCommerce Avancen aus

"Die Händler haben eine enorme Macht", beschreibt IHS-Automotive-Analyst Thomas Libby die Situation in den US. Sie machen eine Menge Umsatz - und zahlen eine Menge lokale Steuern. "Und sie wehren sich mit Händen und Füßen."

Auch in Deutschland werden die eCommerce-Avancen der Konzerne von den Niederlassungen mit Argusaugen beobachtet. Man verfolge Aktionen wie die von BMW Börsen-Chart zeigen in Frankreich mit "Interesse", formuliert es Michael Fritze vom Verband der Deutschen BMW Vertragshändler gegenüber manager magazin online. Gleichzeitig macht er klar, welche Bedingungen die etablierten Vertriebler für die "Geschäftsanbahnung über das Internet" stellen: nämlich, dass die Händler eine Marge kassieren, das Ganze in die Bonussysteme einbezogen wird und das Geschäft über den "jeweiligen Vertragshändler" abgewickelt wird.

Dieses Beharrungsvermögen und die mangelnde Entschlossenheit der Konzerne, das Internet als regulären Betriebskanal zu nutzen, könnte die Autobauer letztlich teuer zu stehen kommen. glaubt Autoexperte Dudenhöffer. "Wenn sie nicht aufpassen, wird ihnen das Ganze Stück für Stück aus der Hand genommen."

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt dominieren bereits die Portale

Nach seiner Ansicht droht den Händlern ansonsten ein ähnliches Schicksal wie auf dem Gebrauchtwagenmarkt, bei dem längst Portale wie autoscout24 oder mobile.de dominierend sind. "Da haben es die Konzerne schlicht verschlafen, eigene Portale mit ihren Vertriebspartnern aufzubauen", sagt Dudenhöffer. "Und jetzt sind sie draußen."

Erste Anzeichen, dass eine Entwicklung wie bei den Gebrauchtwägen sich auch im Neuwagengeschäft wiederholen könnte, sieht Dudenhöffer bereits. "Vermittlungsportale wie carneo oder meinauto.de machen schon jetzt einen guten Job", sagt er. Über sie verkauften schon jetzt Händler Neuwagen, für die sie, weil sie sich weniger gut verkaufen, von den Konzernen eine Prämie kassierten. "Dann leiten die Händler die Wagen an die Portale weiter."

Nachrichtenticker

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH