Donnerstag, 28. Juli 2016

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Sparplan bei Volkswagen VW-Chef Winterkorn legt erste Details für Rosskur offen

Volkswagen: Winterkorns Sparschock, Piëchs Reich
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DPA

Weniger Leiharbeiter, weniger Modelle, weniger Sonderausstattungen: VW-Chef Martin Winterkorn hat Details offengelegt, wie er die Kosten um fünf Milliarden Euro senken will. Den US-Markt macht Winterkorn praktisch zur Chefsache. Der Betriebsrat legt unterdessen sein eigenes Sparprogramm für VW vor.

Wolfsburg - Das Effizienzprogamm, mit dem Volkswagen die Kosten um fünf Milliarden Euro senken will, wird möglicherweise Arbeitsplätze kosten. "Wir haben gegenüber der Produktivität von Kernwettbewerbern noch Nachholbedarf", sagt VW-Chef Martin Winterkorn in einem Interview mit dem SPIEGEL. Der Wolfsburger Autokonzern werde zwar "kein Stammpersonal abbauen". Aber "vielleicht werden wir weniger Leiharbeiter einsetzen", so Winterkorn. manager magazin hatte bereits im August ausführlich über die geplante Rosskur bei Volkswagen berichtet.

Sparen will der VW-Chef auch dadurch, dass er die Komplexität verringert. So will er die Zahl der Modellvarianten reduzieren. "Es wird nicht jedes Modell einen Nachfolger bekommen", sagte Winterkorn im Gespräch mit dem SPIEGEL. "Unser Volkswagen-Cabrio Eos steht ernsthaft auf dem Prüfstand". Auch bei den Sonderausstattungen soll die Vielfalt begrenzt werden. Volkswagen will keine Extras mehr anbieten, die in weniger als fünf Prozent der Autos eingebaut werden.

Künftig will der VW-Konzern auch nicht mehr so viele Teile selbst produzieren. "Wir müssen überlegen, ob wir manche Teile sinnvollerweise von Lieferanten beziehen, beispielsweise die Bremsscheiben", sagte Winterkorn. Man werde dafür aber im Werk Braunschweig, wo die Bremsscheiben gefertigt werden, "ein anderes technisch innovatives Produkt herstellen".

Winterkorn macht US-Geschäft praktisch zur Chefsache

Winterkorn räumte in dem SPIEGEL-Gespräch auch Versäumnisse in den USA ein. Man habe den in den USA gebauten US-Passat "nicht genug gepflegt", so Winterkorn. Die zuständigen Manager hätten "auf meinen Schreibtisch springen müssen" und sagen müssen, der US-Passat müsse aufgewertet werden. Dies sei jedoch nicht geschehen. Deshalb habe VW jetzt eine neue Führungsmannschaft in den USA. "Auch mein persönlicher Fokus ist wieder mehr auf die USA gerichtet", so Winterkorn.

Allzu viel Zeit, um in den USA das Ruder herumzureißen, bleibt Winterkorn nicht - es sei denn, der Vertrag des VW-Vormanns wird noch einmal verlängert. Der Vertrag des 67jährigen VW-Chefs läuft bis Ende 2016. "Ich wäre dann 69, eigentlich alt genug, um aufzuhören", so Winterkorn.

Betriebsrats-Chef Osterloh: "Tragen das Effizienzprogramm im Kern mit"

Der VW-Betriebsrat will sich das milliardenschwere Sparprogramm jedoch nicht vom Vorstand diktieren lassen. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat dem VW-Chef auf der jüngsten Betriebsratsversammlung vor den Augen von rund 15.000 Mitarbeitern einen Ordner mit 400 Seiten überreicht, auf denen die VW-Mitarbeiter selbst aufgeschrieben haben, wie die Strukturen und Prozesse im Konzern verbessert werden können.

"Die besten Berater im Unternehmen sind die Mitarbeiter und das Management", sagte Osterloh mit einem Seitenhieb auf den umstrittenen Einsatz der Unternehmensberatung McKinsey bei VW. Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte am Wochenende über Osterlohs Vorstoß berichtet.

Mitarbeiter und Betriebsrat kritisieren in dem Papier unter anderem den "Wildwuchs" an Modellvarianten. Auch die "teure Parallelentwicklung einzelner Marken" will der Betriebsrat laut "FAZ" unterbinden. Ein wichtiger Baustein sei auch eine bessere Produktplanung auf dem US-Markt: Die Modellpolitik in den USA sei laut Osterloh eine "Katastrophenveranstaltung" gewesen

Ebenso wie Winterkorn spricht Osterloh nicht von einem "Sparprogramm", sondern stets von einem "Effizienzprogramm". Gleichwohl räumt der Betriebsratschef ein, dass bei Volkswagen vieles korrigiert und verbessert werden müsse: "Das Effizienzprogramm wird im Kern gemeinsam getragen. Im Detail werden wir streiten", sagte Osterloh. An der Belegschaft sei nach Auffassung des Betriebsrats jedoch nicht zu sparen: "Wir bringen keine Opfer", sagte Osterloh.

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