Freitag, 16. November 2018

Hardware-Nachrüstungen Daimler zahlt 3000 Euro je Diesel-Nachrüstung

Autoverkehr: Hardware-Nachrüstungen für Diesel-Fahrzeuge sollen kommen - doch wer zahlt?

Vor kurzem hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einen "riesigen Aufholbedarf" der Autobranche festgestellt. Sie müssten einiges tun, um Vertrauen zurückzugewinnen. Scheuer wollte damit den Druck auf die Autohersteller erhöhen, die Kosten für Hardware-Nachrüstungen von Dieselfahrzeugen komplett zu übernehmen.

Bis zum Nachmittag saß Scheuer mit Spitzenmanagern der deutschen Autoindustrie in Berlin zusammen, und offenbar haben seine harschen Worte Wirkung gezeigt - zumindest bei einem Hersteller. Wie manager-magazin.de vor dem Spitzentreffen aus Konzernkreisen erfuhr, ist der Autohersteller Daimler Börsen-Chart zeigen bereit, die von der Politik geforderten Kosten von 3000 Euro je Hardware-Nachrüstung zu übernehmen.

Geld für Mercedes-Kunden in "Schwerpunktregionen"

Daimler bestätigte dies am frühen Nachmittag. Man sei dazu bereit, Mercedes-Benz-Kunden in "Schwerpunktregionen" mit einem Maximalbetrag von bis 3000 Euro beim Kauf einer Hardware-Nachrüstung eines Drittanbieters zu unterstützen", teilte Daimler nach dem Spitzentreffen mit. Daimler Börsen-Chart zeigen erklärte weiter, die Nachrüstung müsse vom Kraftfahrt-Bundesamt zertifiziert und zugelassen werden und nachweislich dazu berechtigen, in bestimmten Städten auch in Straßen mit Fahrverboten einzufahren. Schwerpunktregionen sind Städte, die von schlechter Luft besonders belastet sind. Bisher hatte der Konzern einen Betrag von 2400 Euro je Nachrüstung angeboten.

VW bewegt sich doch

Volkswagen Börsen-Chart zeigen hatte am Donnerstag Mittag gegenüber manager-magazin.de noch dementiert, ebenfalls den Maximalbetrag anbieten zu wollen - und angekündigt, nur 80 Prozent der von der Politik geforderten Kosten übernehmen zu wollen. Diese Position haben die Wolfsburger im Verlauf des Gipfels offenbar geändert - nun will auch Volkswagen bis zu 3000 Euro für die Diesel-Nachrüstungen zahlen, wie Daimler. Wie bei Daimler werden gilt das allerdings nur für Fahrzeughalter in den am höchsten mit Stickoxid(NOx)-belasteten Regionen.

Zudem betonte ein Sprecher des VW-Konzerns, dass VW im Rahmen eines 3000-Euro-Mobilitätsangebotes betroffenen Dieselkunden eine finanzielle Beteiligung anbieten werde, jedoch keine vollständige Kostenübernahme bei einer Hardware-Nachrüstung.

Auch Verkehrsminister Scheuer sagte am Nachmittag, dass VW und Daimler bis zu 3000 Euro für mögliche Hardware-Nachrüstungen bezahlen, also Umbauten direkt am Motor. Scheuer sagte aber, es werde noch dauern, bis die technischen Voraussetzungen für Hardware-Nachrüstungen vorlägen.

BMW lehnt Hardware-Nachrüstungen weiterhin ab

BMW lehnte Hardware-Nachrüstungen bislang komplett ab - und beteiligt sich deshalb auch gar nicht an Kosten für die Nachrüstung. Wie es nach dem Gipfel hieß, will BMW aber mit der gleichen Summe die Halter der älteren Diesel unterstützen - etwa für einen Neukauf.

Mit der Zusage der vollen Kostenübernahme tut sich Daimler aber aus einem Grund vergleichsweise leicht. Bislang ist beim Kraftfahrt-Bundessamt (KBA) noch kein einziger Antrag für die Genehmigung nachrüstbarer Bauteile eingegangen, wie Scheuer Anfang dieser Woche erklärte. Damit gibt es auch noch keine konkreten Pläne, welche Fahrzeuge wann und wie nachgerüstet werden können.

Nachrüstsysteme funktionieren im Alltagstest noch nicht einwandfrei

Mit der vollen Finanzierungszusage bei Daimler und der überwiegenden Kostenübernahme bei Volkswagen geben die Autohersteller einen großen Teil ihrer Verantwortung in dieser Frage an die Zulieferer ab. Denn sie stehen nun unter Druck, dem KBA kurzfristig einwandfrei funktionierende Hardware-Nachrüstungen zur Verfügung zu stellen.

Solche Nachrüstlösungen erfordern Umbauten am Motor und Abgasanlage und müssen zuerst vom KBA zertifiziert werden, bevor sie großflächig in Fahrzeuge eingebaut werden können. Wie lange das dauert und wann diese wirklich zur Verfügung stehen, lässt sich aktuell noch kaum abschätzen.

Ein gerade erst veröffentlichter ADAC-Zwischenbericht weckt zumindest Zweifel, ob aktuell verfügbare SCR-Nachrüstsysteme bereits serienreif sind. Drei SCR-Systeme, die Dieselabgase mit Katalysatoren und Harnstoff-Einspritzung besser reinigen sollen, testet der ADAC seit August 2018 bis Januar 2019 im Alltag. Montiert sind sie an einem Opel Astra, an einem VW Multivan und einem Fiat-Ducato, alles Dieselmodelle der Schadstoffklasse 5. Insgesamt je 50.000 Kilometer sollen die Fahrzeuge in dem Test abspulen.

Nun legte der ADAC für die ersten 10.000 Kilometer eine Zwischenbilanz vor. Laut dem Bericht senkte der Einsatz der SCR-Systeme den Stickoxid-Ausstoß an den Fahrzeugen um 60 bis 80 Prozent. Was der ADAC aber nur beiläufig erwähnt: Der Opel musste wegen eines Kühlwasserverlusts repariert werden, der auf die Nachrüstung zurückzuführen war. Im Fiat fiel das Nachrüstsystem auf den ersten 10.000 Kilometern zwei Mal zeitweise aus.

Die Lieferanten des Opel- und Fiat-Nachrüstsystems erklärten das damit, dass in den ADAC-Testwagen noch Prototypen-Nachrüstsysteme verbaut waren und versprachen, dass solche Probleme bei Großseriensystemen nicht auftreten werden. Aber es wundert so auch kaum, dass beim KBA bislang noch keine Anträge auf Genehmigung eingegangen sind. Und sobald das Amt solche Anträge erhält, wird es die Bauteile erstmal monatelang prüfen - allzu bald werden solche Nachrüstsysteme also kaum zur Verfügung stehen.

Daimler und VW dürften also erstmal einen geschickten taktischen Schachzug hinbekommen haben.

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