Donnerstag, 25. August 2016

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Abgasskandal Es wird ruppiger für Volkswagen, Daimler und BMW

Mercedes C-Klasse - doch nicht so sauber wie gedacht? US-Anwälte nehmen jetzt auch Daimler ins Visier und strengen ein Sammelklage gegen den Autobauer in den USA

Angeheizt durch den VW-Dieselskandal wächst das Misstrauen gegenüber deutschen Autobauern insgesamt. Das Klima wird rauer, der Umgang ruppiger. Unabhängig davon, ob Vorwürfe und Gerüchte zutreffen oder nicht, Daimler und Co. zahlen schon jetzt dafür.

Erst in der vergangenen Nacht hat die Staatsanwaltschaft in Südkorea die VW-Zentrale in Seoul durchsuchen lassen. Die Ermittler stellten Computer-Festplatten, Dokumente sowie E-Mails an die Konzernleitung in Deutschland sicher, berichtet die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Staatsanwälte.

Volkswagen soll in dem asiatischen Land Anordnungen nicht befolgt und nur mangelhafte Rückrufpläne für mehr als 125.000 Diesel-Autos eingereicht haben. Der Aktion war im Januar eine Strafanzeige gegen den Geschäftsführer von Audi Volkswagen Korea vorausgegangen.

Nicht nur im Ausland, wo Volkswagen vor allem in langwierigen Verhandlungen mit der US-Umweltbehörde EPA um eine Lösung des Abgasskandals ringt, hat der Konzern zu kämpfen. Der Diesel-Skandal könnte die Wolfsburger jetzt auch im eigenen Land einholen - und dazu führen, dass die zurückgestellten 6,7 Milliarden Euro für den Abgasskandal womöglich nicht reichen.

Wo die Bundesregierung sich nicht nur von Verbraucherschützern dem Vorwurf eines viel zu laxen Umgangs mit Europas größtem Autobauer ausgesetzt sieht, nehmen jetzt US-Kanzleien das Heft des Handelns in die Hand und wollen Sammelklagen auch für deutsche Besitzer manipulierter Diesel-Autos organisieren. Mögliche Entschädigungen von bis zu 2,5 Milliarden Euro stehen im Raum.

Die nicht ganz uneigennützig handelnden US-Anwälte scheinen sich ihrer Sache ziemlich sicher zu sein. Das finanzielle Prozesskosten-Risiko sollen in erster Linie Prozessfinanzierer tragen. So könnte der US-Sammelkläger Michael Hausfeld Klagen und Verfahren bis zu zehn Jahre lang durchhalten, droht er in Richtung Wolfsburg.

Nun, da klar ist, dass Volkswagen-Diesel-Autos in den USA nur unter dem Einsatz einer geheim gehaltenen Betrugssoftware die vorgegebenen Abgaswerte erreichten, wächst das Misstrauen gegen andere deutsche Autobauer:

Auch bei Daimler hegen Anwälte den Verdacht der Abgasmanipulation. Weil der Stickoxid-Ausstoß bestimmter Diesel-Modelle die US-Vorschriften bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius um das 65-fache überschreite, haben Anwälte in den USA jetzt auch eine Sammelklage gegen Daimler eingereicht.

Der Konzern bestreitet die Vorwürfe entschieden. Auch bestreitet Daimler den Einsatz einer speziellen "Defeat Device" genannten Software, wie sie bei Volkswagen-Autos verbaut wurde, um bei Emissionstests zu tricksen. Die US-Umweltbehörde EPA hat Daimler bislang keine Manipulationen vorgeworfen.

Unabhängig davon, ob der Verdacht zutrifft oder nicht, Daimler kosten die Vorwürfe jetzt schon Geld: Zum einen weil der Konzern hochbezahlte Juristen und Strategen in den USA in Stellung bringen muss. Zum anderen weil bereits allein der Verdacht Vertrauen und damit Kapital vernichtet: An der Börse verlor die Aktie von Daimler Börsen-Chart zeigen am Freitag in der Spitze mehr als 4 Prozent.

Vermutlich ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis findige US-Anwälte auch BMW ins Visier nehmen. BMW sah sich Ende 2015 nach einem Bericht von "Frontal 21" ebenfalls dem Verdacht ausgesetzt, eine Schummel-Software einzusetzen.

Tests und Messungen der Berner Fachhochschule im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe hatten bei einem BMW 320d fast drei Mal so hohe Stickoxid-Werte ergeben wie im normierten Test auf dem Prüfstand - aus Sicht der Experten sei dies höchst erklärungsbedürftig. Auch BMW dementierte nach Kräften, aber der Verdacht steht erst einmal im Raum

rei mit Nachrichtenagenturen

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