Montag, 20. November 2017

VW-Kontrolleure holen Motorenexpertin Ex-Opel-Entwicklungschefin Forst wird VW-Aufpasserin

Ex-Opel-Entwicklungschefin Rita Forst soll VWs Gesetzestreue überwachen

Der US-Jurist und frühere Staatssekretär Larry Dean Thompson verstärkt seine Mannschaft zur Überwachung des Volkswagen-Konzerns mit einem hochkarätigen Neuzugang. Die ehemalige Opel-Entwicklungschefin Rita Forst wechselt in Thomsons Team, wie ein Volkswagen-Sprecher bestätigte.

Forst, studierte Maschinenbauerin mit jahrelanger Erfahrung in der Motorenentwicklung, soll mit Thompsons Team darüber wachen, dass der Wolfsburger Autoriese nicht mehr gegen US-Umweltgesetze verstößt oder manipulierte Dieselmodelle verkauft. Das ist der Arbeitsauftrag des US-Juristen Thompson, der den schönen offiziellen Titel des "Compliance Monitor" trägt.

Seine Beschäftigung ist Teil des milliardenschweren Vergleichs, den der Volkswagen-Konzern mit der US-Behörden zur Beilegung der Dieselkrise geschlossen hat. Thomson soll bis April 2020 für das US-Justizministerium überprüfen, ob sich VW sich exakt an die zivil- und strafrechtlichen Vergleiche in den USA hält. Ähnliche Konstrukte gab es in der Vergangenheit bereits bei Daimler, Siemens oder der Deutschen Bank.

Der frühere US-Staatssekretär will VWs Gebahren mit einem Team von rund 60 Mitarbeitern überwachen, wie er im Juni erklärte. Auch die Konzernmarke Audi in Ingolstadt will der 72-jährige Jurist mit seinem Team überprüfen. Thompson hat dafür auch Büros in Wolfsburg bekommen, wo laut einem Bericht des Handelsblatts auch Rita Forst ihren Schreibtisch beziehen soll.

Jahrzehntelange Erfahrung in der Motorenentwicklung

Mit Forst holt sich Thompson nun technische Expertise in sein Team, das dem Vernehmen nach bislang vorrangig aus Juristen bestand. Die 62-jährige gebürtige Hessin arbeitete jahrzehntelang für General Motors und dessen damalige Tochter Opel. Mit Motoren kennt sich die Managerin bestens aus: Sie begann ihre Karriere als Motorenentwicklerin bei der Adam Opel AG, war als Projektmanagerin für GM-Motoren tätig. Vor ihrer Berufung als Opel-Entwicklungschefin im Jahr 2010 leitete sie GMs europäische Entwicklungsaktivitäten.

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Bei Opel schied sie im Jahr 2012 aus, danach wurde es ruhiger um die Technikerin, die es als eine der ersten Managerinnen in der Männerbastion Fahrzeugentwicklung ganz nach oben schaffte. Ihr öffentlichkeitswirksamster Posten war wohl die Berufung in den Aufsichtsrat des Automobilzulieferers Elring Klinger im Mai 2015.

Als VW-Aufpasserin soll sie sich dem Vernehmen nach vorrangig um technische Fragen kümmern - eine Aufgabe, für den Forster jahrzehntelange Erfahrung und Detailkenntnisse in der Motorenentwicklung mitbringt.

Die Abgas-Tricks der VW-Ingenieure dürfte Forst nachvollziehen können - allerdings könnte sie in Thompsons Team auch auf manche Einschränkung stoßen. Zwar habe seine Mannschaft vollständigen Zugang zu allen Informationen des Unternehmens, wie der Jurist im Juni erklärte. Ein paar Zugangsbeschränkungen könnte es allerdings geben, räumte er damals ein. Denn auch die US-Behörden könnten ein Interesse daran haben, dass ihm Zugang zu bestimmten Informationen verwehrt bleibt. Wann genau Forst ihren Posten antritt, ist bislang noch nicht bekannt.

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