Freitag, 28. Juli 2017

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Abgasskandal Die Luft wird dünn für Daimler

Daimler-CEO Dieter Zetsche

Dass nicht nur Volkswagen bei den Abgaswerten trickste, wird schon lange vermutet. Jetzt erhärtet sich offenbar auch der Verdacht der Staatsanwaltschaft gegen Mercedes. Die wichtigsten Fragen zur Daimler-Krise im Überblick.

Warum ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Daimler?

Die Ermittler erheben den Verdacht, der Autohersteller habe fast ein Jahrzehnt lang Fahrzeuge mit einem unzulässig hohen Schadstoffausstoß verkauft, berichteten die "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR am Donnerstag. Das gehe aus einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Stuttgart hervor, der Grundlage für eine Razzia vor wenigen Wochen bei Daimler und anderen Firmen gewesen sei. Insgesamt seien mehr als eine Million Fahrzeuge betroffen, die von 2008 bis 2016 in Europa und den USA verkauft worden seien.

Konkret gehe die Behörde demnach dem Verdacht nach, dass zwei Motorenreihen eine unzulässige Abschalteinrichtung enthielten. Damit sei die Schadstoffreinigung bei den offiziellen Messungen der Behörden auf einem Prüfstand ein- und auf der Straße weitgehend ausgeschaltet worden.

In einem Durchsuchungsbeschluss hieß es, Daimler habe die unzulässige Abschalteinrichtung entgegen den Vorschriften dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) als Genehmigungsbehörde nicht offengelegt. Die Autos und Kleintransporter mit den Sechs- und Vierzylindermotoren OM 642 und OM 651, die in verschiedenen Modellen des Konzerns mit unterschiedlichen Leistungsstufen verbaut werden, seien wegen der Abschalteinrichtungen auf dem europäischen Markt nicht zulassungsfähig gewesen.

Bereits Ende März hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart bekannt gegeben, Ermittlungen gegen Daimler aufgenommen zu haben.

Gab es bei Dieselautos von Mercedes bereits Auffälligkeiten?

Das Verkehrsministerium hatte infolge des VW-Abgasskandals 53 Dieselmodelle verschiedener Marken auf ihren Stickoxidausstoß testen lassen. Bei diesen Nachmessungen waren etwa die Hälfte aller Fahrzeuge auffällig - darunter auch Autos des Daimler-Konzerns wie die Mercedes V-Klasse mit 2,1-Liter-Motor, aber auch Massenmodelle wie A- oder B-Klasse mit 1,5-Liter-Motor.

Im Zuge dessen mussten mehrere deutsche Hersteller 630.000 Autos in Europa zurückrufen, es handelte sich dabei um einen sogenannten freiwilligen Rückruf. 250.000 Mercedes-Autos waren betroffen, bei vielen Fahrzeugen hatte der Hersteller die Abgasreinigung so eingestellt, dass sie erst ab bestimmten Außentemperaturen arbeitete - häufig erst oberhalb von zehn Grad.

Immer wieder waren Daimler-Modelle bei Messungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auffällig, zuletzt bei einem Test bei winterlichen Temperaturen. Im realen Straßenbetrieb bei minus fünf bis plus 16 Grad stammten zwei der drei größten Abgassünder von Daimler: die Mercedes B-Klasse 180 d und der Mercedes C220 d. 16 Fahrzeuge wurden insgesamt auf ihren Stickoxidausstoß untersucht.

Daimler hatte zuletzt massiv in saubere Dieseltechnologie investiert. So schnitt beim Wintertest der DUH die Mercedes E-Klasse 200d der neuen Motorengeneration (654) zusammen mit einem Audi A5 2.0 TDI am besten ab. Sie unterschritten den gesetzlich vorgeschriebenen EU-Grenzwert von 80 mg NOx/km mit 43 beziehungsweise 40 Milligramm deutlich. Ein Beleg, dass eine wirksame Abgasreinigung auch bei winterlichen Temperaturen möglich ist.

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