Mittwoch, 19. September 2018

CO2-Abgasvorgaben Europas Autobauer stellen eigene Klimaziele in Frage

Ein Volkswagen mit einem mobilen Abgas-Testgerät unterwegs

Die Europäische Autoindustrie stellt die Einhaltung der vorgeschriebenen Klimaziele für 2021 in Frage und kämpft für eine Senkung der geplanten Vorgaben für die Jahre bis 2030. "In unserer Branche herrscht große Sorge, ob wir das Ziel für 2021 erreichen, denn das wird natürlich schon kniffelig", sagte der Generalsekretär des Dachverbands Acea, Erik Jonnaert, in Brüssel. Auch deshalb müssten die längerfristigen Ziele "realistisch" bleiben.

Seit 2009 gilt in der Europäischen Union die Vorschrift, dass Neuwagen eines Herstellers spätestens 2021 im Durchschnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen dürfen. Tatsächlich lag der Wert 2017 im Schnitt bei 118,5 Gramm - mit leicht steigender Tendenz.

"Trotz der Anstrengungen, die wir als Hersteller unternommen haben, steigen die CO2-Emissionen nun zum ersten Mal", bestätigte Jonnaert. Grund sei der Abstieg des Diesels, der weniger verbraucht als Benziner. Trotzdem versuchten die Hersteller alles, die Vorgaben noch zu erreichen, zumal sonst hohe Strafen fällig würden, betonte Jonnaert.

Autoverband lehnt zugleich weitere CO2-Senkung um 30 Prozent ab

In Thailands Hauptstadt Bangkok bereiten derweil seit heute Vertreter der Vereinten Nationen ihre nächste Klimakonferenz vor. Der Gipfel soll im Dezember im polnischen Kattowitz stattfinden. Insgesamt werden mehr als 2000 Delegierte erwartet. Die oberste UN-Klimaschützerin Patricia Espinosa forderte die mehr als 190 beteiligten Nationen zu zusätzlichen Anstrengungen im Klimaschutz auf.

In Kattowitz soll die Umsetzung der Beschlüsse des Klimagipfels von Paris 2015 vorangetrieben werden. Damals hatte die Weltgemeinschaft vereinbart, die globale Erwärmung bei höchstens 2 Grad - möglichst sogar bei nur 1,5 Grad - zu stoppen, um katastrophale Folgen abzuwenden. Gemeint ist die mittlere Temperatur im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten. Die Ziele erfordern bis 2050 eine Abkehr von Kohle, Öl und Gas sowie einen Umbau der Weltwirtschaft. Die USA, als einer der größten Klimasünder, haben das Abkommen inzwischen aufgekündigt.


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Gleichwohl lehnt der Acea Pläne der EU-Kommission erneut ab, für die Jahre 2021 bis 2030 eine weitere Senkung der CO2-Werte um 30 Prozent vorzuschreiben. Zugleich warnte der Lobbyist das Europaparlament dringend davor, dieses Ziel sogar auf 50 Prozent zu erhöhen. Realistisch seien nur 20 Prozent, meinte Jonnaert. "Natürlich fühlt sich das gut an, auf dem Papier ein hohes Reduktionsziel zu haben, aber wir wollen sicherstellen, dass das, was aufgeschrieben wird, zumindest in unserer Branche auch erfüllt wird."

rei/dpa

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