Montag, 11. Dezember 2017

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Zentrales Argument der Autoindustrie wankt Dieselautos sind laut Studie klimaschädlicher als Benziner

Auspuff eines Audi A7 Sportback mit V6 Dieselmotor

Ohne verbrauchsarme Diesel-Autos wird Deutschland seine Klimaschutz-Ziele nicht erreichen - mit diesem Argument kämpft die Autoindustrie derzeit für die Zukunft des im Abgasskandal in Verruf geratenen Antriebs. Doch nun das: Der Selbstzünder sei sogar klimaschädlicher als Benziner, behauptet die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E).

Dieselfahrzeuge produzieren während ihrer gesamten Lebensdauer knapp 10 Prozent mehr klimaschädliches CO2 als Benziner, so die Untersuchung. Insgesamt gehe es um über 3,6 Tonnen Kohlendioxid, teilte die Organisation am Montag mit.

Gründe seien die energieintensivere Produktion des Dieselkraftstoffs, die aufwendigere Produktion der Dieselmotoren sowie höhere Emissionen des beigemischten Biodiesels. Auch höhere Fahrleistungen wegen des günstigeren Kraftstoffs spielen eine Rolle. T&E veranschlagt, dass Diesel-Autos etwa 4 Prozent mehr Kilometer gefahren werden als wenn es den Steuervorteil nicht gäbe.

Die Organisation widersprach damit der Einschätzung der Autoindustrie, Diesel-Autos würden für die Einhaltung der Klimaziele benötigt. Tatsächlich seien die Unterschiede beim CO2-Ausstoß von Dieselfahrzeugen und Benzinern zu vernachlässigen. Hybridfahrzeuge dagegen stießen 20 bis 25 Prozent weniger Kohlendioxid aus.

Die deutschen Autobauer wollen am Diesel vorerst festhalten. Für die Klimaziele 2020/21 sei dieser Antrieb unverzichtbar und klar notwendig, sagte etwa BMW -Chef Harald Krüger erst kürzlich.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) widersprach den Aussagen von T&E. Die höhere Fahrleistung eines Diesel habe damit zu tun, dass er eben besonders viel auf längeren Autobahn-Fahrten zum Einsatz komme. "Die Fahrleistung muss erbracht werden", sagte ein VDA-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. Keineswegs animiere der Diesel-Steuervorteil Fahrer zu Reisen, die sie ohne ihn nicht antreten würden. Im Schnitt stoße ein Diesel-Fahrzeug 15 Prozent weniger Kohlendioxid aus als ein vergleichbarer Benziner auf derselben Strecke.

Laut T&E hat der Diesel in Europa einen Anteil von rund 50 Prozent. In den USA dagegen liegt der Dieselanteil nur bei einem Prozent, in China bei 2. Ein Grund für den Erfolg in Europa sei die günstigere Besteuerung. Bei den CO2-Grenzwerten müssten die Hersteller großer und schwerer Diesel-Fahrzeuge zudem laschere Vorgaben erfüllen.

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"Die T&E-Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Diesel keinen Beitrag zum Klimaschutz leistet", erklärte Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim ökologischen Verkehrsclub VCD. "Trotzdem halten Politik und Autoindustrie dieses Argument wie ein Mantra hoch."

Es gebe keinen umweltpolitischen Grund, den Diesel steuerlich und abgasrechtlich zu bevorteilen. Auch der Naturschutzbund Deutschland rief dazu auf, mit dem "Mythos" vom klimafreundlichen Dieselaufzuräumen.

Umgekehrt betrachtet zeigt die Studie allerdings nicht nur eine mögliche Schwäche des Diesel-Motors. Vielmehr wirft sie auch ein Schlaglicht auf die erheblichen Effizienzgewinne, mit denen die Autobranche zuletzt den Ottomotor verbessert hat.

nis/dpa-afx

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