Samstag, 22. Juli 2017

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Abgasskandal - Staatsanwalt weitet Ermittlungen aus Dieselgate erreicht Audi

Audi-Chef Rupert Stadler: Im Abgasskandal weitet die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Audi aus

Die Münchener Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen beim Autobauer Audi Börsen-Chart zeigen wegen mutmaßlichen Abgas-Betrugs ausgeweitet. Einbezogen würden nun auch Fahrzeugverkäufe in Deutschland und Europa, nicht mehr nur wie bisher in den USA, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag. Die Behörde geht bei ihren Ermittlungen dem Verdacht des Betrugs und der strafbaren Werbung nach. Konkrete Beschuldigte gibt es weiter nicht.

Anlass der neuen Ermittlungen ist der am Donnerstag geäußerte Vorwurf des Bundesverkehrsministeriums, Audi habe in etwa 24.000 Oberklassewagen vom Typ A7 und A8 eine illegale Software eingesetzt. Die Staatsanwaltschaft habe von den Behörden aber noch keine Unterlagen dazu erhalten, sagte der Sprecher.

Spiegel: Audi-Chef Stadler droht Ablösung

Der "Spiegel" berichtete am Freitag, Volkswagen-Chef Matthias Müller und VW-Aufsichtsräte seien wegen der neuen Erkenntnisse im Dieselskandal sauer auf den Audi-Chef. "Wir werden über diesen Vorgang mit Herrn Stadler im Aufsichtsrat zu reden haben", zitierte das Nachrichtenmagazin einen nicht genannten Vertreter der Arbeitnehmerseite. Stadler müsse nun mit einer raschen Ablösung rechnen. Audi äußerte sich nicht zu dem Bericht.

Volkswagen wird seit September 2015 vom Abgasskandal erschüttert, der den Wolfsburger Konzern bereits etliche Milliarden Euro gekostet hat. Erstmals steht nun auch der A8 im Visier und damit das Flaggschiff der Ingolstädter VW-Tochter.

Audi zufolge wurde bei eigenen Untersuchungen von Autos vom Typ A7 und A8 der Modelljahre 2010 bis 2013 mit V6-und V8-Motoren nach Abgasnorm Euro-5 überhöhte Stickoxidwerte festgestellt. Diese hätten in bestimmten Situationen zwischen 20 und 100 Prozent über dem Grenzwert gelegen. Die Unregelmäßigkeiten seien dem Kraftfahrt-Bundesamt angezeigt worden. Von den betroffenen Fahrzeugen sind etwa 14.000 in Deutschland zugelassen. Der Oberklassehersteller kündigte einen Rückruf an, bei dem eine neue Getriebesoftware aufgespielt werden soll.

Audi-Vorstandsetage bereits im März durchsucht

Bei ihren Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft im März bereits die Vorstandsetage von Audi Börsen-Chart zeigen , die VW-Zentrale in Wolfsburg und die vom Konzern mit der Aufklärung beauftragte Kanzlei Jones Day durchsucht. Gegenstand der Untersuchungen war bis dahin der Verkauf von rund 80.000 Autos, die mit von Audi entwickelten großen 3-Liter-Dieselmotoren ausgerüstet sind und auf dem US-Markt in den Jahren 2009 bis 2015 veräußert wurden.

Der Verdacht lautet, dass "technische Vorrichtungen zur Manipulation von Abgaswerten" in diese Fahrzeuge eingebaut sind. Die Ingolstädter VW-Tochter hatte in den USA den Einsatz von Schummel-Software in großen Dieselmotoren eingeräumt.

Illegale Abschalteinrichtung auch in Europa eingesetzt?

Der Fall ist für Volkswagen brisant. Denn mit der Ausweitung der Ermittlungen bei Audi rückt die Frage stärker in den Mittelpunkt, ob die VW-Tochter eine illegale Abschalteinrichtung in Europa verwendet hat. Während VW in den USA die Verwendung einer solchen Software zugegeben hat, vertritt der Konzern hierzulande eine andere Position. Nach europäischem Recht ist die in VW-Motoren vom Typ EA 189 enthaltene Software nach Meinung der Wolfsburger keine unzulässige Abschalteinrichtung.

Die Abgasmanipulation bei Volkswagen hat den Dieselantrieb insgesamt in Verruf gebracht und Untersuchungen auch bei anderen Herstellern ausgelöst. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sagte in Berlin: "Ich erwarte von allen Herstellern, dass sie sich ehrlich machen." Diese müssten die Grenzwerte einhalten und ihre technologische Kompetenz nicht auf Tricksereien konzentrieren. Sie erwarte, dass Autos, bei denen Grenzwertverletzungen nachgewiesen worden seien, auf Kosten der Hersteller nachgerüstet würden.

VW wird seit 2015 vom Abgasskandal erschüttert, der dem Wolfsburger Konzern bereits etliche Milliarden Euro gekostet hat. Erstmals steht nun auch der A8 im Visier, der das Flaggschiff der Ingolstädter ist und in der günstigsten Variante aktuell 84.000 Euro kostet.

Von den jetzigen Enthüllungen sind laut Ministerium Wagen betroffen, die zwischen 2009 und 2013 gebaut wurden. Etwa die Hälfte sei in Deutschland verkauft worden. Den Angaben zufolge erkennt eine Software, ob das Auto auf einem Prüfstand steht. Werde die Lenkung um mehr 15 Grad eingeschlagen, erhöhten sich die Emissionen.

Minister Dobrindt fordert Rückruf der betroffenen Autos

Das vom CSU-Politiker Alexander Dobrindt geleitete Ressort erklärte, VW-Konzernchef Matthias Müller sei wegen des Falls bereits am Donnerstag im Ministerium gewesen. Die Aufseher fordern einen Rückruf der Autos und verlangen bis zum 12. Juni Vorschläge, wie der Hersteller weiter vorgehen will.

Audi zufolge soll die Softwareaktualisierung, die eine halbe Stunde dauert, im Juli beginnen. "Audi wird auch weiterhin vollumfänglich mit den Behörden und dem Kraftfahrtbundesamt zusammenarbeiten und entschuldigt sich bei seinen Kunden für die Unannehmlichkeiten und setzt alles daran, die gefundenen Auffälligkeiten so schnell als möglich zu korrigieren", erklärte das Unternehmen.

Lange Aufarbeitung des Skandals

Audi hatte Aktionäre bereits darauf vorbereitet, dass sich die Bewältigung des Dieselskandals noch lange hinziehen wird. "Der Weg des Aufarbeitens ist noch lange nicht abgeschlossen", sagte etwa Vorstandschef Rupert Stadler im Mai auf der Hauptversammlung. Das Unternehmen müsse Vertrauen zurückgewinnen.

Behörden, Kunden und Investoren haben Audi und VW illegale Täuschungen und Intransparenz bei der Aufklärung vorgeworfen. So durchsuchte die Staatsanwaltschaft die Vorstandsetage von Audi, die VW-Zentrale in Wolfsburg und die vom Konzern mit der Aufklärung beauftragte Kanzlei.

Stadler selbst sah sich in der Affäre mit Kritik konfrontiert, er habe bei der Aufklärung keine glückliche Figur abgegeben. Er erhielt jedoch wiederholt Rückendeckung des Kontrollgremiums und von VW. Am Tag vor der Hauptversammlung verlängerte der Audi-Aufsichtsrat Stadlers Vertrag um fünf Jahre bis 2022.

la/dpa/reuters

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