Freitag, 22. März 2019

Toyota Prius ist kein Vorbild mehr Wie die deutsche Autoindustrie still und heimlich den Hybridantrieb beerdigt

3. Teil: Grundannahmen über Zukunft der Autoindustrie geraten ins Wanken

Doch haben die Deutschen damit die bessere Technik im Rennen um niedrigere Verbrauchswerte? Und können sie so an Hybrid-Weltmeister Toyota vorbeiziehen? Ganz so einfach ist es nicht. Denn während die gepriesene Technik der Japaner bereits millionenfach auf den Straßen rollt, müssen die deutschen Plugin-Hybride erstmal eine größere und zahlungskräftige Fangemeinde finden. Nur dann geht die gewagte Rechnung der Branche auf.

Die Begeisterung der hiesigen Nobelauto-Produzenten für Plugin-Hybride hat knallharte wirtschaftliche Gründe: Sie sind einer der wichtigsten Bausteine, mit denen BMW, Mercedes und Audi die strengen CO2-Vorgaben der EU ab 2021 erreichen wollen. Da ein Plugin-Hybrid im normierten Emissions-Testverfahren mit voll geladenen Batterien antreten darf, lassen sich so Verbrauch und Emissionen im Vergleich zu einem herkömmlichen Hybrid mehr als halbieren.

Vollhybride verbrauchen nur etwas weniger und kosten deutlich mehr

Vollhybride deutscher Hersteller waren auch deshalb Ladenhüter, weil die Benzin-Zwitter im Vergleich zu sparsamen Dieselmotoren kaum weniger verbrauchten, aber bis zu 20.000 Euro mehr kosteten. Mit den neuen Plugin-Hybriden hingegen lässt es sich auf kurzen Pendelstrecken nahezu emissionslos fahren, sofern Lademöglichkeiten zu Hause und am Arbeitsplatz vorhanden sind. Vermarktet werden die Fahrzeuge aber auch über die Spaß-Schiene: Denn der E-Motor und Batterie an Bord sorgen auch mal für Dutzende Extra-PS beim Überholen.

Das große Manko der Plugin-Hybride ist jedoch ebenfalls ihr Preis - der Aufpreis zum Basismodell liegt aktuell gerne mal bei 10.000 Euro oder mehr. Ob die Kunden das zahlen wollen?

Wenn die Plugin-Wette der deutschen Hersteller allerdings aufgeht, geraten manche Grundannahmen über die Zukunft der Autoindustrie ins Wanken. So erwartet etwa der Ölkonzern ExxonMobil, dass der Anteil von Vollhybriden bis zum Jahr 2040 weltweit auf nahezu 50 Prozent emporschnellt. Elektroautos und Plugin-Hybride spielen in diesem Szenario fast keine Rolle. BP und Shell warten mit ähnlichen Ergebnissen auf.

Warum Toyota nicht an Plugin-Hybride glauben will

Doch wer soll all diese Vollhybride bauen, wenn es die deutschen Hersteller offenbar nicht tun? Auch die US-Autobauer bewegen sich beim Thema Hybrid derzeit kaum - zumal die niedrigen Benzinpreise kaum Anreiz zum Sparen bieten. Stattdessen beginnt gerade das Rennen um ein reichweitenstarkes Elektroauto.

Nur ein Hersteller setzt weiter voll auf Vollhybride - Toyota samt seiner Premiummarke Lexus. Neben dem Prius und dem Siebensitzer Prius+ bietet Toyota in Europa seinen Kleinwagen Yaris und den Kompaktwagen Auris mit dieser Technik an. In den USA sind auch größere Limousinen und das SUV-Modell Highlander als Hybride erhältlich. Als nächstes wird Toyota weltweit sein Kompakt-SUV RAV4 mit dem Zwitter-Antrieb auf den Markt bringen. "Wir wollen in allen Segmenten Hybridantriebe anbieten, mit Ausnahme der Kleinstwagen", sagte ein Unternehmenssprecher.

Mit seinem einzigen Stecker-Hybridmodell, dem seit 2012 erhältlichen Prius-Plugin, hatten die Japaner bislang keinen rauschenden Erfolg. Die Plugin-Verkaufszahlen blieben für Toyota-Verhältnisse mit weltweit knapp 20.000 Stück pro Jahr eher zaghaft. Das liegt wohl auch daran, dass die Plugin-Variante des Prius rund 8000 Euro mehr kostet als das Basismodell. Für einen herkömmlichen Vollhybriden verlangt Toyota in Europa Preise, der zwischen der Benziner- und Dieselvariante liegen.

Die strengeren CO2-Ziele der EU wird Toyota auch mit seinen Vollhybriden erreichen, da die Japaner in Europa vor allem im Klein- und Kompaktwagensegment gut aufgestellt sind. Deshalb setzen die Japaner weiter auf ihre technisch nicht mehr so anspruchsvollen, dafür aber kostengünstigen Hybridantriebe - und produzieren diesen in Massen. Die Deutschen hingegen müssen ihren Kunden deutlich teurere Plugin-Hybride schmackhaft machen.

Der Ausgang dieses Matches lässt sich noch nicht absehen. Nur eines zeichnet sich schon jetzt ab: Toyota steht bald wieder einsamer bei Vollhybriden da. Dann wird der Prius wird wieder das, was er ganz am Anfang schon mal war: Ein Exot.

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