02.10.2017

Dieselaffäre

Audi stellt Ex-Chefentwickler ruhig

SPIEGEL ONLINE, soc

AFP

Audi auf der IAA 2017, hier mit der Studie Audi Aicon.

Audi verschafft sich in der Dieselaffäre zumindest an einer Front Ruhe: Die VW-Tochter einigte sich in einem Arbeitsrechtstreit mit einem Ex-Ingenieur. Der frühere Chefentwickler hatte die Unternehmensführung zuvor belastet.

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China macht - wohl auch wegen der schlechten Luftqualität in seinen Metropolen – Ernst mit Elektroautos: Die Chinesen wollen sämtlichen Autoherstellern eine Absatzquote von 10 Prozent für Elektro- oder Hybridfahrzeuge vorschreiben. Diese Vorgaben klingen hart, denn 2016 lag der Marktanteil dieser Fahrzeuge aller Hersteller in China erst bei 1,3 Prozent ...

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Deutsche Autohersteller hatten sich erfolgreich für eine Verschiebung der Quote um ein Jahr starkgemacht. Die Zehn-Prozent-Vorgabe wirkt brutal, doch die Chinesen ...

VW

... sehen dafür ein Punktesystem vor: Für reine Elektroautos bekommen die Hersteller demnach mehr Punkte gutgeschrieben als für Hybridmotoren, auch für höhere Reichweiten soll es mehr Punkte geben. Wer die Quote nicht erfüllt, kann Punkte von einem anderen Hersteller kaufen oder muss Strafen zahlen.
Die deutschen Autobauer können die Vorgaben bislang nicht erfüllen. Für sie ist der chinesische Markt jedoch immens wichtig. Volkswagen etwa verkaufte im vergangenen Jahr vier Millionen Autos in der Volksrepublik. Mit seinem chinesischen Partner JAC will VW nun bis 2020 bis zu 400.000 Elektro- und Hybridautos jährlich in China verkaufen, bis 2025 sollen es 1,5 Millionen werden. VW verkauft in China einige E-Modelle, etwa den Plugin Golf GTE (im Bild).

Auch der SUV VW Touareg ist mit Batterie an Bord erhältlich, die bis zu 50 Kilometer reinen Elektroantrieb ermöglicht. Ihr kleinstes E-Modell verkaufen die Wolfsburger ebenfalls in China: Der e-Up kommt mit voller Batterie bis zu 160 Kilometer weit. Groß sind die Verkaufszahlen allerdings nicht, denn ...

Volkswagen

... bislang importiert VW diese Autos aus Europa. Damit fällt auch der e-up! aus den großzügigen chinesischen Förderprogrammen von bis zu 16.000 Euro pro Fahrzeug heraus. Zudem schlagen die Chinesen noch einen Importzoll von 25 Prozent obendrauf.
"Wir halten ein Quotensystem für Elektrofahrzeuge für wichtig und richtig", sagt ein VW-Sprecher gegenüber manager-magazin.de ...

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... noch in diesem Jahr startet VW in China den Import des E-Golf (reines Batteriefahrzeug mit knapp 200 Kilometern Reichweite) und den Import des Plugin-Hybriden VW Passat GTE (50 km E-Reichweite), der in China unter mehreren Namen vertrieben wird. Im vergangenen Jahr hat der Volkswagen-Konzern laut Eigenangaben mehrere tausend elektrifizierte Fahrzeuge verkauft ...

Volkswagen

... allerdings waren dies alles eben Importfahrzeuge. Angesichts jener knapp 4 Millionen Fahrzeuge, die der VW-Konzern 2016 in China verkaufen konnte, war der Elektroantrieb-Anteil also deutlich unter 1 Prozent. Einen Absatzschub bei Elektroantrieben erhofft sich VW deshalb von der lokalen Fertigung – denn für diese entfällt der Importzoll und sie erhalten zudem die chinesische E-Auto-Förderung. Starten will VW ...

