Dienstag, 17. Juli 2018

Audi-Chef bleibt weiter in U-Haft Dieser Anwalt soll Rupert Stadler nun rausboxen

Audi-Chef Rupert Stadler auf einer VW-Hauptversammlung - vor seiner Verhaftung

Seit Montag (18. Juni) sitzt Audi-Chef Rupert Stadler in Untersuchungshaft. Von seinem Job als Vorstandsvorsitzender der Vier-Ringe-Marke ist er vorübergehend beurlaubt, Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot führt den Autohersteller kommissarisch. Eine Rückkehr Stadlers auf seinen alten Posten erscheint mit jeder Stunde Haft unwahrscheinlicher denn je. Aktuell sieht es nicht so aus, als würde der 55-Jährige Automanager umgehend freikommen.

Fest steht, dass Stadler am Mittwoch Mittag zum ersten Mal als Beschuldigter vernommen wurde. "Die Sachbearbeiter sind vor Ort", erklärte ein Münchner Staatsanwalt gegenüber Nachrichtenagenturen. Stadler habe eine Aussage angekündigt. Ob die Vernehmung in Augsburg - wo Stadler in Untersuchungshaft sitzt - oder beim LKA in München stattfindet, sagte der Staatsanwalt nicht.

Verhaftet wurde Stadler am Montag wegen Verdunklungsgefahr. Berichten zufolge soll er in einem abgehörten Telefonat erwogen haben, einen Belastungszeugen aus dem eigenen Unternehmen beurlauben zu lassen.

Die Ermittler werfen dem Audi-Chef Betrug vor, weil er nach Aufdeckung der Abgastricksereien bei Dieselautos 2015 in den USA weiter manipulierte Autos in Europa verkauft habe.

Stadler setzt auf Wirtschaftsanwalt Thilo Pfordte

Bei seiner Vernehmung als Beschuldigter hat Stadler einen erfahrenen Anwalt an seiner Seite: Den Münchner Strafrechtsexperten Thilo Pfordte. Der 60-Jährige Gründungspartner der Kanzlei Brehm & v. Moers vertrete Stadler schon seit längerem im Rahmen der Diesel-Betrugsvorwürfe, berichtete die Fachpublikation Juve vor kurzem. Eine Anfrage von manager-magazin.de an Pfordte zum aktuellen Umfang seiner Tätigkeit für Stadler blieb vorerst unbeantwortet.

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Pfordte gilt als Top-Adresse bei verzwickten Fällen in Süddeutschland. Zuletzt vertraten Pfordte und einer seiner Kanzleikollegen etwa den Ex-Finanzvorstand der deutschen Skandalbank HRE, Markus Fell. Im September 2017 wurde das Verfahren gegen Fell gegen Geldauflage eingestellt. Die Vorwürfe der Staatsanwälte gegen Fell und HRE-Bankchef Georg Funke zerlegte Pfordte und seine Verteidigerkollegen minutiös.

Im Jahr 2010 beriet Pfordte einen ehemaligen Siemens-Vorstand im Skandal um von dem Industrieriesen gezahlte Bestechungsgelder für Großaufträge in Russland und Nigeria. Der Topmanager gestand vor Gericht, die Schmiergeldpraxis seiner Mitarbeiter gedeckt zu haben und entging so einer Haftstrafe.

Ausschließlich auf Topmanager ist Pfordte aber nicht spezialisiert. Der Strafrechtler, der am Deutschen Anwaltsinstitut auch den juristischen Nachwuchs ausbildet, verteidigte auch schon Fahrdienstleiter oder Kfz-Mechaniker vor Gericht. Laut Darstellung seiner Kanzlei scheint der Jurist seit Jahren in Rankings der besten Wirtschaftsstrafanwälte in Deutschland auf.

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