Mittwoch, 28. September 2016

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Elektromobilität Elektroautos - China nimmt neuen Anlauf

Kaufprämien, Steuererleichterungen: Welche Länder Elektroautos großzügig fördern
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REUTERS

Bisher scheiterten Chinas ehrgeizige Elektroauto-Pläne an fehlenden Standards und fehlgeleiteten Subventionen. Nun nimmt das Land neuen Anlauf. Deutsche Hersteller sind für Chinas möglichen Elektroauto-Boom gerüstet - nur in einem Bereich hapert es noch.

Peking - Gibt es in China jetzt doch noch einen Elektroauto-Boom? Lange dümpelten die Verkaufszahlen; die Subventionspolitik versank in lokalem Protektionismus, es fehlte an Standards und Infrastruktur. Nicht alle Probleme sind gelöst - doch die Dynamik in dem Sektor ist deutlich gestiegen, sowohl bei Herstellern als auch in der Politik.

Die Regierung erwäge, bis zu 100 Milliarden Yuan (rund 13 Milliarden Euro) in den Aufbau von Ladestationen für Elektroautos zu investieren, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Quellen bei den Entscheidungsträgern.

Seit diesem Monat sind Elektroautos und Plug-in-Hybride von der Kaufsteuer in Höhe von zehn Prozent des Preises ausgenommen. Kürzlich verdonnerte Peking zudem Behörden und Kommunen zum Kauf von Elektroautos und Plug-in-Hybriden: Mindestens 30 Prozent aller ihrer neuen Taxis, Lieferwagen und Busse müssen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben sein. Subventionen auf den Kauf von E-Fahrzeugen werden nun länger gezahlt als zunächst geplant, und die Städte dürfen dabei nicht mehr wie zuvor ihre einheimischen Hersteller bevorzugen.

Bis 2020 will China fünf Millionen Elektrovehikel auf der Straße haben. Ob die neuen Maßnahmen genug ziehen, um sich diesem Ziel zumindest zu nähern, ist noch offen. Aber sie werden zu einem günstigen Zeitpunkt gestartet. Der Markt gewinnt derzeit an Schwung. In den ersten acht Monaten 2014 produzierte China 25.946 Elektro- und Hybridmodelle, und damit mehr als dreimal soviele (plus 328 Prozent) wie im Vorjahreszeitraum. Im August liefen sogar elfmal soviele Elektroautos und Plug-in Hybride vom Band wie im August 2013.

Verkaufsdaten gibt es bisher nur fürs erste Halbjahr, doch auch diese Zahlen weisen steil bergauf: Von Januar bis Juni wurden nach Angaben des Verbands chinesischer Autohersteller 20.477 E-Autos und Plug-in Hybride verkauft. Das waren 220 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und bereits deutlich mehr als im Gesamtjahr 2013. Natürlich sind die Ausgangszahlen gering, doch eine derartige Wachstumsbeschleunigung ist neu.

Die Hersteller sehen bereits konkrete Effekte der staatlichen Förderung

17 einheimische Hersteller fertigen in China Elektroautosdarunter neben ernsthaften Autos auch preiswerte, winzige Vehikel mit nur ein paar Dutzend Kilometern Reichweite, die in Autostatistiken gar nicht auftauchen. Erst zwei Firmen bauen Plug-in Hybride - eine Technik, die Peking erst kürzlich mit ins Visier nahm: Plug-ins werden wie Elektroautos an der Steckdose geladen, aber besitzen zusätzlich einen Verbrennungsmotor. Herkömmliche Hybride fördert Peking nicht.

Die Hersteller sehen bereits konkrete Effekte der staatlichen Förderung. So betonte der in Sachen Elektromobilität am weitesten fortgeschrittene Batterie- und Autohersteller BYD Börsen-Chart zeigen, dass diese geholfen haben, den Absatz der eigenen Elektromodelle im ersten Halbjahr 2014 auf das Sechsfache der Vorjahresverkäufe schnellen zu lassen. BYD vertreibt den e6, ein reines Elektroauto in VW Touran-Größe - der bislang vor allem als Taxi am Firmenstandort, der südchinesischen Millionenmetropole Shenzhen, unterwegs ist - sowie die kleineren Plug-in-Hybride Qin und Tang. Die Batterien dazu fertigt BYD selbst.

Gemeinsam mit Daimler Börsen-Chart zeigen entwickelte BYD zudem das Elektroauto Denza, das noch diesen Monat auf den Markt gebracht wird. In der modernen Kompaktlimousine steckt Daimler-Autotechnologie und ein BYD-Batteriepaket. Das Auto hat eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern und schafft eine Spitzengeschwindigkeit von gut 150 Stundenkilometern. Daimler hatte zuvor nur eine begrenzte Zahl Elektro-Smarts sowie die S-Klasse als Hybridversion aus Deutschland importiert.

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