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21.05.2013
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Continental-Großaktionär
Familie Schaeffler will ihre Freiheit zurück

Von Wilfried Eckl-Dorna

Maria-Elisabeth Schaeffler, Chefin des gleichnamigen fränkischen Industriekonzerns, könnte bald einen Großteil ihrer Schulden los sein
REUTERS

Maria-Elisabeth Schaeffler, Chefin des gleichnamigen fränkischen Industriekonzerns, könnte bald einen Großteil ihrer Schulden los sein

Die eigene Automobilsparte hält Schaeffler zum Jahresstart gerade noch auf Kurs. Gleichzeitig mehren sich die Hinweise, dass der Continental-Großaktionär einen Teil seines Aktienpakets losschlagen will. Zwei Leute würden davon besonders profitieren.

Hamburg - Gewinn und Marge sinken leicht, an den Jahreszielen wird jedoch nicht gerüttelt: Die Zahlen des Industriekonzerns Schaeffler für das erste Quartal fielen nicht gerade spektakulär aus. Zwar brach in der Industriesparte das Ergebnis vor Steuern und Zinsen im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als die Hälfte ein. Doch der Zuwachs in der größeren Automobilzuliefersparte von rund 12 Prozent konnte das ausgleichen.

Im Gesamtjahr will das Unternehmen trotz eines "sehr volatilen Umfelds" um 4 Prozent wachsen und stabile Gewinne abliefern. So weit, so gut. Doch zum spannendsten Thema wollte sich die Unternehmensführung bei der heutigen Vorlage der Quartalszahlen gar nicht äußern: Und das ist die Frage, wie Schaeffler nun bei seiner Beteiligung Continental Chart zeigen weiter vorgehen will.

Kurz vor der Hauptversammlung des Hannoveraner Autozulieferers am vergangenen Mittwoch kam heraus, dass Continental-Großaktionär Schaeffler nun eine Investorenvereinbarung mit Continental gekündigt hat. Ab 13. Mai 2014 kann sich Schaeffler problemlos damit von Teilen seines 49,9-Prozent-Anteils an Continental trennen. Bisher konnte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder als "Garantor" einen verbindlichen alternativen Investor vorschlagen.

Die Regelung war Teil einer komplexen Vereinbarung aus dem Jahr 2008. Damals hatte der Familienkonzern Schaeffler versucht, den deutlich größeren Zulieferer Continental zu übernehmen - und sich damit schwer verkalkuliert. Die Folge war ein Schuldenberg von rund 10 Milliarden Euro, der Schaeffler knapp an der Insolvenz entlangschrammen ließ.

An den Folgen laboriert Schaeffler noch heute, der Schuldenstand des Unternehmens liegt aktuell bei rund 10,3 Milliarden Euro. Allerdings sind die Schulden rechtlich aufgeteilt: Rund 3,5 Milliarden Schulden trägt die übergeordnete Schaeffler Holding, die insgesamt 13,76 Prozent an Continental besitzt. Die übrigen 6,8 Milliarden Euro Schulden lasten auf der operativen Schaeffler AG. Sie hält eine Beteiligung an Continental in Höhe von 36,14 Prozent.

Guter Zeitpunkt, um Kasse zu machen

Mit der Kündigung der Investorenvereinbarung hat sich Schaeffler nun neue Freiheiten verschafft. Die könnte das Unternehmen nun gut nützen, um sich über die Börse frisches Kapital zu verschaffen. Die Reduzierung des Schuldenstands durch Dividendenzahlungen von Continental dauere lange, meint Erich Hauser, Analyst der Großbank Credit Suisse. Ein Verkauf von Continental-Anteilen an der Börse hingegen "geht relativ schnell bei einem guten Preis", meint Hauser.

Aktuell liegt der Aktienkurs von Continental Chart zeigen bei 100 Euro - und damit nur knapp unter dem Höchststand. Hauser rechnet wegen der schwierigen Autokonjunktur in Europa nicht damit, dass Continentals Aktienkurs in diesem Jahr noch deutlich steigt.

Schaeffler könnte den Kurs nutzen, um Kasse zu machen, meint auch Analyst Frank Schwope von der NordLB. "Auf Jahressicht wird sich da noch was tun", ist er überzeugt. Schaeffler dürfte seine Anteile aber eher an mehrere Interessenten verkaufen, argumentiert er. Denn dann gäbe es keinen "großen Gegenblock, der das Abstimmungsverhältnis bei Continental in Zukunft stören könnte".

Ein Totalausstieg von Schaeffler bei Continental bezeichnen beiden Analysten als unwahrscheinlich. Realistischer ist es, dass Schaeffler einen Anteil von über 30 Prozent an den Hannoveranern behält und somit die Sperrminorität nicht aufgibt. Hauser von Credit Suisse rechnet damit, dass die von der Holding gehaltenen Conti-Anteile relativ bald auf den Markt kommen. Die Aufteilung der Anteile zwischen Holding und AG sei nicht gerade zufällig erfolgt, meint er.

In der Holding haften Maria-Elisabeth Schaeffer und ihr Sohn Georg persönlich, in der AG nur mittelbar. Ein Verkauf der Conti-Anteile in der Holding würde nach derzeitigem Kurs rund 2,7 Milliarden Euro einbringen - und damit die Schulden der Holding auf knapp 800 Millionen Euro reduzieren. Das würde also vor allem die Schulden der Schaeffler-Familie schlagartig senken - und ihnen einen Teil jener finanziellen Freiheit zurückgeben, den sie vor dem Abenteuer der Conti-Übernahme bereits hatten.

Familie gegen Firmenchef: Machtkampf bei Schaeffler

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