Freitag, 24. Februar 2017

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Abgasskandal Interne Dokumente belasten Audi-Chef Stadler

Rupert Stadler: "In den USA höchst kritisch"

Interne Dokumente aus dem Jahr 2008 belasten Audi-Chef Rupert Stadler. Den Unterlagen zufolge wurde der Abgasbetrug bei Audis Drei-Liter-Dieselmotoren in der Amtszeit Stadlers generalstabsmäßig vorbereitet. Das berichtet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe.

Nach Erprobungsfahrten schlugen Audi -Techniker die "Einführung zweier Betriebsmodi" vor: Auf dem Prüfstand sollten die Stickoxide bestmöglich gereinigt werden, zu ">90%", beim normalen Fahrbetrieb dagegen nur zu "30-70%". Der geplante Betrug ist auf mehreren Schaubildern einer internen Präsentation festgehalten, die dem SPIEGEL vorliegt. Damit niemand die Brisanz der vorgeschlagenen Lösung verkennt, haben Techniker eine Zeile im Text unterstrichen: "In den USA höchst kritisch."

Im Unternehmen gab es eine langwierige Auseinandersetzung zwischen Vertriebsleuten auf der einen und Motorenentwicklern auf der anderen Seite über den Einsatz der verbotenen Motoren-Software. Festgehalten sind die Diskussionen in Protokollen und Präsentationen mehrerer hochkarätiger Arbeitskreise im Audi-Konzern. Hans-Georg Kauffeld, der Anwalt des ehemaligen Audi-Motorenentwicklers Ulrich Weiß, sagte vor Gericht, einige der Arbeitskreise seien Stadler direkt zugeordnet gewesen. Der Audi-Chef habe die entsprechenden Protokolle gekannt, berichtet der SPIEGEL.

Audi hatte Weiß nach Beginn der Dieselaffäre beurlaubt, Weiß klagt auf Weiterbeschäftigung. Nachdem sein Anwalt Kauffeld am Mittwoch vor Gericht die Dokumente vorgelegt hatte, die Stadler belasten, erhielt Weiß nach Angaben des "Handelsblatt" nun seine fristlose Kündigung.

Frank Dohmen und Dietmar Hawranek, DER SPIEGEL; soc

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