Montag, 26. September 2016

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Henning Kagermann "Elektroauto-Markt wächst exponentiell, nicht linear"

BMW i3: Bis Ende 2014 soll 16 Elektroauto-Modelle in Deutschland erhältlich sein

Henning Kagermann bleibt dabei: 2020 fahren eine Million Elektroautos in Deutschland, sagt der Ex-SAP-Chef und oberste deutsche Elektroauto-Lobbyist.  Ein Gespräch über gründliche Marktvorbereitungen, steigende Zulassungszahlen - und unkonventionelle Fördermaßnahmen.

mm: Herr Kagermann, am 1.1.2013 waren in Deutschland gerade mal 7114 reine Elektroautos registriert. Bis 2020 sollten laut den Plänen der von ihnen geleiteten nationalen Plattform Elektromobilität eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Ist dieses Millionenziel überhaupt noch zu schaffen?

Kagermann: Wir sind gut unterwegs, und es gibt keinen Grund, das Ziel in Frage zu stellen.

mm: In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 4000 Elektroautos zugelassen, in den USA waren es fast 53.000. Ziehen andere Nationen an Deutschland vorbei?

Kagermann: Wir setzen auf eine gründliche Marktvorbereitung und haben unsere Voraussetzungen schon sehr gut verbessert. Zwar sind in Frankreich und den USA etwas mehr Elektroautos auf den Straßen. Aber auch deren Zulassungszahlen bleiben hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Das zeigt, dass gründliche Vorbereitung sehr wichtig ist. Und der Aufbau gelingt nicht linear, sondern exponentiell. Im nächsten Jahr ist eine Vielzahl von Elektroautomodellen erhältlich - nicht nur von deutschen, sondern auch von ausländischen Herstellern. Wenn die Auswahl größer ist, wird die Zulassungszahl sprunghaft in die Höhe gehen.

mm: Wird sie das tatsächlich? Opel spendiert seinem Kleinwagen Adam nun doch keinen Elektroantrieb, Audi Börsen-Chart zeigen hat Pläne für Elektroauto-Versionen des Kleinwagens A1 und für den Sportwagen R8 aufgegeben…

Kagermann: Die deutschen Hersteller haben ihre Elektroautopläne nicht verschoben. Audi hat die Strategie angepasst und geht in Richtung Volumenmodell: Statt eines R8-Elektrosportwagens bringt Audi den A3 als Plugin-Hybrid heraus. Den Stückzahlen kommt der Schwenk zum Kompaktauto zu Gute.

mm: Während Nissan Börsen-Chart zeigen oder der US-Hersteller Tesla Börsen-Chart zeigen bereits tausende Elektroautos verkauft haben, gibt es nach wie vor kaum Modelle deutscher Hersteller. Haben die Deutschen Hemmungen, in diesen Markt wirklich einzusteigen?

Kagermann: Nein, alle sehen die Chancen. Risiken sind da, wenn man unzureichend vorbereitete Märkte subventioniert oder in der Qualität nachlässig wird. Deshalb ist unsere auf gründliche Vorbereitung setzende Strategie richtig. Die NPE war von 15 deutschen Modellen bis Ende 2014 ausgegangen - 16 werden es Stand heute sein. Wir kommen also schneller voran als noch 2012 angenommen. Die Ausstellung und die Probefahrten auf der Internationalen Konferenz Elektromobilität am Alexanderplatz geben dafür ein Gefühl - das ist keine Zukunftsmusik mehr.

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