Montag, 20. November 2017

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Tesla gibt Patente frei Die riskante Patent-Wette des Elon Musk

Elon Musk: Keine Klagen gegen Unternehmen, die "in gutem Glauben unsere Technologie nutzen"

Tesla-Chef Musk sorgt erneut für Aufsehen. Er will Patente freigeben und zum ersten Open-Source-Unternehmen der Autoindustrie werden. Das klingt nobel, ist aber riskant. Und die Entscheidung ist auch nicht so selbstlos, wie Musk sie darstellt.

Hamburg - Im Schüren von Erwartungen ist Tesla-Chef Elon Musk kaum zu schlagen - und er versteht es wie kein Zweiter, Spannung aufzubauen. Schon Anfang Juni deutete er auf der Hauptversammlung des Elektroauto-Herstellers an, mit Teslas Patenten etwas "Bedeutsames" und "ziemlich Kontroverses" zu planen.

Nun hat Musk die Katze endlich aus dem Sack gelassen: Tesla wird zum ersten Open-Source-Unternehmen der Autobranche. Der Hersteller will seine Patente freigeben, Wettbewerber können von Tesla entwickelte Technologien künftig kostenlos nutzen. So steht es in einem Blog-Eintrag, den Musk gestern veröffentlicht hat.

Der kommt nicht ohne großen moralischen Anstrich aus. Die Freigabe der Patente sei der beste Weg, um die globalen Klimaprobleme zu lösen, argumentiert Musk ganz unbescheiden. Teslas Schritt soll die Verbreitung stromgetriebener Fahrzeuge beschleunigen. Die wahre Konkurrenz für die Kalifornier seien nämlich nicht die Elektroautos der Konkurrenz - sondern "die Flut der Wagen mit Verbrennungsmotor, die jeden Tag die Werke verlassen".

Musks Entscheidung ist aber nicht so selbstlos-weltverbessernd, wie sie der Unternehmer darstellt. Mit dem für die Branche ungewöhnlichen Schritt verfolgt Musk beinharte Geschäftsinteressen und spielt - wie so oft - volles Risiko. Ob die Open-Source-Philosophie Tesla Börsen-Chart zeigen wirklich weiterbringt, ist alles andere als sicher. Sie lässt sich sogar als Eingeständnis von Schwäche interpretieren.

Tesla braucht Verbündete, um seine Wachstumsziele zu schaffen

Als PR-Manöver hat der Schritt hingegen glänzend funktioniert. Weltweit berichten Medien mit positivem Unterton über den Patent-Rebellen Tesla. Fachleute sekundieren, dass Elektroautos durch die Ankündigung einen Schub bekommen könnten. Durch die kostenlose Nutzung von Tesla-Technologie haben andere Hersteller "keine Chance mehr, die Technologie links liegen zu lassen", meint etwa der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Genau das ist Teslas größte Gefahr. Bis 2020 will Tesla pro Jahr 500.000 Elektroautos verkaufen, im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 22.500. Um dieses Wachstum zu schaffen, muss der Elektroauto-Pionier aus seiner Hochpreis-Nische Richtung Mainstream fahren. Bereits 2016 will Tesla deshalb ein Modell auf den Markt bringen, dass weniger als die Hälfte von Teslas knapp 70.000 Euro kosten soll.

Ihre Verkaufsziele können die Kalifornier aber nur erreichen, wenn Elektroautos von Straßen-Exoten zur Selbstverständlichkeit werden. Das dürfte selbst Tesla kaum im Alleingang gelingen - sondern nur im Wettstreit mit Konkurrenten. In diesem Fall belebt Konkurrenz das Geschäft nicht nur. Sie schafft erst die kritische Masse, für die sich etwa der Aufbau von Ladeinfrastruktur lohnt.

Die Konkurrenten benötigt Tesla nicht nur als Gegenpol, sondern auch als mögliche Kooperationspartner. Denn um die Batterie und den Antriebsstrang weiter zu entwickeln und deutlich zu verbilligen, muss Tesla viel Geld für Forschung und Entwicklung ausgeben - das die Kalifornier derzeit kaum haben.

Immerhin hat Tesla in der Vergangenheit zwei gewichtige Kooperationspartner an Land gezogen: Daimler Börsen-Chart zeigen und Toyota Börsen-Chart zeigen . Die Japaner allerdings lassen ihre Zusammenarbeit mit Tesla in Kürze auslaufen. Daimler bleibt weiterhin an Tesla beteiligt - doch von gemeinsamer Forschungszusammenarbeit war bisher nicht die Rede. Nun prüft BMW Börsen-Chart zeigen Möglichkeiten einer Kooperation mit Tesla. Diese Formulierung zeigt aber, dass die Pläne noch nicht weit gediehen sind.

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