Samstag, 3. Dezember 2016

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Elektroauto-Europakarte Estland jagt Elektroauto-"Vorreiter" Deutschland


Der eigene Anspruch und die Realität klaffen weit auseinander: Eigentlich will Deutschland "Leitmarkt" für Elektroautos sein. Tatsächlich reicht es im europäischen Vergleich nur zu einem Mittelfeldplatz, wie die Grafik von Statista zeigt.

Der Anteil von reinen Batterie- sowie Plugin-Hybridfahrzeugen lag im ersten Quartal 2015 laut Daten des europäischen Autoherstellerverbandes Acea bei ganzen 0,6 Prozent. Damit liegt Deutschland im Europa-Ranking auf Platz 10, zwischen Österreich und Estland. Ganze 4542 Autos mit E-Antrieb fanden in der Bundesrepublik Käufer - bei einem deutschen Auto-Gesamtmarkt von 757.630 Fahrzeugen.

Einsam an der Spitze ist Norwegen. Dort verkauften die Autohändler im ersten Quartal 8099 Elektroautos. Das entspricht einem Anteil von bemerkenswerten 22,9 Prozent am norwegischen Gesamt-Automarkt. Die Skandinavier erheben hohe Steuern auf Autos mit Benzin- oder Dieselmotor, die beim Kauf eines Batterieautos nicht anfallen. Gut für Hersteller wie Tesla, Volkswagen und BMW, die den dortigen Elektroautomarkt dominieren: Das norwegische Parlament will die Steuervorteile nur langsam auslaufen lassen.

Verkäufe von Elektroautos steigen stark an

Auf den weiteren Podiumsplätzen: Die Niederlande (3 Prozent) und Schweden (1,6 Prozent). In beiden Ländern unterstützt der Staat den Kauf von Elektroautos. In den Niederlanden zahlen Käufer von Elektroautos weniger Steuern und dürfen in vielen Städten kostenlos parken. In Schweden hilft der Staat mit einer Kaufprämie und ebenfalls mit Steuervorteilen. Es folgen die Schweiz (1,5 Prozent Elektroauto-Anteil), Dänemark (1,2 Prozent) und Großbritannien (1,1 Prozent).

In ganz Europa (EU plus Norwegen und Schweiz) steigen die Elektroauto-Verkäufe derweil stark an. Im ersten Quartal 2015 wurden 92 Prozent mehr Batteriewagen verkauft (33.835) als im Vorjahreszeitraum (17.616).

Einigermaßen bemerkenswert ist, dass der Elektroauto-Anteil in Frankreich (0,8 Prozent, Rang 7) im ersten Quartal nicht viel höher war als in Deutschland. Dabei zahlt der französische Staat Käufern von Batterieautos eine hohe Prämie. Seit April sind es satte 10.000 Euro, sofern Autofahrer ein Diesel-Fahrzeug verschrotten. Hierzulande gibt es keine Kaufprämie, lediglich leichte Steuerrabatte und vergünstigte KFW-Kredite für Firmenautos.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat das Ziel von einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020 am Montag dennoch bekräftigt. "Natürlich sind das ambitionierte Ziele", sagte der CSU-Politiker zum Auftakt einer großen Konferenz zum Thema Elektromobilität in Berlin. Aber wer unambitioniert an die Arbeit gehe, werde nicht erfolgreich sein. "Ich glaube übrigens, dass wir dieses Ziel erreichen können", fügte er hinzu.

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