Mittwoch, 7. Dezember 2016

Toyota Prius ist kein Vorbild mehr Wie die deutsche Autoindustrie still und heimlich den Hybridantrieb beerdigt

Notorisch erfolglos: Diese Hybridautos motten die deutschen Hersteller unauffällig ein
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Vor gerade einmal sechs Jahren hatte BMW den klassischen Hybrid noch lieb. "Neue Maßstäbe" werde der Hybrid-Crossover X6 mit seiner "überlegenen Fahrdynamik" setzen. Auch die "zukunftsweisende Effizienz" werde die Konkurrenz alt aussehen lassen. Daimler lobte den Zwitterantrieb ebenfalls: Einen "CO2-Champion" mit "souveränem Leistungspotenzial" habe man nun im Programm, tönten die Stuttgarter im Mai 2009 bei der Vorstellung des S400 Hybrid.

Im Jahr 2015 klingen diese Werbefloskeln wie das Echo einer vergangenen Epoche. Ein klassischer Hybridantrieb mit Verbrennungs- und Elektromotor, so wie beim legendären Toyota Prius? Bei den deutschen Herstellern ist dieser Antrieb praktisch kein Thema mehr. Geradezu fluchtartig kehren Audi, BMW und andere der Technologie den Rücken, mit der ihnen die Japaner noch vor wenigen Jahren Angst eingejagt haben.

Die Hauptursache für den Sinneswandel: Bis heute leiden die Hybrid-Angebote der Deutschen unter chronischer Erfolglosigkeit. Zudem hat sich manche Umwelthoffnung nicht erfüllt, die sich mit dem fachmännisch "Vollhybrid" genannten Konzept verband. Weil klassische Hybride nicht aus der Steckdose betankt werden können, fällt die Spritersparnis zu gering aus, um strengere Emissionsvorgaben zu erfüllen.

Während die Japaner in Kürze die vierte Generation des sparsamen und leisen Prius vorstellen und bereits acht Millionen Hybridautos verkauft haben, nehmen die Deutschen ein Modell nach dem anderen aus dem Programm:

• BMW Börsen-Chart zeigen streicht beim Flaggschiff, dem 7er, den klassischen Hybridantrieb ab Oktober. Der Verkauf des 3er ActiveHybrid wurde im Juli dieses Jahres eingestellt, der 5er wird ebenfalls nicht mehr als Hybrid neu aufgelegt

• Volkswagen Börsen-Chart zeigen hat die Vollhybrid-Version seines Riesen-SUV Touareg in Europa und den USA gerade gestrichen, nur in China steht er noch bei den Händlern

• Daimler Börsen-Chart zeigen hat den klassischen Hybridantrieb für die Mercedes-E-Klasse aus dem Programm genommen

• Auch Audi Börsen-Chart zeigen dampft seine Vollhybrid-Angebote gerade kräftig ein, so ist der A6 mit dieser Technik in Deutschland und auf vielen Märkten nicht mehr erhältlich

• Porsche Börsen-Chart zeigen hat die Hybridversionen ohne Steckdose von Panamera und Cayenne eingemottet.

"Deutsche sind aus Vollhybrid-Technik so gut wie ausgestiegen"

Steil abwärts: Deutsche Hersteller setzen weniger Hybridautos ab (zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
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Steil abwärts: Deutsche Hersteller setzen weniger Hybridautos ab (zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
"Das Thema Vollhybrid spielt bei deutschen Herstellern fast keine Rolle mehr", sagt Autoexperte Thomas Schlick, Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Hohe Kosten für eine Hochvoltbatterie, dazu die doppelte Motorisierung - und im Gegenzug nur wenig Ersparnis beim CO2-Ausstoß: Diese Kombination bedeutet für den lange als Zukunftshoffnung gepriesenen Antrieb zumindest vorläufig das Aus.

"Die deutschen Autobauer sind aus der Vollhybrid-Technik so gut wie ausgestiegen", beobachtet auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Anders als Toyota hätten BMW, Audi und Co. nie eine wirkliche Kompetenz für dieses Thema aufgebaut. "Die Fahrzeuge waren teurer und der Kundennutzen so gut wie kaum spürbar."

Und so schrauben Fachleute die Verkaufsprognosen für die Zwitterautos nach unten. Berger-Mann Schlick rechnet damit, dass klassische Hybride im Jahr 2021 in Europa gerade einmal einen Marktanteil von 0,8 Prozent erreichen werden. Derzeit sind es etwas mehr.

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