Sonntag, 24. März 2019

Antrittsinterview des neuen Audi-CEOs Schot dringt auf höhere Produktivität bei Audi

Audi-Chef Bram Schot

Der neue Audi-Chef Bram Schot sieht seine Aufgabe in einem Umbau des Konzerns - und in der Etablierung einer neuen Unternehmenskultur. Der lange währende Erfolg habe "viele verwöhnt und ein bisschen träge gemacht", sagte Schot der "Süddeutschen Zeitung". Für die jetzige Produktionsmenge gebe es zu viele Mitarbeiter. Wenn er den jetzigen Output der 90.000 Mitarbeiter sehe, würde er sagen, es gebe zu viele Arbeitnehmer bei Audi. "Jetzt kann man überlegen, mit weniger Leuten zu arbeiten. Oder mit den gleichen Leuten mehr Output erzeugen", sagte Schot. Er wolle Letzteres und müsse dazu die Unternehmensstrategie fokussieren: "Wir machen gerade zu viel."

Als Konsequenz aus dem Dieselskandal forderte Schot geringeres Hierarchiedenken und größere Ehrlichkeit in der konzerninternen Kommunikation ein. "Ich will Leute mit hundert Prozent Transparenz", sagte er der "SZ". "Da reicht es mir nicht, dass wahr ist, was mir die Leute sagen. Ich will, dass mir die Leute alles sagen, was wahr ist." Fehler müssten offen besprochen werden.

Schot leitet Audi seit der zwischenzeitlichen Festnahme seines Vorgängers Rupert Stadler im Juni als Interimschef. Vor knapp zwei Wochen berief der Audi-Aufsichtsrat den 57-jährigen Niederländer zum 1. Januar 2019 zum ordentlichen Vorstandsvorsitzenden. Schot wird dann außerdem Mitglied im Vorstand der Konzernmutter Volkswagen. Erst seit September 2017 gehört er dem Audi-Vorstand in Ingolstadt an. Zuvor war der frühere Daimler-Manager fünf Jahre Vertriebschef bei VW-Nutzfahrzeuge.

Laut "SZ" hat Audi in den vergangenen Monaten deutlich weniger Autos verkauft als noch vor einem Jahr. Dies liege unter anderem an den neuen Abgasnormen, die der Fahrzeugbauer nicht schnell genug einhalten könne. Im Oktober etwa lieferte Audi weltweit 117.600 Fahrzeuge aus - ein Minus von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft München II weiterhin, um herauszufinden, wie tief Audi-Manager in den Dieselskandal verstrickt waren. Ende Oktober kam Stadler unter Auflagen aus der Untersuchungshaft frei. Er soll versucht haben, in den Ermittlungen wegen des Dieselskandals bei Audi Zeugen oder Beschuldigte zu beeinflussen.

wed/dpa/afp

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