Volkswagen AG

... mit der Fertigung einer Plugin-Version des Phideon (im Bild), eines ausschließlich in China verkauften Modells auf Basis des Passat CC-Nachfolgers Arteon. Die Phideon GTE-Fertigung soll noch in diesem Jahr starten, ab kommendem Jahr will VW reine Elektroautos verkaufen, die die Wolfsburger gemeinsam mit dem chinesischen Autohersteller JAC entwerfen.

Audi

VWs Nobeltochter Audi verkauft in China aktuell nur Plugin-Hybride, die aus Europa importiert werden und deshalb nur schwer verkäuflich sind. So ist etwa Audis A3 auch in China in e-tron-Variante erhältlich – die Batterie des Plugin-Hybrid reicht für bis zu 50 Kilometer rein elektrischer Fahrt, bevor der Verbrenner anspringt. In derselben Reichweitenliga spielt ...

Audi

... der Audi Q7 e-tron, der ebenfalls als Importfahrzeug in China erhältlich ist. Allerdings will Audi in den kommenden fünf Jahren fünf neue e-tron-Modelle in China produzieren, darunter auch ein reines Batterie-Elektroauto, das mit vollem Akku über 500 Kilometer weit kommt. Den Startschuss für die lokale Produktion von elektrifizierten Modellen im Reich der Mitte macht in diesem Jahr ...

AUDI AG

... der Audi A6L e-tron, eine Plugin-Hybridversion von Audis Mittelklassefahrzeug mit verlängertem Radstand. Auch eine Rolle für Volkswagens chinesische Elektropläne spielt wohl auch die VW-Sportwagentochter ...

Porsche

... Porsche China. Porsche importiert aktuell vier Hybridmodelle - drei Hybridversionen des Panamera (im Bild der Panamera S E-Hybrid) und die Hybridversion des Cayenne S. Im Jahr 2018 will Porsche zwei zusätzliche Hybridmodelle ins Importprogramm aufnehmen.
Für weitere Konzernmarken (Skoda, Bentley) soll es bald eigene Hybrid- und E-Modelle geben. Im großen Ausmaß wird die lokale Produktion bei VW erst ab 2020 starten - dann sollen in China Fahrzeuge gebaut werden, die auf dem Elektro-Baukasten MEB aufbauen.

BMW

Die Konkurrenz aus München ist mit ihren E-Modellen schon breiter aufgestellt als Volkswagen. Ihren Elektro-Stadtwagen BMW i3 exportieren die Münchener bereits nach China – auch mit auf 300 km erhöhter Reichweite. Die Palette an Import-Hybriden ist bei BMW ziemlich breit: Neben dem reinen Elektromobil i3 können chinesische Kunden auch ...

BMW

... den Hybrid-Renner i8 in China kaufen - für die in China üppigen Subventionen kommen die Autos allerdings nicht in Betracht. Das gilt ebenso für ...

BMW

.. die in China ebenfalls erhältliche Hybridversion des SUVs X5, den xDrive 40e. Der kann laut Datenblatt bis zu 31 Kilometer rein elektrisch fahren, im Alltag dürften das eher um die 20 Kilometer sein. Neben dem üppigen SUV X5 ist auch ...

BMW

... der 7er-BMW als Hybrid (Bezeichnung: 740e) erhältlich. Insgesamt rund 2000 Hybride und reine Batteriefahrzeuge hat BMW im vergangenen Jahr in China verkauft, erklärte eine Sprecherin gegenüber manager-magazin.de. Das waren nur 0,3 Prozent aller in China abgesetzten BMW-Neuwagen. Für ein neues Plugin-Hybridmodell setzen die Münchner auf eine eigene Fertigung vor Ort.

BMW

Seinen Kompakt-SUV X1 baut BMW in China auch in nicht mehr ganz so kompakter Langversion – seit diesem Jahr gibt es auch eine Hybridvariante: Der X1 XDrive 25 Le fährt bis zu 60 Kilometer weit rein elektrisch. Dank der Fertigung vor Ort gemeinsam mit Partner Brilliance schafft es der X1 auch auf die Liste jener Fahrzeuge, die in China von Regierung und Kommunen gefördert werden. Das erste E-Modell, das die Münchener vor Ort bauten, war jedoch ...

