Sonntag, 30. April 2017

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Schleppender Verkauf Europa-Flaute zermürbt deutschen Automarkt

Volkswagen-Auslieferungsturm in Wolfsburg: Branche büßt Umsatz ein

Schwierige Zeiten für Autokonzerne: Der Pkw-Verkauf fällt selbst in Deutschland um 17 Prozent, dem eigentlichen Hoffnungsträger in der Euro-Krise. Und auch der Export wird jetzt schwerer. Die Erfolge der Vergangenheit zählen da für Deutschlands Autoriesen kaum.

Hamburg - Es sind beeindruckende Entwicklungen, die Marktforscher der deutschen Autoindustrie attestieren. Sicher Erfolge, die Arbeitsplätze in der deutschen Schlüsselindustrie hierzulande gesichert haben - und Konkurrenten der deutschen Autoschmieden in das Mark treffen. Nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft Ernst & Young sind deutsche Autobauer der internationalen Konkurrenz den vergangenen zehn Jahren geradezu davongefahren.

Sollten die Rechnungen der Berater stimmen, steigerten die hiesigen Hersteller ihren Umsatz seit dem Jahr 2003 um insgesamt 78 Prozent, während beispielsweise japanische Hersteller nur um 23 Prozent zulegten. Bei anderen europäischen Autobauern gingen die Erlöse in dem Zeitraum sogar um 7 Prozent zurück, bei den US-Herstellern noch deutlicher um 15 Prozent. Das alles wird die deutsche Autoindustrie heute allerdings kaum trösten. Denn auch für die Erfolgsverwöhnten hiesigen Hersteller geht es aktuell alles andere als voran.

Der Pkw-Verkauf sackt nun selbst in Deutschland, eigentlich Hoffnungsträger inmitten der Euro-Wirtschaftskrise, kräftig ab. Die Zahl der Neuzulassungen brach im März verglichen mit dem Vorjahresmonat um 17,1 Prozent auf rund 281.000 Fahrzeuge ein, wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Hinzu kommt, dass die deutschen Autobauer mit schwächerer Nachfrage aus dem Ausland zu kämpfen haben.

Im ersten Quartal lag der Rückgang der Zulassungen bei 12,9 Prozent auf 674.000 Personenwagen (Pkw). Unter den großen Herstellern musste Volkswagen besonders große Einbußen hinnehmen: Im März lag das Minus bei 21,2 Prozent, im ersten Vierteljahr bei 17,0 Prozent. VW hatte im ersten Quartal mit 21,3 Prozent aber nach wie vor den mit Abstand größten Marktanteil. Es folgen Mercedes (9,3 Prozent), Audi und BMW (je 8,2 Prozent).

VDA: "Lage in Europa wirkt sich auf Deutschland aus"

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wies darauf hin, dass im März diesmal zwei Arbeitstage weniger vorhanden waren. "Deswegen fällt der Rückgang im Vergleich zum recht ordentlichen März 2012 besonders deutlich aus", erklärte VDA-Präsident Matthias Wissmann. "Aber wir sehen, dass die schwierige konjunkturelle Lage in Europa sich auch auf den deutschen Pkw-Markt auswirkt."

Die Fertigung in den deutschen Werken wurde dann auch nach VDA-Angaben im März um 13 Prozent auf 474.900 Pkw gedrosselt. Seit Januar wurden 1,33 Millionen Autos im Inland produziert - das entspricht einem Minus von 11 Prozent. "Den schwachen Markt in Europa spüren wir vor allem in unseren Inlandswerken", bemerkte Wissmann.

Auch beim Export mussten die deutschen Autoproduzenten den Rückwärtsgang einlegen. Sowohl im März als auch im ersten Quartal betrug das Minus nach VDA-Angaben 9 Prozent. Im März wurden 367.200 Pkw an ausländische Kunden ausgeliefert, in den ersten drei Monaten waren es zusammen 1,03 Millionen.

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