Sonntag, 16. Dezember 2018

Razzia bei VW-Tochter seit 7 Uhr Staatsanwälte ermitteln bei Audi im Diesel-Skandal

Audi-Hauptquartier in Ingolstadt

Die Staatsanwaltschaft München II nimmt wegen der Abgasaffäre Audi-Manager ins Visier. Die Behörde habe ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung eingeleitet, teilte sie am Mittwoch mit. Dabei gehe es um 80.000 Dieselfahrzeuge, die bis 2015 in den USA verkauft worden seien. "Es besteht der Verdacht, dass in diese Kraftfahrzeuge technische Vorrichtungen zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut wurden, um die US-amerikanischen Abgasgrenzwerte einzuhalten, und die Käufer diesbezüglich nicht informiert wurden", hieß es. Das europäische Geschäft sei nicht betroffen.

Im Rahmen der Ermittlungen würden am Mittwoch Standorte von Audi in Ingolstadt und Neckarsulm sowie an weiteren sieben Orten durchsucht. Es solle damit geklärt werden, welche Personen die Vorwürfe beträfen.

Die Aktion läuft seit kurz vor 7 Uhr morgens und startete damit kurz vor Beginn der Bilanzpressekonferenz sind bei Audi. Ein Unternehmenssprecher sagte: "Wir kooperieren vollumfänglich."

Audi hatte im November 2015 den Einsatz von Schummel-Software in großen Dieselmotoren eingeräumt.

Die Staatsanwaltschaft München hatte zuvor lange Zeit geprüft, ob sie wegen des Dieselskandals Ermittlungen gegen Verantwortliche bei Audi aufnimmt. Bislang ermittelte nur die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen mehrere Dutzend Verantwortliche, vor allem aus den Reihen des Volkswagen-Managements.

Zuletzt hatte der ehemalige Leiter der Dieselmotorenentwicklung, Ulrich Weiß, in seinem Arbeitsgerichtsprozess schwere Vorwürfe gegen Audi-Chef Rupert Stadler erhoben. Dieser habe frühzeitig von den Manipulationen an Audis Drei-Liter-Dieselmotoren erfahren. Am Vortag hatte Stadler auf der Jahresmedienkonferenz des Mutterkonzerns Volkswagen in Wolfsburg auf die Frage, warum er trotz des Abgasskandals noch Audi-Chef sei, geantwortet: Die Kanzlei Jones Day habe seine Rolle neutral untersucht, der Audi-Aufsichtsrat habe ihm daraufhin sein Vertrauen ausgesprochen, das müsse er nicht weiter kommentieren. Vorsitzender des Audi-Aufsichtsrats ist VW-Chef Matthias Müller.

Die Audi-Mutter Volkswagen hatte im September 2015 die Manipulation von Abgaswerten bei weltweit elf Millionen Diesel-Autos eingestanden. Der Konzern sieht sich mit zahlreichen Klagen und milliardenschweren Schadenersatzforderungen konfrontiert. Zuletzt hatten australische Behörden angekündigt, nach VW auch Audi zu verklagen.

nis/rtr/Spon

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