Samstag, 16. Dezember 2017

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Ford kooperiert mit Alibaba bei Online-Autoverkauf Verkauft Ford in China bald Autos aus dem Automaten?

Luxusauto-Automat in Singapur: Ein mögliches Vorbild für Alibabas angekündigte Auto-Verkaufskästen

Der US-Autohersteller Ford Börsen-Chart zeigen hat in China schon mal bessere Zeiten erlebt. In den ersten zehn Monaten gingen die Verkäufe von Ford-Pkws und Pickup-Trucks um 5 Prozent auf knapp 940.000 Fahrzeuge zurück, im Pkw-Bereich sanken die Verkäufe gar um 14 Prozent. Die Konkurrenten General Motors und Volkswagen Börsen-Chart zeigen schafften es hingegen, ihre Verkaufszahlen moderat zu steigern.

Das sorgt bei Ford für Alarmstimmung - und für den Mut, neue Absatzwege in China zu beschreiten. Der US-Autobauer hat nun eine dreijährige Vereinbarung mit Chinas Internet-Riesen Alibaba geschlossen.

Beide Unternehmen wollen nicht nur bei neuen Transportdiensten und künstlicher Intelligenz zusammenarbeiten. Sie wollen auch beim Online-Verkauf von Neuwagen kooperieren - und dabei Neues ausprobieren bei Absatz, Testfahrten oder Leasing.

Das könnte zu ungewöhnlichen Absatzwegen für einen Massenhersteller führen - etwa zum Verkauf von Ford-Neuwagen an riesigen Verkaufsautomaten.

Denn die Alibaba-Verkaufsplattform Tmall, über die auch Automarken wie Volkswagen oder Honda Neuwagen online verkaufen, hat im Sommer den Start solcher Automaten angekündigt. Die ersten Auto-Automaten sollen im kommenden Jahr aufgestellt werden.

Käufer sollen per Smartphone die an den Riesenautomaten verfügbaren Fahrzeuge durchsuchen können. Nach dem Drücken des "Bezahlen"-Knopfs spuckt der Riesenautomat nach wenigen Minuten das gewünschte Auto aus. Das soll den Autokauf "so einfach machen wie das Kaufen einer Cola-Dose", versprach Alibaba vor einigen Monaten.

Auto-Automaten-Vorbild steht in Singapur

Anders als beim Dosenerwerb benötigen Autokäufer für die Automaten-Transaktion allerdings eine entsprechend positive Bonitätsbewertung über Alibabas Bewertungssystem Sesame Credit. Auch eine Anzahlung und das Abstottern des Gesamtkaufpreises in Raten sollen dafür möglich sein.

Alibaba ist nicht das erste Unternehmen, das solche Auto-Verkaufsautomaten aufstellen will. In Singapur betreibt das Unternehmen Autobahn Motors bereits seit Dezember einen 15 Stockwerke hohen Riesen-Automaten für den Kauf von Luxusautos. In den USA setzt das Startup Carwana auf ein ähnliches Konzept, die Automaten sind allerdings deutlich kleiner dimensioniert als in Singapur und ähneln eher gläsernen Autoboxen.

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Die Chancen, dass ein solches Riesen-Automatenkonzept in China aufgeht, stehen gut. Denn bereits heute ist China der größte Markt für Internet-Verkäufe von Neuwagen: Im Jahr 2016 wurden laut einem Bericht der Financial Times (FT) bereits eine Million Neuwagen via Internet, also ohne Besuch oder Probefahrt bei einem Händler, verkauft.

Einer Studie von McKinsey wurden im vergangenen Jahr bereits 5 Prozent aller Neuwagen-Käufe in China online abgewickelt, 2014 waren es noch 1 Prozent. "Der Wechsel Richtung Online könnte sich stark beschleunigen", heißt es in der McKinsey-Studie. Fast ein Viertel aller chinesischen Autokäufer unter 24 Jahren hätten ihre Fahrzeuge bereits online gekauft. Bisher mussten sie ihre Neuwagen jedoch bei Händlern abholen - bei Verkaufsautomaten wäre das dann nicht mehr der Fall.

Am Single's Day wurden 100.000 Autos online verkauft

Wie gut der Online-Autohandel in China bereits läuft, zeigte sich vor wenigen Wochen. Am chinesischen "Single-Tag" am 11. November, dem wichtigsten Onlineshopping-Tag in China, verkaufte Alibabas E-Commerceplattformen Tmall, Taobao und Aliexpress diesmal rund 100.000 Neuwagen dutzender Automarken.

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Unternehmen gewähren an diesem Tag kräftige Abschläge, die Autohersteller zogen bei der Rabattschlacht mit. Selbst Luxusmarken senkten die Preise kurzfristig deutlich: Maserati bot laut der FT in diesem Jahr auf Tmall Fahrzeuge zu 888.000 Renmimbi (114.000 Euro) an, deren Listenpreis sonst bei einer Million Renmimbi liegt.

Im März hatte Maserati bereit 100 Levante-SUVs online angeboten, die innerhalb von 18 Sekunden verkauft waren.

Sogar über die populäre chinesische Messenger-App WeChat, die auch Bezahlmöglichkeiten bietet, lassen sich Neuwagen verticken. Das zeigte die BMW-Tochter Mini vor wenigen Monaten mit einer cleveren Marketingstrategie: Sie bezahlte die chinesische Modebloggerin Becky Li dafür, eine limitierte Sonderedition von 100 Minis in Türkisblau anzupreisen. Trotz eines Verkaufspreises von 285.000 Yuan (36.500 Euro) waren die 100 Fahrzeuge in fünf Minuten verkauft.

In Europa und großen Teilen der USA sind solche Verkaufsaktionen noch kaum denkbar - weil die Händler wohl heftig dagegen protestieren würden.

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