Mittwoch, 12. Dezember 2018

Elektroautos Warum die deutschen Autobauer Teslas Batteriefabrik fürchten müssen

Der Elektroautohersteller Tesla schwingt sich zum Riesen-Batterieproduzenten auf - Deutschland hat dem nur wenig entgegenzusetzen

Der Elektroautohersteller Tesla will sich zum Riesen-Batterieproduzenten aufschwingen. Für die deutsche Autoindustrie sind Teslas Pläne riskant. Denn ausgerechnet bei der Akku-Fertigung fällt das Ingenieursland Deutschland mehr und mehr zurück.

Hamburg - Klein-Klein ist Elon Musks Sache nicht. Als der von ihm geführte Elektroauto-Hersteller Tesla Motors Börsen-Chart zeigen 2008 seinen ersten Roadster vorstellte, wurden die Kalifornier in der Autobranche noch milde belächelt. Ein Auto, das seine Energie aus tausenden Laptop-Batteriezellen schöpfte, nahmen viele in der Branche nicht ernst. Ein nettes, teures Spielzeug sei das, lautete der Tenor - aber keine ernsthafte Bedrohung für das eigene Autogeschäft.

Doch die Tatkraft des gebürtigen Südafrikaners unterschätzten viele. Denn Musk machte in den vergangenen sechs Jahren viele Dinge richtig. So heuerte er etwa hunderte Spezialisten aus der Automobilindustrie an und kaufte zum Spottpreis von 42 Millionen Dollar eine komplette Autofabrik. Innerhalb von knapp drei Jahren entwickelten die Tesla-Leute das Model S - ein Elektroauto, das mit einer Akkuladung bis zu 500 Kilometer weit kommt und hervorragende Bewertungen bei Sicherheitstests erhalten hat.

Damit die Tesla-Käufer damit auch wirklich längere Strecken fahren können, baut das Unternehmen in den USA, in Europa und künftig auch in Asien ein Netz von Schnelladestationen auf. Noch sind die Verkaufszahlen von Tesla zwar gering. 22.500 Elektrolimousinen hat Tesla im vergangenen Jahr verkauft, in diesem Jahr sollen es 35.000 werden.

Doch jetzt setzt Tesla Motors mit einem Großprojekt zum nächsten Sprung an: Die Kalifornier wollen eine riesige Batteriefabrik errichten. Zwei Milliarden Dollar will Tesla selbst in die Fabrik stecken, zwei bis drei Milliarden Dollar sollen strategische Partner aufbringen. In drei Jahren soll das Werk produzieren, ab 2020 dann mehr Lithium-Ionen-Akkus fertigen als alle heutigen Fabriken zusammen.

Hat es Tesla auf neuen Riesenmarkt abgesehen?

Mit der eigenen Riesen-Batteriefabrik dürfte Tesla aber nicht nur den Nachschub für seine eigenen Autos sichern, sondern könnte auch den Markt für stationäre Energiespeicher auf den Kopf stellen. Denn nicht nur im Energiewende-Deutschland gilt die massenhafte Speicherung von Strom, der von Windkraft- oder Solaranlagen erzeugt wird, als künftiger Milliardenmarkt.

Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas hat diese Hoffnung vor wenigen Tagen mit einer Zahl versehen. Die Speicherung von Energie verspreche einen weltweiten Markt von 1,5 Billionen Dollar Umsatz. Mit seiner Batteriefabrik, meint Jonas, könnte Tesla auf diesem Markt eine wichtige Rolle spielen.

Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Bereits jetzt bietet das US-Solarunternehmen SolarCity Börsen-Chart zeigen, das zum Imperium von Tesla-Chef Musk gehört, Tesla-Batterien als Speicher für Solaranlagen an. Künftig könnte Tesla nicht nur gebrauchte Autobatterien direkt an Solarcity weiterreichen - sondern für Tesla-Kunden auch Rundum-Sorglos-Pakete anbieten. So könnten Tesla-Fahrer etwa Solaranlagen von Solarcity leasen und den in der Garage geparkten Tesla als stationären Energiespeicher nutzen - oder die ausrangierte Batterie ihres alten Tesla-Modells im Haus weiterverwenden.

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