Sonntag, 19. November 2017

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Neue Technologie soll Verbrennungsmotor retten Audi baut Wunderdiesel-Fabrik in der Schweiz

Flasche mit synthetischem Diesel

Der vom Abgasskandal geplagte Autobauer Audi Börsen-Chart zeigen verstärkt sein Engagement bei alternativen Kraftstoffen. In der Schweiz baut die Volkswagen-Tochter eine Fabrik, in der synthetischer Diesel hergestellt wird, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Die dafür benötigte Energie soll ausschließlich aus Wasserkraft stammen, so dass nahezu klimaneutraler Sprit entsteht.

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Synthetische Kraftstoffe lassen sich in normalen Verbrennungsmotoren einsetzen und sind daher ein Weg, das Aus für diese Technologie zu verhindern. Sie gerät angesichts des Kampfes gegen den Klimawandel zunehmend unter Druck. Ohne günstige gesetzliche Rahmenbedingungen gilt synthetischer Treibstoff bisher allerdings als nicht wirtschaftlich. Zuletzt haben Investoren in Norwegen den Bau einer Wunderdiesel-Fabrik mit deutschem Know-how angekündigt.

Jenes Projekt hätte allerdings eine deutlich größere Dimension als Audis geplante Produktionsstätte. Während in Norwegen ab 2020 zehn Millionen Liter Sprit im Jahr hergestellt werden sollen, rechnet Audi zunächst mit 400.000 Litern im Jahr. Schon 2018 soll der erste künstliche Diesel fließen.

Die Fabrik soll in Laufenburg im Schweizer Kanton Aargau entstehen, mithilfe der Partner Ineratec und Energiedienst Holding. "Wir können durch eine neue Technologie die Produktion von E-Diesel effizient in kompakten Einheiten und damit wirtschaftlicher gestalten", sagte Audis Leiter Nachhaltige Produktentwicklung, Reiner Mangold.

Die Anlage sei zudem in der Lage, immer dann besonders viel erneuerbaren Strom aufzunehmen, wenn dieser gerade in großen Mengen produziert wird. Dies ist etwa bei günstigen Wetterbedingungen der Fall. Auf diese Weise könne die Fabrik dazu beitragen, dass die Energiewende trotz volatiler Stromproduktion gelinge.

Die Herstellung von synthetischem Diesel funktioniert laut der Audi-Mitteilung wie folgt: Der vor Ort im Wasserkraftwerk produzierte Ökostrom erzeugt aus Wasser mittels Elektrolyse Wasserstoff und Sauerstoff. Im nächsten Schritt reagiert der Wasserstoff mit Kohlendioxid. Dabei komme kommt eine neuartige und sehr kompakte Mikroverfahrenstechnik zum Einsatz. Das Kohlendioxid kann aus der Luft oder Abgasen gewonnen werden.

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Es entstehen langkettige Kohlenwasserstoffverbindungen. Diese werden im letzten Verfahrensschritt getrennt, in den Kraftstoff sowie in Wachse, die in anderen Industriezweigen Verwendung finden.

Schon vorher hatte sich Audi auf dem Gebiet synthetischer Kraftstoffe profiliert. In Werlte (Niedersachsen) hat der Autohersteller eine Anlage zur Produktion von künstlichem Gas gebaut. Auch jene Fabrik nutzt für den Herstellungsprozess Ökostrom. Der Brennstoff wird ins Gasnetz eingespeist und (rechnerisch) von Fahrern von Erdgas-Audis verbraucht. In Dresden steht bereits eine Pilotanlage für synthetischen Diesel, bei der Audi mit der Technologie-Sunfire kooperiert.

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