Samstag, 18. August 2018

Wann wusste Diess vom Milliarden-Risiko? FBI-Dokumente sollen VW-Chef belasten

Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess

Volkswagens neuer Konzernchef Herbert Diess hat sich zwar schon oft für die Konzernverfehlungen im Dieselskandal entschuldigt. Doch persönlich galt der einstige BMW-Manager dabei bislang als untadelig. Diess wechselte im Juli 2015 zu den Wolfsburgern, sechs Wochen bevor der Skandal um manipulierte Dieselmotoren öffentlich wurde.

Nun bringt ein Bericht der "Bild am Sonntag" (BamS) Diess unter Druck, in dem es um das sechswöchige Zeitfenster zwischen seinem Amtsantritt als Volkswagen-Markenvorstand und dem Ausbruch der Dieselkrise am 18. September 2015 geht. Diess soll früher als bislang bekannt von der wahren Dimension des Dieselskandals erfahren, Anlegern diese Information aber verschwiegen haben. Damit könnte er sich der Marktmanipulation schuldig gemacht haben, so die Zeitung.

Die BamS beruft sich dabei auf vertrauliche Dokumente der US-Bundespolizei FBI, die der Zeitung exklusiv vorliegen sollen. Dazu zählen auch Unterlagen für eine VW-interne Präsentation, die der VW-Manager Oliver Schmidt vor dem damaligen Konzernchef-Chef Martin Winterkorn und VW-Markenchef Diess gehalten haben will. Auf Schmidts Folien sollen auch Schätzungen zu den möglichen Kosten der Dieselmanipulationen enthalten sein. Bei 482.000 betroffenen Dieselfahrzeugen in den USA sei eine Maximalstrafe von 18 Milliarden Dollar zu erwarten, hieß es laut BamS darin.

Schmidt wurde in den USA wegen seiner Mitwirkung am Dieselskandal zu sieben Jahren Haft verurteilt und sitzt im Gefängnis. In seiner FBI-Vernehmung hatte Schmidt erklärt, den damaligen VW-Markenchef Diess bereits am 25. August 2015 vor den teuren Folgen des Dieselskandals gewarnt zu haben - mit jener Präsentation, deren Unterlagen der BamS vorliegen.

VW bestreitet, dass über Maximalstrafen gesprochen wurde

Wenn sich Schmidts Aussage beweisen lässt, dass er die VW-Führungsriege bereits im August 2015 über die drohenden Milliardenstrafen informiert hat, könnte Diess ein gröberes Problem bekommen. Denn Diess wäre - wie auch andere VW-Vorstandsmitglieder verpflichtet gewesen, umgehend die VW-Aktionäre über die drohenden Strafzahlungen im Milliardenbereich zu informieren. Hat er das unterlassen, könnte er sich der Marktmanipulation schuldig gemacht haben.

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VW bestätigte gegenüber der BamS, dass sich Diess und Schmidt am 25. August 2015 getroffen haben. Allerdings ging der Konzern damals von deutlich geringeren Strafzahlungen aus. "Sofern Herr Schmidt überhaupt den gesetzlichen Maximalstrafrahmen erwähnt haben sollte, hat er jedenfalls nicht erklärt, dass mit konkreten Strafzahlungen in dieser Höhe zu rechnen sei", erklärte ein VW-Sprecher gegenüber der BamS.

Der Konzern bestreitet also, dass es bei dem Treffen zwischen Diess und Schmidt bereits über mögliche Maximalstrafen gesprochen wurde - und Diess damit keine Informationen gegenüber der Öffentlichkeit zurückgehalten hat. Anlegeranwälte dürfte der BamS-Bericht nützen: Sie können so ein weiteres Puzzlestück zu jenem Bild hinzufügen, dass sie vom VW-Konzern vor Gericht zeichnen wollen - wenn sie der Quelle BamS und deren angeblichen Zugriff auf vertrauliche FBI-Akte trauen.

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