Montag, 20. November 2017

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Cashcow des VW-Konzerns wird zum Sorgenkind Warum Audis Aufholjagd brutal hart wird

Audi-Logo: Die Nobelmarke kämpft mit eigenverschuldeter Stagnation

Man sei auf Kurs für eine "umfassende Modell- und Technologieoffensive", verkündet Audi in seinem jüngsten Quartalsbericht. Ein "robustes Ergebnis" haben man "unter schwierigen Rahmenbedingungen" abgeliefert, erklärte Audi-Chef Rupert Stadler dazu. Und überhaupt erschließe man - mit gestrafften Kosten - "neues Erlöspotenzial".

Mit solchen Wortgirlanden lenken Unternehmen üblicherweise von einer richtig üblen Performance ab. Dabei sieht Audis jüngstes Zahlenwerk auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus: Immerhin verdient Audi weiterhin Milliarden. Von Januar bis September schafften die Ingolstädter satte 3,94 Milliarden Euro Gewinn und setzte 44,24 Milliarden Euro um. Das liegt einen Hauch über dem Vorjahreswert - sofern man aus beiden Werten die Belastungen durch die Dieselkrise herausrechnet.

Doch genau darin zeigt sich auch das Problem der Vier-Ringe-Marke: Sie stagniert auf hohem Niveau, und das nicht erst seit gestern. Ob Absatzzahlen, Rendite oder Zukunftsprojekte: Bei den wichtigsten Vergleichsmaßstäben zur Konkurrenz fährt Audi mittlerweile hinterher. Nun soll Audi mit einer großen Modelloffensive verlorenes Terrain gutmachen. Das dürfte schwer werden, denn die Vier-Ringe-Marke hat sich in den vergangenen Monaten viel Leerlauf geleistet.

Ja, Audi liefert nach wie vor einen guten Teil der Gewinne im Volkswagen-Konzern. Doch die VW-Oberen sind mit der Performance ihrer Ingolstädter Nobeltochter schon seit längerem unzufrieden. Deshalb schraubten sie kräftig am Audi-Vorstandsteam herum. Zurück auf der Überholspur ist Audi deshalb noch lange nicht.

Audi verliert an Einfluss - im eigenen Konzern

So verschliss Audi in den vergangenen fünf Jahren gleich vier Technikvorstände, die den Audi-Werbespruch "Vorsprung durch Technik" neu beleben sollten. Denn der, so urteilten manche in Wolfsburg, sei in den vergangenen Jahren kaum mehr eingelöst worden. Zwei der Vorstände mussten wegen Audis Verwicklungen in die Abgasaffäre gehen. Die Strategie, Diesel-Emissionen per Software nur auf Prüfständen besonders niedrig zu halten, wurde von Audi-Technikern ersonnen.

Audi-Chef Stadler dementiert, dass er davon wusste. Und über belastende Funde der VW-internen Ermittler gegen Stadler ist bisher nichts bekannt. Dennoch gilt der 54-jährige studierte Betriebswirt als angezählt. Die Auswechslung von gleich vier der acht Audi-Vorstandsmitglieder war ein deutlicher Warnschuss Richtung Stadler - dem Beobachter darum kein allzu langes Leben mehr an der Audi-Spitze prophezeien.

Die Vorstands-Rochaden haben die Nobelmarke offenbar in eine Art Schockstarre versetzt - was sich auch an den Zahlen zeigt. Der Absatz in China ist zuletzt zurückgegangen, beim Absatz liegt Audi hinter Mercedes und BMW auf Rang 3, und der Rückstand wächst. In den vergangenen Monaten hat Audi auch im großen Volkswagen-Konzerngefüge merklich an Einfluss verloren. Audis hochprofitable Motorenfabrik im ungarischen Györ geht nun, trotz kräftigem Widerstands aus Ingolstadt, in der neuen Komponentengruppe des Konzerns auf. Ein Ladesäulen-Jointventure für Elektroautos führt die Konzernschwester Porsche an.

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