Samstag, 21. Oktober 2017

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Dieselstreit eskaliert VW- und Audi-Händler fordern Millionen Schadenersatz

VW- und Audi-Händler sollen Leasing-Dieselautos nur noch mit enormen Abschlägen weiterverkaufen können und machten dabei hohe Verluste

Deutschlands VW- und Audi-Händler stellen sich auf die Seite der betrogenen Dieselkäufer. Auch sie fühlen sich in der Dieselkrise von dem Konzern im Stich gelassen. Ihre Forderungen an Volkswagen und Audi dürften sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag summieren.

Deutschlands Autohändler nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Frage geht, wer die Verantwortung für den Dieselskandal und die Folgekosten des Skandals vollumfänglich zu tragen hat. Die Autobauer selbst nämlich, wie Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), unlängst forderte. Der ZDK gilt mit 38.000 angeschlossenen Unternehmen als der wichtigste Verband der deutschen Autohändler.

Auch der VW-Händlerverband hatte Ende August Volkswagen öffentlich aufgefordert, Millionen Autos mit effektiverer Hardware nachzurüsten, um die bestmögliche Reduktion von Stickoxiden zu erreichen. Volkswagen und andere Autobauer lehnen das ab, weil diese Nachrüstung sie Milliarden kosten würde.

Nun fordern die deutschen VW - und Audi-Händler Schadenersatz, wie der Vorstandschef des Volkswagen- und Audi-Partnerverbandes, Dirk Weddigen von Knapp, dem "Spiegel" sagte. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: VW-Deutschland-Vertriebschef Thomas Zahn nannte die Kritik des Händlerverbands in der "Automobilwoche" "beispiellos und geschäftsschädigend".

Laut Knapp dürfte ein in Arbeit befindliches Rechtsgutachten den Schaden für Händler auf eine hohe zwei- bis dreistellige Millionensumme beziffern. Der Verband vertritt die Interessen der mehr als 2400 Handels- und Servicepartner der Marken VW, Audi und VW-Nutzfahrzeuge - und ist damit das Rückgrat für den Verkauf und die Wartung von Fahrzeugen an Endkunden. Auch deswegen richten sich viele Klagen von Autobesitzern gegen die Händler und nicht gegen VW direkt.

Händlerchef kann klagende Kunden gut verstehen

Verbandschef von Knapp sagte dem Bericht zufolge, er verstehe Kunden, die klagten. "Selbstverständlich ist das ein berechtigter Anspruch." Die Händler wiederum fühlten sich von Volkswagen "im Stich gelassen". Es sei aber grotesk, dass die Händler, die den Ärger der Kunden nachvollziehbar finden, vor Gericht gegen ihre klagenden Käufer kämpfen müssten. "Das ist eine perverse Situation, und sie führt dazu, dass wir diese Kunden nie mehr wiedersehen", sagte der Verbandschef.

Insgesamt habe der Handel in Deutschland 73.000 VWs weniger verkauft seit Beginn der Dieselkrise. Stoppen ließe sich das alles nur, "wenn VW endlich bereit ist, seine Kunden in der Krise anständig zu behandeln".

Der Volkswagen-Konzern zeigt sich überrascht ob des scharfen Angriffs seiner Händler. Der Partnerverband wähle unvermittelt den Weg in die Öffentlichkeit, dies sei "unverantwortlich und geschäftsschädigend für die Handelsorganisation, den Volkswagen-Konzern und seine Marken", keilt Vertriebschef Zahn laut dem Bericht zurück.

Nicht zuletzt drücke die Dieselkrise enorm auf die Wiederverkaufspreise der Selbstzünder. Beim Weiterverkauf von Rückläufern aus Leasingverträgen machten die Händler je nach Typ bis zu 3000 Euro Verlust gegenüber dem Restwert, mit dem er das Auto vor der Dieselkrise kalkuliert wurde. Der Vertriebsverantwortliche Zahn widerspricht laut "Spiegel" den Angaben, kann die Zahlen aber auch nicht widerlegen.

rei mit dpa-afx

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