Freitag, 2. Dezember 2016

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Lust am Teilen wächst Autobauer verkaufen weniger Neuwagen wegen Carsharing

Carsharing: Die 11 größten Anbieter in Deutschland
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DPA

Der Trend zum Carsharing beschleunigt sich: Im vergangenen Jahr gewannen Car2go, Drive Now, Flinkster und Co. so viele Kunden hinzu wie noch nie. Die Zeichen mehren sich, dass die Entwicklung künftig das Kerngeschäft der Autobauer gefährdet.

Hamburg - Es ist gut zehn Jahre her, da war der Begriff "Carsharing" höchstens Mitgliedern der Ökoszene geläufig. Etwa 70.000 Kunden verzeichneten die Anbieter im Jahr 2004 - nicht wesentlich mehr als die Grünen Mitglieder hatten.

Seither ist die Zahl der Menschen, die sich Autos mit anderen teilen, um den Faktor zehn in die Höhe geschnellt. Zum Jahreswechsel verzeichneten die Anbieter mehr als 750.000 Kunden, wie der Bundesverband Carsharing am Donnerstag mitteilte. Allein 2013 kamen mehr als 300.000 Teilnehmer hinzu - so viele wie noch nie.

Damit beschleunigt sich ein Trend, der die Autohersteller zunehmend in ein Dilemma treibt: Einerseits mischen sie selbst kräftig mit im Geschäft, etwa mit den Angeboten Car2go (Daimler) oder Drive Now (BMW).

Menschen unter 45 Jahren kaufen weniger Neuwagen

Andererseits verlieren sie potenzielle Neuwagenkunden: Wer sich auf ein immer besseres Carsharing-Angebot verlassen kann, benötigt in vielen Fällen kein eigenes Fahrzeug mehr. Das betrifft vor allem die Bewohner in Großstädten, die auf ihrem Smartphone ständig überprüfen können, wo sie den nächsten Leihwagen finden.

"Gerade für jüngere Leute sinkt die Bedeutung des Autos als Statussymbol", sagt Tobias Arns, der Spezialist für mobile Anwendungen vom IT-Branchenverband Bitkom. Viele empfänden den eigenen Wagend zunehmend als Klotz am Bein und seien offen für neue Mobilitätsangebote.

So fallen vor allem die unter 45-Jährigen als Käufer von Neuwagen zunehmend aus. Ihr Anteil an den Käufern ist von 1995 bis 2013 von 48,1 auf 27,4 Prozent gesunken, hat eine Untersuchung des Car-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen ergeben. Carsharing habe daran einen Anteil.

Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf Deutschland. In den USA kursieren bereits Zahlen, wie stark der Trend Autohersteller unter Druck setzt. Die Industrie habe bisher etwa 500.000 Neuwagen weniger verkauft als wenn es kein Carsharing gäbe, hat die Unternehmensberatung Alix Partners errechnet. Bis zum Jahr 2020 wachse die Zahl um weitere 1,2 Millionen Autos an. Demnach ersetzt ein Carsharing-Auto 32 Neuwagen.

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