Samstag, 30. Juli 2016

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Autoteilen für Wohlhabende Audi will Luxus-Carsharing bald in den USA testen

Sportwagen Audi R8: In Berlin jetzt auch im Carsharing erhältlich - für rund 1800 Euro Miete monatlich

Der Nachzügler setzt auf die Nobelschiene: Audi hat kürzlich zwei Carsharing-Pilotprojekte gestartet. Anders als die Konkurrenz von Car2Go und DriveNow richtet sich Audis Autoteilen-Angebot an gut Betuchte. Nun sollen bald weitere Testprogramme in zwei US-Metropolen folgen.

Hamburg - Daimler Börsen-Chart zeigen will mit seinem Carsharing-Programm Car2Go in diesem Jahr die Grenze von einer Million Kunden durchbrechen. Bei BMWs Börsen-Chart zeigen Drivenow-Angebot sind derzeit bereits mehr als 350.000 Kunden registriert, und die Münchener arbeiten gemeinsam mit dem Autovermieter Sixt an der Internationalisierung des Angebots.

Bei Audi Börsen-Chart zeigen hingegen laufen die ersten Gehversuche mit dem Teilen von Autos gerade erst an, und allzu viel Wind macht die Nobelmarke nicht darum. Die Ingolstädter haben lange gezögert, da sie sich vom Carsharing im Massenmarkt nur geringe Erlöse erwarten. Nun hat Audi zwei Autoteil-Pilotprojekte der noblen Art gestartet, die schon aufgrund ihres Preises ganz andere Kunden ansprechen sollen.

In Stockholm ging vor wenigen Wochen Audi Unite an den Start - ein Pilotprojekt, dessen Konzept ziemlich nah am klassischem Autoteilen in Familien liegt. Bei Audis Carsharing-Programm teilen sich bis zu fünf Personen für ein oder zwei Jahre ein Auto, vom Kleinwagen A1 bis zur Oberklasselimousine A8. Per Smartphone können die Autoteiler-Kleingruppen die Fahrzeuge reservieren oder nachsehen, wo sich das Auto gerade befindet und wieviel Benzin noch im Tank ist.

Je nach gewähltem Modell kostet Unite monatlich pro Person zwischen 160 und 970 Euro. Die Rate jedes Unite-Kunden schwankt zudem je nach der Autonutzung im jeweiligen Monat - und beinhaltet bereits eine monatliche Reinigung sowie Steuern und Versicherung.

Audi macht Luxusauto-Kunden flexibler in der Fahrzeugwahl

Etwas anders funktioniert Audi Select, ein Carsharing-Konzept, das der Hersteller derzeit in Berlin ausprobiert. Hierbei teilen sich nicht mehrere Personen ein Auto, sondern ein Kunde kann innerhalb eines Jahres bis zu drei verschiedene Audi-Modelle fahren. Dafür verlangt Audi eine monatliche Miete, die bei rund 1000 Euro im Monat startet. Wer innerhalb eines Jahres den sportlichen S5 Coupé, den üppig motorisierten Kombi RS4 Avant und Audis Sportwagen R8 fahren will, muss dafür ewas mehr als 1800 Euro pro Monat bezahlen.

Günstig ist das Audi-Teilen also nicht. Doch die Ingolstädter könnten sich damit eine eigene Nische auftun, die von der Konkurrenz bislang links liegen gelassen wird. Daimlers Car2Go und BMWs Drivenow zielen im Kern auf Stadtbewohner, denen ein eigenes Auto zu teuer oder wegen Parkplatzproblemen zu mühsam ist. Zwar hat Daimler vor kurzem mit car2go black ein Angebot gestartet, bei dem Nutzer auch stunden- oder tageweise eine Mercedes B-Klasse mieten können - etwa für längere Fahrten zwischen zwei Städten.

Doch Audi geht es nicht um solche vergleichweise kurzen Autovermietungen. Die Programme der Ingolstädter sollen Luxusauto-Kunden ansprechen, die sich mehr Vielfalt bei der Auswahl ihrer Fahrzeuge wünschen - und dafür auch bezahlen können.

Zwei US-Testprogramme sollen folgen

"Wir werden nicht wie Car2Go den Massenmarkt auffüllen", erklärte Audi-Chef Rupert Stadler dazu kürzlich dem Fachmagazin Automotive News am Rande der Automesse in Los Angeles.

Doch wenn ein Kunde bereit sei, etwas mehr zu bezahlen, warum solle er dann dasselbe Auto drei Jahre lang fahren? "Könnten wir dann nicht drei verschiedene Autos haben? Vielleicht einen SUV im Winter, ein Cabrio im Sommer oder einen Sportwagen, wenn ich ihn benötige?", so Stadler.

Sein US-Statthalter Scott Keogh erklärte bei dieser Gelegenheit auch, dass Audi bereits den Start von weiteren Pilotprojekten in zwei weiteren US-Städten vorbereite. Die Orte und Details werden in den kommenden zwei Monaten bekanntgegeben. Allerdings sollen sich die US-Carsharing-Programme von jenen in Europa unterscheiden. Negative Auswirkungen auf die Audi-Verkaufszahlen erwartet Keogh dadurch nicht. Die Carsharing-Programme seien im Gegenteil eine Gelegenheit, in neue Segmente einzusteigen.

Genau so hätten es seine Kollegen von Daimler und BMW vermutlich auch ausgedrückt.

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