Montag, 25. Juli 2016

Umbau des ADAC ADAC-Präsident Markl bricht sein Versprechen

Hat seine Position noch mal neu reflektiert: August Markl, hier in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des ADAC Südbayern bei der Präsentation einer Sicherheitsweste für Schüler, will länger Präsident des gesamten Klubs bleiben.

ADAC-Interimspräsident August Markl will nun doch nicht abtreten, ein Plan zum Ausstieg aus dem Postbus-Geschäft wurde gestoppt. Der Umbau des Autoklubs schleppt sich mühsam dahin.

August Markl (65) zeigte sich bei seinem Amtsantritt als ehrenamtlicher ADAC-Präsident fest entschlossen. Nach den Manipulationen des Autopreises "Gelber Engel" sollte der Skandal, so der Funktionär, "vorbehaltlos und lückenlos" aufgearbeitet und der Verein samt seiner diversen Unternehmen grundlegend reformiert werden. Ausdrücklich betonte Markl, dass er nach dem Rücktritt seines Vorgängers Peter Meyer (64) im Februar nur kommissarisch eingesprungen sei. Der ADAC, ließ er wissen, "braucht an der Spitze ein neues Gesicht". Dabei erweckte er den Eindruck, sogar schon auf der kommenden Hauptversammlung Anfang Mai sein Amt an einen Nachfolger übergeben zu können.

Nun hat es sich Markl nach Informationen von manager magazin online anders überlegt: Auf Drängen seiner Kollegen im Präsidium und Verwaltungsrat will er den Vorsitz des wichtigsten ADAC-Gremiums erst einmal behalten - bis das tiefgreifende Reformprogramm zur Neuausrichtung des ADAC erfolgreich abgeschlossen sein wird.

Ein echter Neuanfang sieht anders aus. Die geplante Reform soll jetzt ausgerechnet von einem Mann voran gebracht werden, der das alte System repräsentiert: Seit 2011 gehört Markl dem Präsidium an, mithin hat auch er die intransparenten Strukturen und fehlenden Kontrollen mit zu verantworten. Entsprechend der tradierten Denke haben Markl und seine Kollegen denn auch beschlossen, dass der Umbau des Autofahrerclubs nahezu ausschließlich von ADAC-Oberen und Mitarbeitern umgesetzt werden soll. Will heißen: Genau jene, die das Wohlfühlbiotop geschaffen haben, sollen sich fortan selbst kasteien. Kein Wunder, dass sich das Vorhaben hinzieht. Ursprünglich sollten zur Hauptversammlung Anfang Mai greifbare Ergebnisse vorgestellt werden - ein illusorischer Plan, haben doch die sieben Projektgruppen erst Ende März die Arbeit aufgenommen.

Regionalverbände bremsen Geschäftsführung

Wie instabil die Machtverhältnisse im Automobilklub derzeit sind, zeigt der Streit um die Postbusse, die seit vergangenem Jahr vom ADAC und der Deutschen Post betrieben werden. Weil die gelben Überlandgefährte sehr hohe Verluste einfahren, erwägte die ADAC-Geschäftsführung - sie steuert die Unternehmen des Clubs - aus dem Joint Venture auszusteigen. Ihr entsprechender Vorschlag wurde nach Informationen von manager magazin online vom Präsidium unter August Markl noch durchgewunken. Doch der Verwaltungsrat, in dem die mächtigen Vertreter der 18 Regionalverbände sitzen, legte sein Veto ein.

Immerhin kann sich der ADAC in diesen wüsten Zeiten auf ein dickes Finanzpolster verlassen. In der jüngsten veröffentlichten Bilanz von 2012 werden die Finanzanlagen der operativ maßgeblichen ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH mit 936 Millionen Euro ausgegeben. Das allein ist schon erklecklich. Tatsächlich aber soll das Portfolio dermaßen konservativ berechnet sein, dass Markl und seine Mannschaft bei realistischer Sicht der Dinge gut über das Doppelte verfügen könnten.

So ist mehr als zweifelhaft, ob der ADAC aus sich heraus zu tiefgreifenden Reformen fähig ist. Gut möglich allerdings, dass die Führung zum Handeln gezwungen wird: Das Registergericht in München überprüft derzeit den Vereinsstatus des ADAC. Kassieren die Richter das Privileg, müsste der ADAC künftig möglicherweise deutlich mehr Steuern auf seine Mitgliedsbeiträge zahlen. Obendrein hätten sich die Münchner dann wie ein Unternehmen zu organisieren: Mit einem handlungsfähigen Aufsichtsrat und einer ordentlichen Compliance - mit all jenen Elementen, die dem ADAC bislang fehlen.

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