Dienstag, 19. Juni 2018

IT-Konzern rüstet VW-Transporter zu Selbstfahr-Shuttles um iBulli statt iCar - so bescheiden enden Apples Auto-Pläne

Elektro-Transporter der VW-Mobilitätsmarke Moia: Das dürfte die Basis für Apples Angestellten-Shuttle werden

Vor gerade einmal vier Jahren jagte die Erwähnung von Apples "Projekt Titan" der Autobranche noch einen gehörigen Schrecken ein. Unter diesem Codenamen arbeitete der kalifornische IT-Riese an nichts Geringerem als der Neuerfindung des Autos, hieß es. Offizielle Statements zu den Auto-Plänen gab es - in Apple-typischer Geheimniskrämerei - natürlich nicht.

Dafür häuften sich Berichte, die aus Gesprächen mit Insidern ein paar spannende Eckdaten zusammentrugen: Weit über tausend Leute sollten an Apples geheimnisvollem Autoprojekt arbeiten. Ein rein batteriegetriebenes Fahrzeug sollte das bald "iCar" getaufte Gefährt werden, das über große Strecken autonom fahren sollte. In Pressekonferenzen ließ Apple-Chef Tim Cook verschwurbelt anklingen, an elektrisch und autonom fahrenden Autos zu arbeiten, was den Hype noch verstärkte. Vor knapp zwei Jahren bestätigte Apple seine Auto-Ambitionen sogar in einem Brief.

Doch die hochtrabenden Fahrzeug-Pläne von Apple scheiterten Stück für Stück - an der profanen Realität. Zuerst gab der kalifornische IT-Riese den Plan auf, eigene Autos zu bauen. Stattdessen konzentrierte sich Apple rein auf die Software für selbstfahrende Autos. Nun, so berichtet die US-Zeitung "New York Times" (NYT), ist das "Projekt Titan" auf das Format von selbstfahrenden Personentransportern geschrumpft, die rein für Apple-Angestellte gedacht sind - mit einem Partner, der für Apple nicht die erste Wahl war.

Immerhin bekommt das iCar nun Unterstützung vom deutschen Autoriesen Volkswagen: Laut NYT will Apple nun T6-Transporter von Volkswagen zu selbstfahrenden Elektro-Shuttles umrüsten. Dabei handelt es sich in großen Teilen offenbar um jenen Typ Shuttle-Fahrzeuge, die Volkswagens neue Mobilitätsmarke Moia in einigen Monaten in Hamburg auf die Straße bringen will.

Apples Elektro-Bulli bekommt eigene Apple-Software

Die Apple-Variante des Elektro-Bullis wird bei der VW-Tochter Italdesign in Turin umgebaut. Dabei will der kalifornische IT-Konzern aber viele Komponenten der VW-Transporter, die hierzulande gerne liebevoll "Bulli" genannt werden, ersetzen. So sollen etwa Sitze und Cockpit ausgetauscht werden, andere Computer und Sensoren eingebaut werden und die Batterie des Fahrzeugs vergrößert werden, berichtet die NYT aus Gesprächen mit an dem Projekt Beteiligten.

Die Apple-Bullis sollen Apple-Angestellte zwischen zwei Apple-Campussen im Silicon Valley hin- und herfahren. Ein menschlicher Kontrollfahrer soll in autonom fahrenden Personentransportern ebenso an Bord sein wie ein Beifahrer, der die Leistung der Selbstfahr-Software überwacht.

Sprecher von Apple und VW-Nutzfahrzeuge wollen den Bericht zunächst nicht kommentieren. Der interne Codename für VW bei Apple sei "Jetstream", berichtete die NYT. Es sei unklar, ob die Kooperation mit Volkswagen über den Shuttle hinaus fortgeführt werde. Aktuell gehe es um weniger als zwei Dutzend VW-Transporter, berichtete der Finanzdienst Bloomberg.

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Das iCar endet nun also als eher klein dimensioniertes iBulli-Projekt, das offenbar auch noch hinter dem Zeitplan zurück ist. Die Shuttles hätten ursprünglich Ende 2018 fertig werden sollen. Doch diese Zielmarke werde verfehlt, sagte ein früherer Apple-Mitarbeiter der NYT.

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