Mittwoch, 7. Dezember 2016

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VW sucht große Lösung im Abgas-Skandal Volkswagen ringt mit US-Behörden um Umweltfonds

Kommt VW einer Lösung des Abgas-Skandals in den USA langsam näher?

VW verhandelt mit US-Behörden über die Auflage zweier Umweltfonds. Das Geld könnte dem Ausbau eines klimafreundlichen Personenverkehrs und dem Ausbau der Elektromobilität in den USA dienen. Der Deal könnte helfen, eine milliardenschwere Klage beizulegen, hofft VW offenbar.

Die Verhandlungen um eine Lösung des VW-Abgas-Skandals in den USA ziehen sich hin. Viel Zeit bleibt Volkswagen zumindest mit Blick auf die zu reparierenden Autos nicht mehr. Der Konzern strebt jetzt offenbar eine Gesamtlösung an, die auch einen Großteil der Strafen mit abbildet, wie Nachrichtenagenturen am Donnerstagabend unter Berufung auf Insider und einen hochrangigen Manager berichten.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, Volkswagen verhandle mit den US-Behörden in diesem Zusammenhang über die Einrichtung zweier Umweltfonds und den Bau einer Fabrik für Elektroautos. Einer der Fonds, verwaltet von der US-Umweltbehörde EPA, solle zugunsten von klimafreundlichem Personenverkehr US-weit aufgelegt werden, der andere zugunsten emissionsfreier Fahrzeuge im Staat Kalifornien.

Die Einigung mit der Umweltbehörde könnte dem Autobauer helfen, eine milliardenschwere Zivilklage des US-Justizministeriums wegen Verstößen gegen Umweltgesetze beizulegen. Die Strafe könnte dann womöglich geringer ausfallen.

Erik Gorden, Wirtschaftsprofessor der Uni Michigan, beurteilt das nicht so optimistsch. Die Fonds würden vermutlich nur einen Teil von Volkswagens Problemen und Verbindlichkeiten in den USA lösen helfen. "Sie sind aber das erste klare Signal, dass das Unternehmen bereit ist, ernsthaft zu verhandeln", sagte er Bloomberg.

Aufbau von Elektro-Ladestationen in den USA denkbar

Im Januar hatte das US-Justizministerium eine Zivilklage im Auftrag des Umweltamts EPA gegen VW eingereicht, die eine Höchststrafe von 46 Milliarden Dollar vorsieht. Ob die diskutierten Umweltfonds der Schlüssel sind, um einen günstigeren Vergleich zu schließen, ist unklar. Den Agenturberichten zufolge, hofft Volkswagen dies offenbar.

Nach Informationen von manager magazin online aus Konzernkreisen seien die Umweltfonds eine Idee der US-Behörden. Details dazu lägen noch nicht auf dem Tisch und insofern sei noch nicht einschätzbar, ob eine Fondslösung die langwierigen Verhandlungen tatsächlich beschleunigen und zu einem besseren Ende für VW führen könne.

Als Kompensation für entstandene Schäden verhandelt Volkswagen offenbar auch einen möglichen Beitrag des Konzerns zum Ausbau der Elektromobilität in den USA - etwa durch Investitionen in ein Netz von Ladestationen. Der Bau einer Fabrik für E-Autos, wie ihn die US-Behörden eingefordert hätten, sei dagegen vom Tisch, zitiert Reuters einen Insider.

Volkswagen will einen möglichst großen Teil der manipulierten Autos reparieren. Fahrzeuge, bei denen dies nicht möglich ist, will der Konzern früheren Angaben zufolge zurückkaufen. Insgesamt sind in den USA fast 600.000 Dieselautos von dem Skandal betroffen.

Dass VW bis zum Ablauf der Frist am 24. März eine Einigung mit den US-Behörden erzielt, gilt aber als unwahrscheinlich. Da ein Software-Update zur Beseitigung der Manipulationen den Behörden ebenso wenig reiche wie der Einbau eines neuen Katalysators, werde laut Verhandlungskreisen die "große" Lösung über die Fonds diskutiert.

rei mit Nachrichtenagenturen

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