07.12.2017

Ford kooperiert mit Alibaba bei Online-Autoverkauf

Verkauft Ford in China bald Autos aus dem Automaten?

Von

AFP

Luxusauto-Automat in Singapur: Ein mögliches Vorbild für Alibabas angekündigte Auto-Verkaufskästen

Lucid Motors

Lucid Motors: Das US-Startup mit chinesischen Geldgebern im Rücken startete vor 10 Jahren als Batteriespezialist - seit 2014 arbeiten die Kalifornier an einem eigenen Auto. Ende 2016 präsentierten sie den Air, eine Limousine mit 1000 PS. Die Reichweite liegt bei gut 600 Kilometern dank einem 130 kWh großem Akku. Der Marktstart des Autos ist nun für 2020 geplant ...

Getty Images

... doch erstmal muss Lucid Motors Geld für den Bau einer Fabrik auftreiben. Lucid soll nun mit dem saudi-arabischen Staatsfonds über einen Einstieg als Mehrheitsaktionär sprechen. Kopf des Projekts ist Peter Rawlinson, der einstige Chefingenieur von Teslas Model S (im Bild). Aber: Tesla will er ohnedies nicht herausfordern. Die Hauptrivalen des Air, sagte er vor kurzem, seien die deutschen Autohersteller.

Nio

Nio: Seit Juni 2018 wird Nios erstes Serienfahrzeug ES8 in China an Kunden ausgeliefert: Ein Elektro-SUV mit 350 Kilometern Reichweite und einem Wechselakku-System zum Preis ab 68.000 Dollar. Und er wird bald Geschwister bekommen: Auf der Shanghaier Automesse im April 2017 stelllte Nio gleich 11 Modellprototypen vor.

Nio

Nio hat Joint-Venture-Vereinbarungen mit Chinas Autoherstellern Changan und JAC geschlossen. Der ES8 kommt zuerst in China auf den Markt, ab 2020 soll er auch in Europa erhältlich sein.

Nio

Zu den Geldgeber des Startups, das seit 2014 bereits 1,7 Milliarden Dollar an Investorengeldern eingetrieben hat, zählen der chinesische Internetriese Tencent, der Venturekapitalgeber Sequoia und Chinas Suchmaschinenbetreiber Baidu. Nun will Nio in den USA an die Börse gehen - der IPO soll 1,8 Milliarden Dollar einbringen. Ausführliche Porträts der Startups lesen Sie auf manager-magazin.de

DPA

Byton, vormals Future Mobility Corporation: Das erst Anfang 2016 gegründete Startup zeigt auf der CES in Las Vegas seinen ersten Prototypen: Einen Elektro-SUV, der in Standardausführung 400 Kilometer weit mit einer Batterieladung fahren und rund 45.000 Dollar kosten soll. Bereits Ende 2019 soll der Wagen in China auf den Markt kommen, 2020 soll der Wagen auch in den USA und Europa erhältlich sein.

Byton

Im Inneren bietet der Wagen einen 1,25 Meter breiten und 25 Zentimeter hohen Bildschirm über die gesamte Breite des Autos. Entriegeln lässt sich das Auto per Gesichtserkennung, bedienen durch Gesten- und Sprachsteuerung. Zum Marktstart soll der Wagen über längere Strecken komplett autonom fahren können. Der gezeigte Prototyp ist laut Byton schon nahe am Serienauto dran ...

DPA

... geführt wird Byton vom ehemaligen Entwicklungsleiter des BMW i8, Carsten Breitfeld (im Bild). Der hat die wichtigsten BMW-Leute aus dem Elektroautoprojekt zu Byton nachgeholt. Auch ehemalige hochrangige Tesla-Mitarbeiter sind bei Byton an Bord. An dem Werk für die Produktion des Autos wird bereits gebaut, es soll Ende 2018 fertig sein. Finanziert wird die Byton-Mutter Future Mobility Corporation unter anderem von Apples Auftragsfertiger Foxconn und Chinas Internetriesen Tencent.

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Hybrid Kinetic Group: Das Konzeptauto H600 fällt mit hübschem Äußeren auf, die angekündigten Leistungsdaten schinden Eindruck: In weniger als 3 Sekunden soll die 800-PS-Luxuslimousine den Sprint auf 100 km/h schaffen, dank Range Extender in Form einer Mikroturbine über 1000 km weit mit einer Akkuladung kommen. Doch ...

