Samstag, 18. November 2017

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Staatsanwälte haben Stadler nicht im Viser Ermittler zweifeln an Aussage von gefangenem Audi-Techniker

Rupert Stadler

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat in der Diesel-Affäre bis heute keinen hinreichenden Tatverdacht gegen Audi -Chef Rupert Stadler. "Unter den Beschuldigten sind keine aktuellen oder früheren Vorstände", sagte Staatsanwältin Karin Jung am Montag. Die Verteidiger des seit sieben Wochen in Untersuchungshaft sitzenden Audi-Motorentwicklers Giovanni P. sagten, nach Auffassung der Staatsanwaltschaft habe P. seine Vorgesetzten hinters Licht geführt.

Der wegen der Abgasaffäre inhaftierte Ingenieur Giovanni P. hatte schwere Vorwürfe gegen den Audi-Vorstand und weitere Spitzenmanager erhoben. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, legte P. über seine Anwälte der Staatsanwaltschaft München II ein Papier vor, in dem mehr als belastende 40 Vorgänge im Unternehmen geschildert werden. Darin gehe es um Mails, Sitzungen und Vorträge, die bei Audi zwischen März 2006 und Juli 2014 verschickt worden sein beziehungsweise stattgefunden haben sollen.

Sollten die Angaben stimmen, wussten viele Beschäftigte bis hin zu Spitzenmanagern von den manipulierten Schadstoffmessungen. Und der von Audi-Chef Rupert Stadler geleitete Vorstand hätte demnach das Problem gekannt, dass die Abgasreinigung mit dem Harnstoff Adblue nicht richtig funktionierte und die strengen Grenzwerte in den USA nicht eingehalten werden konnten.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt im Fall Audi wegen des Verdachts, 80.000 Käufer von Diesel-Fahrzeugen in den USA seien systematisch betrogen worden - mit dem falschen Versprechen, saubere Autos geliefert zu bekommen. Die von dem Ingenieur geschilderten Vorgänge sollen laut "Süddeutscher Zeitung" belegen, dass dieser nur ein Rädchen im System gewesen ist.

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Bereits am 9. Oktober 2006 soll ein führender Motorenentwickler bei Audi mehrere Führungskräfte über das Grundproblem bei der Abgasreinigung mit Adblue informiert haben - ein Gemisch aus künstlichem Harnstoff und Wasser, das die gesundheitsschädlichen Stickoxide neutralisiert. Unter den Führungskräften soll auch der damalige Audi-Chef Martin Winterkorn gewesen sein, der wenig später von dem Ingolstädter Unternehmen zum Mutterkonzern Volkswagen Börsen-Chart zeigen nach Wolfsburg wechselte und dort den Vorstandsvorsitz übernahm.

Audi wollte die Schilderungen gegenüber der Zeitung nicht kommentieren. Das Unternehmen hat seinen Vorstand zuletzt bereits grundlegend umgebaut, Stadler dabei aber verschont.

nis/afp

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