Zinoro

... ein umgemodelter X1 der ersten Generation, den BMW von Partner Brilliance fertigen ließ und unter der Marke Zinoro verkaufen ließ. Ein Verkaufsschlager war das unter der Bezeichnung 1E verkaufte Fahrzeug wohl eher nicht: Es bot gerade mal 150 km Reichweite und wurde nur verleast, nicht verkauft. Seit März 2017 ist der Nachfolger Zinoro 60H auf dem Markt – das ist im Prinzip der neue BMW X1 mit Plugin-Hybridantrieb und einem leicht veränderten Blechkleid.

Daimler

Bei der Marke Mercedes ist das Angebot an Elektro- und Plugin-Hybridmodellen in China recht dürftig: Aktuell importieren die Schwaben in China die Hybridversionen der S-Klasse (S 500 e) und des SUV-Coupes GLE 500 e (im Bild). Beide Modelle fahren rein elektrisch bis zu 30 Kilometer weit. Die neue Generation der S-Klasse, die auch in China verkauft wird, soll dann mehr als 50 Kilometer je Akkuladung schaffen. Man darf annehmen ...

Daimler

... , dass Mercedes auch seine geplanten E-Modelle der Submarke EQ in China fertigen wird.

Daimler

Mit ihrem ersten Versuch für reine E-Autos sind die Stuttgarter bislang nicht rasend erfolgreich: Gemeinsam mit Partner BYD haben sie die Elektromodellmarke Denza aus der Taufe gehoben. Mit dem Denza 400 (im Bild, Reichweite 400 km) ist bereits die zweite Generation des Autos auf dem Markt. Allerdings: Im vergangenen Jahr verkaufte Denza nur wenige tausend Stück seines Autos.

Daimler AG

Untermauert hat Daimler seine chinesischen Elektro-Ambitionen zuletzt mit Plänen für eine Batteriefabrik in China (Foto: Akku-Fertigung im sächsischen Kamenz). Etwa 650 Millionen Euro lassen sich die Stuttgarter die Produktionsstätte kosten.

Audi hat sich mit einem im Dieselskandal gefeuerten Ingenieur geeinigt. "Das Arbeitsverhältnis wurde einvernehmlich beendet", sagte ein Sprecher der Volkswagen-Tochter. Ob Abfindungszahlungen an den früheren Chef der Dieselmotorenentwicklung, Ulrich Weiß, geleistet wurden, wollte der Sprecher nicht kommentieren. Der Anwalt von Weiß konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.

Audi hatte den Ingenieur im Zuge der Dieselaffäre im November 2015 zunächst bezahlt freigestellt und ihm dann im vergangenen Februar gekündigt. Das Unternehmen begründete das damit, dass Weiß den Vorstand und ein Expertengremium über die Manipulation von Abgaswerten getäuscht habe. Der Ingenieur wies das zurück. Er hatte von Audi eine Abfindung von sechs Millionen Euro verlangt. Im August hatte das Arbeitsgericht in Heilbronn Termine in dem Verfahren auf Wunsch der Beteiligten abgesagt, das Verfahren ruhte.

Durch die jetzige Einigung bleibt Audi eine gerichtliche Auseinandersetzung erspart, bei der weitere Details zur Abgasaffäre ans Licht kommen könnten. Schon Anfang des Jahres hatte Weiß Audi-Chef Rupert Stadler vor dem Arbeitsgericht schwere Vorwürfe gemacht. Wegen der von Volkswagen und Audi zugegebenen millionenfachen Manipulation von Dieselmotoren zur Schönung von Abgaswerten ermitteln Staatsanwaltschaften im In- und Ausland.

Seit Donnerstag sitzt der frühere Entwicklungsvorstand des Sportwagenbauers Porsche, Wolfgang Hatz, in Untersuchungshaft. Hatz, der zeitweise auch die Motorenentwicklung bei Audi und im Volkswagen-Konzern leitete, war aufgrund des Abgasskandals zunächst beurlaubt worden und hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr verlassen. Der Anwalt von Hatz weist die Vorwürfe zurück: Die gegenüber Hatz erhobenen Vorwürfe seien falsch.

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