Hybrid Kinetic Group

... zu künftigen Fabriken in China und den Finanziers im Hintergrund hält sich das Unternehmen noch sehr bedeckt. Kopf hinter HK ist offenbar der chinesische Milliardär Rong Yang, der einst den chinesischen Autohersteller Brilliance leitete. Starten will HK frühestens 2019 - wie realistisch das ist, lässt sich mangels überprüfbarer Details noch kaum einschätzen.

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SF Motors: Von dem Elektroauto-Startup, hinter dem der chinesische Autohersteller Sokon Industry Group steht, gibt es weder Konzeptauto noch Leistungsdaten. Dafür aber handfeste Vorbereitungen: Seit Oktober 2017 ist Tesla-Gründer Martin Eberhard (im Bild) dort Strategiechef, im November hat SF eine Autofabrik in Indiana übernommen. Der Firmensitz in Kalifornien und ein Forschungszentrum nahe Detroit sind bereits bezogen - mit einem ersten Prototypen rechnen Branchenbeobachter Anfang 2018.

Zagato Design

Thunder Power: Bereits im Herbst 2015 hat das Startup aus Taiwan ein erstes Konzeptauto präsentiert - mit 650 Kilometer Reichweite, 250 km/h Spitze und gefälligen Formen, die vom italienischen Designbüro Zagato stammen. Auch bei Technikdetails sind die Taiwanesen ehrgeizig. So soll sich ihr Auto auch kabellos per Induktion in kurzer Zeit laden lassen.

Zagato Design

Fast 400 Patente hat Thunder Power laut Eigenangaben bereits eingereicht. Ende 2018 soll die Serienfertigung des Autos in China starten, Thunder Power peilt einen Einstiegspreis von rund 63.000 Dollar an. Für die Taiwanesen arbeitet unter anderem der ehemalige Entwickler des Supersportwagens Bugatti Veyron. Wer Thunder Power finanziert, ist noch etwas undurchsichtig. Ausführliche Porträts der Startups lesen Sie auf manager-magazin.de

Faraday Future

Faraday Future: Das Konzeptauto FF 91 ist durchaus formschön. Doch das Startup kann seine großspurigen Ankündigungen nicht einhalten.Auf dem Papier beeindruckt der FF 91 durchaus: 1000 PS, unter 3 Sekunden auf 100 km/h, über 600 Kilometer Reichweite. Allerdings dürfte das Auto, so es denn tatsächlich in Serie gebaut wird, über 100.000 Dollar kosten. Massenmarkttauglich ist das nicht.

AP

Den Neubau einer Fabrik in Nevada hat Faraday auf unbestimmte Zeit verschoben. Stattdessen modelt Faraday nun eine alte Pirelli-Reifenfabrik zum Autowerk um. Lange Zeit hatte Faraday Future Finanz- und Personalprobleme. Im Juli 2018 stieg der chinesische Konzern Evergrande als neuer Geldgeber ein, was etwas Ruhe in das kriselnde Unternehmen bringt. Doch ob Faraday den Sprung zur Massenproduktion schafft, ist nach wie vor offen.

Der US-Autohersteller Ford hat in China schon mal bessere Zeiten erlebt. In den ersten zehn Monaten gingen die Verkäufe von Ford-Pkws und Pickup-Trucks um 5 Prozent auf knapp 940.000 Fahrzeuge zurück, im Pkw-Bereich sanken die Verkäufe gar um 14 Prozent. Die Konkurrenten General Motors und Volkswagen schafften es hingegen, ihre Verkaufszahlen moderat zu steigern.

Das sorgt bei Ford für Alarmstimmung - und für den Mut, neue Absatzwege in China zu beschreiten. Der US-Autobauer hat nun eine dreijährige Vereinbarung mit Chinas Internet-Riesen Alibaba geschlossen.

Beide Unternehmen wollen nicht nur bei neuen Transportdiensten und künstlicher Intelligenz zusammenarbeiten. Sie wollen auch beim Online-Verkauf von Neuwagen kooperieren - und dabei Neues ausprobieren bei Absatz, Testfahrten oder Leasing.

Das könnte zu ungewöhnlichen Absatzwegen für einen Massenhersteller führen - etwa zum Verkauf von Ford-Neuwagen an riesigen Verkaufsautomaten.

