Samstag, 23. Februar 2019

Autoexperte wirbt für Sonderabgabe auf Spritpreis Warum Deutschland einen Elektroauto-Soli braucht

"Tankdeckel" eines Elektroautos: Eine auf drei Jahre beschränkte Elektroauto-Abgabe von einem Cent je Liter Kraftstoff würde Absatz und Infrastruktur der Stromer in Deutschland kräftig ankurbeln, meint Autoexperte Dudenhöffer

Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf den deutschen Straßen fahren. Ohne zusätzliche staatliche Förderungen sei das nicht zu schaffen, meint Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer - und bringt eine Sonderabgabe auf den Spritpreis ins Spiel.

Hamburg - Bei alternativen Antrieben hat sich Angela Merkel schon früh auf ein klares Ziel festgelegt: Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf Deutschlands Straßen herumfahren, erklärte die Bundeskanzlerin bereits im Jahr 2008. Um dafür den Boden zu bereiten, hat die Bundesregierung ein hochkarätig besetztes Beratergremium einberufen - die sogenannte Nationale Plattform Elektromobilität (NPE). Die hat in den vergangenen Jahren detaillierte Pläne und Empfehlungen entwickelt, wie der Weg in die elektromobile Zukunft aussehen sollte.

Einige hundert Millionen Euro hat die Bundesregierung in Praxisprojekte und in die Forschung gesteckt, ein paar Gesetze wurden zugunsten von Elektroautos angepasst - doch geholfen hat das alles bisher nur wenig.

Gerade mal 24.000 Elektroautos sind derzeit n Deutschland zugelassen, laut den ursprünglichen NPE-Plänen sollten es in diesem Jahr bereits 100.000 sein. In den USA sind bereits mit rund 220.000 Fahrzeugen deutlich mehr Elektroautos zugelassen; auch die europäischen Nachbarländer Frankreich mit 37.000 E-Autos und die Niederlande mit etwa 38.000 Fahrzeugen sind Deutschland ein Stück voraus. Der Elektroauto-Absatz liegt in diesen Ländern auch deshalb höher, weil sie den Kauf der teuren Stromer unter anderem mit staatlichen Prämien erleichtern. Vor wenigen Wochen erst warnte die NPE, dass das Millionenziel bis 2020 nur mit höheren staatlichen Hilfen zu erreichen sei.

Bisher sperrt sich die Bundesregierung aber dagegen, den Kaufpreis von Elektroautos zu subventionieren. Nun will der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen Elektroautos mit einem neuen Modell zum Durchbruch verhelfen. Er schlägt eine Art Elektroauto-Soli auf den Spritpreis vor: Sein Vorschlag basiert auf einer Sonderabgabe von einem Cent pro Liter Spritpreis, wie Dudenhöffer gestern Abend in Duisburg erklärte.

Dudenhöffer: Ein-Cent-Steuer ist "mehr als gut verkraftbar"

Während in anderen Ländern wie den USA, Japan oder Frankreich Elektromobilität mit "umfangreichen Programmen" gefördert werde, fehlten in Deutschland "Wachstumsimpulse" für Elektrofahrzeuge, begründete er seinen Vorstoß.

Dudenhöffers Anschub-Modell umfasst drei Maßnahmen: Erstens sollen die Ladeinfrastruktur in den 60 größten deutschen Städten deutlich ausgebaut sowie kostenloser Strom und kostenlose Parkplätze für Elektroautos zur Verfügung gestellt werden. Zweitens sieht das Modell eine Prämie von 4000 Euro pro Elektrofahrzeug und Plug-In-Hybrid-Auto für Privatkunden vor. Drittens soll das Car-Sharing-Angebot von Elektroautos stark ausgebaut werden.

Vor dem Hintergrund der derzeit niedrigen Preise für Benzin und Diesel sei die Ein-Cent-Steuer auf Kraftstoffe für Autofahrer "mehr als gut verkraftbar", erklärte die Universität. Auf das Jahr gerechnet summiere sich die Steuer pro Fahrzeug im Durchschnitt auf 12,30 Euro. Die Steuer muss laut Dudenhöffer für drei Jahre erhoben werden, um sein Anschub-Modell zu finanzieren. Sie soll allerdings auch auf diesen Zeitraum beschränkt bleiben.

Zetsche: Weitere Verteuerung Mobilität muss man sehr genau überlegen

Sein Modell präsentierte Dudenhöffer auf einer von seinem Institut einberufenen Veranstaltung zur Elektromobilität, bei der unter anderem auch Daimler-Chef Dieter Zetsche anwesend war. Zetsche erklärte dabei, dass dieZiele der Bundesregierung nur mit finanziellen Anreizen für die Käufer zu erreichen seien. Privilegien wie Sonderparkplätze oder die Nutzung von Busspuren seien sicher hilfreich, meinte Zetsche. Aber alleine reichten sie wohl nicht aus, um das Ziel der Bundesregierung bis 2020 zu schaffen.

Bei Zetsche und dem ebenfalls anwesenden Ford-Deutschlandchef Bernd Mattes stieß der Vorschlag eines Elektroauto-Soli allerdings zunächst nur auf begrenzte Zustimmung. Mobilität noch weiter zu verteuern, müsse man sich sehr genau überlegen, meinten die Manager. Eine offizielle Reaktion der Bundesregierung auf Dudenhöffers Modell gibt es bisher noch nicht.

Beste Autothemen auf Twitter

mit Material von afp/dpa

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung