Montag, 10. Dezember 2018

Skandal um Zulassung in Südkorea Audi fälschte Tests und Fahrgestellnummern

Audi-Logo: Von einem Skandal zum nächsten

Die VW-Tochter Audi Börsen-Chart zeigen kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Nach der Verhaftung und Entlassung von Audi-Chef Rupert Stadler wegen der Abgasaffäre bahnt sich nun ein neuer Skandal an. Offenbar hat Audi für die Zulassung von Autos in Südkorea jahrelang Fahrgestellnummern und Testprotokolle gefälscht. Das Gebahren im fernen Asien ist nun auch ein Fall für deutsche Staatsanwälte: Die Strafverfolger in München ermitteln wegen Betrugsverdachts gegen drei unterhalb der Vorstandsebene angesiedelte Mitarbeiter der Volkswagen-Tochter Audi, wie eine Behördensprecherin am Montag sagte.

Sie bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Audi erklärte, konzerneigene Prüfer seien den Verfehlungen in dem ostasiatischen Land auf die Spur gekommen und hätten dazu einen internen Revisionsbericht angefertigt.

Das Unternehmen habe spezielle Vorschriften nicht "abdecken", also nicht einhalten können, zitierte die "Süddeutsche Zeitung" am Montag aus dem Audi-Revisionsbericht. Das Unternehmen habe folglich in Südkorea mit falschen Angaben die Zulassung von Autotypen erschlichen, die sonst keine Betriebserlaubnis erhalten hätten.

Pikant dabei: Die Dokumente, die zu dem neuen Ermittlungsverfahren führten, waren den Strafverfolgern laut Bericht erst bei einer Razzia wegen der Abgasaffäre im März 2017 in der Ingolstädter Audi-Zentrale in die Hände gefallen. Von sich aus habe die VW-Tochter die Ermittler nicht eingeschaltet. Der interne Revisionsbericht sei zu diesem Zeitpunkt schon acht Monate alt gewesen. Das heißt, das Audi-Management hätte genügend Zeit gehabt, die Ermittlungsergebnisse offenzulegen - zumal dem Bericht zufolge an erster Stelle auf dem Verteiler des Berichts der ehemalige Vorstandschef Rupert Stadler stand.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt bei Audi bereits seit Längerem gegen mehrere Beschuldigte wegen Abgasmanipulationen in den USA und Europa. Der frühere Audi-Chef Rupert Stadler kam in Untersuchungshaft. Weltweit zählt Südkorea zu den wichtigsten Schauplätzen des Abgasskandals bei Volkswagen, in dem Audi eine zentrale Rolle spielt. Das Land, das einer der größten Märkte für Dieselfahrzeuge in Asien ist, hat bereits scharf durchgegriffen. So wurden mehrere Volkswagen-Manager wegen Verstößen gegen Luftreinhaltebestimmungen angeklagt. Bereits 2016 wurde dort ein zeitweiliger Verkaufsstopp für fast alle Volkswagen-Fahrzeuge verhängt.

Die Staatsanwaltschaft München war nach Angaben mehrerer Insider bei einer Durchsuchung bei Audi im vergangenen Jahr überraschend auf den internen Revisionsbericht zu Südkorea gestoßen. Den Unterlagen zufolge seien Fahrgestellnummern gefälscht worden, um zu verhindern, dass die Behörden in Südkorea den Abgasmanipulationen auf die Spur kommen.

Schadstoffausstoß und Kraftstoffverbrauch wurden manipuliert

Laut dem Zeitungsbericht besagten die Prüfergebnisse, dass Mitarbeiter in den Werken Ingolstadt und Neckarsulm seit 2013 Testprotokolle für die Zulassung von Fahrzeugen in Südkorea "gezielt manipuliert" hätten. Das betraf demnach Messergebnisse des Schadstoffausstoßes und des Kraftstoffverbrauchs. Testdaten und Kilometerzahlen der betreffenden Autos seien manipuliert worden, um vorzutäuschen, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden. Um zu verhindern, dass dies nachvollziehbar sei, seien Fahrgestellnummern gefälscht worden. In 18 Fällen sei eine falsche Fahrgestellnummer ins Testprotokoll eingetragen worden. Die manipulierten Unterlagen seien an den Verkauf in Südkorea geschickt worden, zur Vorlage bei den dortigen Behörden.

Audi erklärt die Zurückhaltung der Informationen gegenüber der "SZ" damit, dass die interne Untersuchung noch nicht abgeschlossen gewesen sei und die Ergebnisse daher noch nicht an die Behörden weitergeben worden seien. Die Erkenntnisse aus den Revisionsberichten seien "mit den koreanischen Zulassungs- und Strafverfolgungsbehörden konsequent von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Volkswagen Börsen-Chart zeigen und Audi" abgearbeitet worden, heißt es von Seiten des Unternehmens. Gerichtsverfahren und Verurteilungen in Südkorea wie auch personelle Maßnahmen seien die Folge gewesen. "Der lokale Dienstleister, der für die Marken des Konzerns in Korea tätig war, wurde ausgetauscht."


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Auch wenn Unternehmen nicht verpflichtet sind, derartige Verstöße bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen, hätte es dem tief in den Abgasskandal verwickelten Autobauer sicherlich gut getan, den Vorgang von sich aus anzuzeigen, als ihn zu verschweigen.

mg/wed/AFP/Reuters

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