Denn die Alibaba-Verkaufsplattform Tmall, über die auch Automarken wie Volkswagen oder Honda Neuwagen online verkaufen, hat im Sommer den Start solcher Automaten angekündigt. Die ersten Auto-Automaten sollen im kommenden Jahr aufgestellt werden.

Käufer sollen per Smartphone die an den Riesenautomaten verfügbaren Fahrzeuge durchsuchen können. Nach dem Drücken des "Bezahlen"-Knopfs spuckt der Riesenautomat nach wenigen Minuten das gewünschte Auto aus. Das soll den Autokauf "so einfach machen wie das Kaufen einer Cola-Dose", versprach Alibaba vor einigen Monaten.

Auto-Automaten-Vorbild steht in Singapur

Anders als beim Dosenerwerb benötigen Autokäufer für die Automaten-Transaktion allerdings eine entsprechend positive Bonitätsbewertung über Alibabas Bewertungssystem Sesame Credit. Auch eine Anzahlung und das Abstottern des Gesamtkaufpreises in Raten sollen dafür möglich sein.

Alibaba ist nicht das erste Unternehmen, das solche Auto-Verkaufsautomaten aufstellen will. In Singapur betreibt das Unternehmen Autobahn Motors bereits seit Dezember einen 15 Stockwerke hohen Riesen-Automaten für den Kauf von Luxusautos. In den USA setzt das Startup Carwana auf ein ähnliches Konzept, die Automaten sind allerdings deutlich kleiner dimensioniert als in Singapur und ähneln eher gläsernen Autoboxen.

Die Chancen, dass ein solches Riesen-Automatenkonzept in China aufgeht, stehen gut. Denn bereits heute ist China der größte Markt für Internet-Verkäufe von Neuwagen: Im Jahr 2016 wurden laut einem Bericht der Financial Times (FT) bereits eine Million Neuwagen via Internet, also ohne Besuch oder Probefahrt bei einem Händler, verkauft.

Einer Studie von McKinsey wurden im vergangenen Jahr bereits 5 Prozent aller Neuwagen-Käufe in China online abgewickelt, 2014 waren es noch 1 Prozent. "Der Wechsel Richtung Online könnte sich stark beschleunigen", heißt es in der McKinsey-Studie. Fast ein Viertel aller chinesischen Autokäufer unter 24 Jahren hätten ihre Fahrzeuge bereits online gekauft. Bisher mussten sie ihre Neuwagen jedoch bei Händlern abholen - bei Verkaufsautomaten wäre das dann nicht mehr der Fall.

Am Single's Day wurden 100.000 Autos online verkauft

Wie gut der Online-Autohandel in China bereits läuft, zeigte sich vor wenigen Wochen. Am chinesischen "Single-Tag" am 11. November, dem wichtigsten Onlineshopping-Tag in China, verkaufte Alibabas E-Commerceplattformen Tmall, Taobao und Aliexpress diesmal rund 100.000 Neuwagen dutzender Automarken.

Unternehmen gewähren an diesem Tag kräftige Abschläge, die Autohersteller zogen bei der Rabattschlacht mit. Selbst Luxusmarken senkten die Preise kurzfristig deutlich: Maserati bot laut der FT in diesem Jahr auf Tmall Fahrzeuge zu 888.000 Renmimbi (114.000 Euro) an, deren Listenpreis sonst bei einer Million Renmimbi liegt.

Im März hatte Maserati bereit 100 Levante-SUVs online angeboten, die innerhalb von 18 Sekunden verkauft waren.

Sogar über die populäre chinesische Messenger-App WeChat, die auch Bezahlmöglichkeiten bietet, lassen sich Neuwagen verticken. Das zeigte die BMW-Tochter Mini vor wenigen Monaten mit einer cleveren Marketingstrategie: Sie bezahlte die chinesische Modebloggerin Becky Li dafür, eine limitierte Sonderedition von 100 Minis in Türkisblau anzupreisen. Trotz eines Verkaufspreises von 285.000 Yuan (36.500 Euro) waren die 100 Fahrzeuge in fünf Minuten verkauft.

In Europa und großen Teilen der USA sind solche Verkaufsaktionen noch kaum denkbar - weil die Händler wohl heftig dagegen protestieren würden.

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