Mittwoch, 12. Dezember 2018

Entscheidung zu Langfrist-Vertrag vertagt Geduldspiel für Audi-Interimschef Bram Schot

Bram Schot muss auf seine Bestellung zum dauerhaften Audi-Chef noch ein paar Wochen warten
ddp images/Sven Simon
Bram Schot muss auf seine Bestellung zum dauerhaften Audi-Chef noch ein paar Wochen warten

Die Entscheidung sollte Beruhigung in ein seit Monaten verunsichertes Unternehmen bringen. Doch der Plan ging gründlich schief. Am Donnerstag, so hieß es vielfach, sollten Audis Aufsichtsräte den bisherigen Interimschef Bram Schot dauerhaft zum Vorstandsvorsitzenden bestellen. Das Kontrollgremium trat wie geplant zusammen - und vertagte die Entscheidung über Schots festen Vertrag erstmal.

"Es gibt kein Ergebnis aus der Aufsichtsratssitzung zu melden", sagte ein Unternehmenssprecher dazu. Dabei hieß es im Vorfeld der Sitzung, dass sämtliche Entscheider Schot nun schnell dauerhaft als Vorstandsvorsitzenden der Audi AG berufen wollten.

Grund für die Vertagung, so ist aus Konzernkreisen zu hören, waren Formalia - der wesentlicheren, aber nicht gerade unauffälligen Art. Sie hängen mit dem Machtgefüge im Volkswagen-Konzern zusammen: Der langjährige, zwischenzeitlich inhaftierte Audi-Chef Rupert Stadler saß auch im Vorstand des Mutterkonzerns Volkswagen. Erst im Frühjahr hatte Stadler in dem wichtigsten Entscheidungsgremium des Konzerns die Verantwortung für den Konzernvertrieb erhalten.

Audi-Chef zieht auch in VW-Vorstand ein

Schot, so heißt es im Konzern, hätte neben seiner Bestellung als Audi-Vorstandschef auch zeitgleich in den Vorstand des Volkswagen-Konzerns einziehen sollen. Dafür hätte es aber auch einen entsprechenden Beschluss des Volkswagen-Aufsichtsrats gebraucht - was die Verantwortlichen angeblich zu spät bemerkten. Noch ein Grund wurde in Konzernkreisen angeführt: Bei Schots fester Bestellung als Audi-Chef wird dann auch der Posten des Audi-Marketingvorstands frei, den Schot bisher innehatte. Diese drei Dinge - also Schots festen Vertrag als Audi-Chef, seinen Einzug in den Volkswagen-Vorstand und die Neubesetzung des Audi-Marketingvorstands - wolle man lieber zeitgleich als scheibchenweise erledigen.

Eigentlich drängt die Zeit bei Bestellung eines festen Audi-Chefs

Auf ein paar Tage komme es dabei nicht an, heißt es dazu, die Entscheidungen sollen aber noch kurz vor Weihnachten fallen. Schot wurde im Juni 2018 zum kommissarischen Audi-Chef ernannt, nachdem der langjährige Audi-CEO Rupert Stadler inhaftiert wurde. Seither leitet der 57-jährige gebürtige Niederländer die Luxusmarke als Interimschef. Seine Mitarbeiter geben ihm nicht das Gefühl, als Zwischenlösung gesehen zu werden, erklärte er im Interview mit manager magazin premium.


Mehr dazu: "Wir können auch stolz sein": Audi-Chef Bram Schot zu seinem Führungsstil


Stadler schied im Oktober aus allen Ämtern aus. VW hatte BMW -Einkaufsvorstand Markus Duesmann im Juli abgeworben, er galt zunächst als aussichtsreicher Kandidat für den Chefposten in Ingolstadt. Aber BMW gibt Duesmann bislang nicht frei, und er ist noch zwei Jahre lang vertraglich gebunden. Deshalb solle Schot nun einen Vertrag bis Ende 2021 erhalten, hieß es vor der Aufsichtsratssitzung.

Dass die Ernennung von Schot zum festen Audi-Chef im ersten Anlauf nicht klappte, dürfte für die 80.000 Audi-Mitarbeiter intern doch etwas seltsam wirken, heißt es im Konzern. Denn nach den letzten turbulenten Monaten braucht die Luxusmarke eigentlich möglichst schnell eine starke Führung. Der künftige Audi-Chef muss erstmal die Aufregung im Unternehmen beruhigen und der Marke wieder eine klarere Richtung geben. Zudem ist der Dieselskandal bei Audi noch nicht ausgestanden: So sind die Ingolstädter mit Software-Updates im Rückstand. Die Umstellung auf den neuen Prüfzyklus WLTP hat Audi kräftige Lieferschwierigkeiten beschert, und das China-Geschäft läuft auch nicht mehr so rund.

Es gibt also eine Menge Baustellen für den neuen Audi-Chef. Doch Schot muss sich für die kommenden Wochen erstmal in Geduld üben.

mit Material von dpa

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH